Tennis

Routinier Mayer schlägt Youngster Zverev in Halle

Der Siegeszug des Jungstars Alexander Zverev wurde in Halle gestoppt. Von einem Mann, der nicht mal eine Wildcard kriegen sollte.

Florian Mayer präsentiert seinen Siegerpokal

Florian Mayer präsentiert seinen Siegerpokal

Foto: Friso Gentsch / dpa

Halle/Westfalen.  Überwältigt von seinen Emotionen sank Florian Mayer auf die Knie, fassungslos schlug er die Hände vors Gesicht.

Noch vor wenigen Wochen hatte der stille Tennisprofi aus Bayreuth laut über sein Karriereende nachgedacht, beim Rasenturnier in Halle/Westfalen feierte er nun den größten Erfolg in 15 Profijahren. Im Endspiel entzauberte Mayer Jungstar Alexander Zverev (19) nach 1:55 Stunden 6:2, 5:7, 6:3.

„Das hat mir heute total viel Spaß gemacht. Ich war nicht sicher, ob ich überhaupt weiterspiele, jetzt stehe ich hier als Sieger. Das kann ich noch nicht fassen“, sagte Mayer. Am Montag macht der 32-Jährige, dessen bislang einziger Titel aus dem Jahr 2011 datierte, einen riesigen Satz in der Weltrangliste – von Platz 192 auf Rang 80.

Zverev ist nun in Wimbledon gesetzt

Auch Zverev verbessert sich im Ranking und gehört in Wimbledon (ab 27. Juni) erstmals zu den gesetzten Spielern bei einem Grand Slam. Trost fand der Teenager aus Hamburg jedoch nicht sofort, tief saß der Stachel seiner zweiten Finalniederlage auf der ATP-Tour.

Nach dem grandiosen Halbfinalsieg über Rekordchampion Roger Federer hatte sich Zverev große Hoffnungen auf seinen ersten Profititel gemacht. Dennoch gratulierte der 19-Jährige Mayer fair: „Du hast fantastisch gespielt und verdient gewonnen.“

Mayer sprach seinem jungen Kontrahenten Mut zu: „Ich habe meinen ersten Titel erst im fünften Anlauf geholt. Mach dir keine Sorgen. Dir gehört die Zukunft.“

Unorthodoxe Spielweise

In der Gegenwart war Mayer jedoch der bessere Spieler. Favorit Zverev knüpfte im zweiten deutschen Finale der Turniergeschichte nicht an die berauschende Vorstellung aus dem Match gegen Federer an. Vor den Augen seiner Familie startete Zverev nervös und gab seinen Aufschlag durch zwei Doppelfehler zum 2:4 ab. Frustriert schmiss er den Schläger.

Der zweimalige Wimbledon-Viertelfinalist Mayer nutzte Zverevs Unmut mit all seiner Routine und Klasse auf dem schnellen Platz aus. Mit seiner unorthodoxe Spielweise zeigte er, dass er besonders auf Rasen noch immer mit dem hohen Tempo der nächsten Generation mithalten kann.

Umso bemerkenswerter, dass Mayer nur mit Hilfe einer Sonderregel der ATP in Halle starten durfte. Die Veranstalter hatten dem Tennis-Veteran noch eine Wildcard verweigert.