Überraschung

Kroatien schockt den Titelverteidiger

Ivan Perisic gelingt drei Minuten vor Schluss der Siegtreffer. Auf Spanien warten im Achtelfinale nun die Italiener

Bordeaux. Die befürchtete Pyrotechnik-Krawalle kroatischer Ultras blieben aus, dafür gab es auf dem Platz ein echtes Feuerwerk zu sehen. In Bordeaux sorgten die kroatischen Spieler für eine große Überraschung. Mit einem 2:1 (1:1) über Titelverteidiger Spanien nach einem Gegentor von Alvaro Morata (7. Minute) und Treffern von Nikola Kalinic (45.) sowie Ivan Perisic (87.) sicherten sie sich den Sieg in Gruppe D.

Und der war selten so wichtig wie dieses Mal. Kroatien darf jetzt gegen einen Gruppendritten und in einem möglichen Viertelfinale gegen die Schweiz oder Polen weitermachen. Spanien muss am Montag gegen Italien antreten. Auf den Sieger dürfte dann im Viertelfinale der Weltmeister Deutschland warten. „Ich fühle mich stolz. Ich glaube, dass es nur wenige Mannschaften gibt, die Spanien schlagen können“, sagte Matchwinner Perisic.

Kroatien spielte ohne seinen verletzten Spielmacher Luka Modric direkter als gewöhnlich und setzte vor allem auf ein extrem hohes Pressing – die Medizin mutiger Mannschaften gegen Spanien. Wie sehr die Titelverteidiger darunter leiden, war vor allem in der ersten Halbzeit zu bestaunen. Sergio Ramos spielte den Ball unter Druck den Kroaten in die Füße, doch den strammen Schuss von Nikola Kalinic parierte David De Gea stark (12.). Dass er sich mit dem Fuß ungleich schwerer tut, zeigte sich eine Minute später, als er den Ball gegen den pressenden Kalinic verlor. Die folgende Bogenlampe von Ivan Rakitic senkte sich über De Gea hinweg an die Latte, von wo sie den Pfosten hinunter lief – und auf die Linie prallte.

Es wäre der Ausgleich gewesen, denn fünf Minuten vorher war Spanien mit seinem ersten gefährlichen Angriff in Führung gegangen. Cesc Fabregas’ Pass durch die Schnittstelle wurde noch abgefangen, doch der Ball kam zu David Silva, der verzögerte und dann noch mal durch die Schnittstelle spielte. Fabregas nahm auf, seinen Heber über Torwart Danijel Subasic drückte Mittelstürmer Alvaro Morata zu seinem dritten Turniertreffer ins Tor.

Gegen Ende der ersten Halbzeit verflachte das Spiel, doch das sollte sich nur als Prelude erweisen für das bisher vielleicht schönste Turniertor. Ivan Perisic setzte sich auf links gegen Juanfran durch und flankte in die Mitte, wo Kalinic am kurzen Pfosten den Ball volley mit der Hacke ins Tor beförderte.

Ob es an den seltsamen Zweittrikots im 1990er-Jahre-Style lag, bei denen sich eine englische Zeitung mal an „ausgekotzte Paella“ erinnert fühlte? Spanien erreichte nicht die gewohnte Spielkontrolle. Der in den ersten Spielen überragende Andres Iniesta blieb blass, Sergio Busquets agierte ungewohnt fehlerhaft. Erst als Trainer Vicente Del Bosque nach einer Stunde Bruno Soriano als zweiten Sechser (neben Busquets) einwechselte, stabilisierte sich der Titelverteidiger – und erhielt ein Geschenk von Schiedsrichter Kuipers. Nach einer Schwalbe von David Silva entschied er in der 71. Minute auf Elfmeter. Nach diversen Protesten und Gelben Karten flüsterte Kroatiens Kapitän Dario Srna seinem Torwart etwas ins Ohr. Der entscheidende Tipp? Aus einer Mannschaft mit so feinen Fußballern lief ausgerechnet Innenverteidiger Ramos an. Er bolzte den Ball in die Mitte auf Subasic.

Als in der 87. Minute alles schon auf ein Remis hindeutete, fand Perisic noch einmal die Kraft für einen seiner stets gefährlichen Antritte, zog auf dem linken Flügel davon und vollstreckte aus spitzem Winkel. Ob Juanfran den Ball entscheidend abfälschte oder De Gea ihn trotzdem hätte halten müssen – diese Frage muss Spanien schnell abhaken. Denn nun wartet Italien.

Kroatien - Spanien 2:1 (1:1)

Kroatien: Subasic - Srna, Corluka, Jedvaj, Vrsaljko - Rog (82. Kovacic), Badelj - Perisic (90.+4 Kramaric), Rakitic, Pjaca (90.+2 Cop) - Kalinic.

Spanien: De Gea - Juanfran, Pique, Ramos, Alba - Fabregas (77. Thiago), Busquets, Iniesta - Silva, Morata (67. Aduriz), Nolito (60. Soriano).

Tore: 0:1 Morata (7.), 1:1 Kalinic (45.), 2:1 Perisic (87.). - SR: Kuipers (Niederlande). - Zuschauer: 37.245. - Gelbe Karten: Rog, Vrsaljko, Srna, Perisic .