Leichtathletik

Betty Heidler und ihr letzter großer Wurf

Die Hammerwerferin sichert sich elften Meistertitel und das Olympiaticket. Jetzt hofft sie auf den perfekten Karriereabschluss in Rio.

Betty Heidler

Betty Heidler

Foto: Sven Hoppe / dpa

Kassel.  Betty Heidler war Welt- und Europameisterin, einst sogar Weltrekordhalterin, bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann die Berlinerin Bronze. Mit der Zeit ist in ihrer Karriere also eine Menge Edelmetall zusammengekommen.

Ein deutscher Meistertitel, erst recht der elfte, scheint angesichts dieser Erfolge fast nachrangig. Und doch war die gestrige Goldmedaille von den Deutschen Meisterschaften in Kassel eine ganz besondere für Betty Heidler, denn es wird ihr letzter Titel bleiben.

Die 32-Jährige hängt den Hammer nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (ab 5. August) an den Nagel. „Ich habe das Gefühl, dass Olympia ein schöner Abschluss ist“, sagte sie, musste aber eingestehen: „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei.“

„Es war ein guter Wettkampf“

Zumal Heidler, die in Marzahn geboren ist, aber seit vielen Jahren für Eintracht Frankfurt startet, die nationale Konkurrenz nach wie vor im Griff hat. In Kassel warf sie 75,32 Meter, drei weitere Versuche landeten an der 75-Meter-Marke. Vereinskollegin Kathrin Klaas (69,95 m) lag als Zweite mehr als fünf Meter zurück. Bronze ging mit Charlene Woitha (SCC Berlin/67,06) ebenfalls nach Berlin.

„Ich freue mich total über die gute Serie und über den Titel“, so Heidler. „Es war ein guter Wettkampf, ich gehe da mit einem guten Gefühl raus.“ Die Werferin blickt optimistisch auf die Olympischen Spiele. Sie müsse noch „ein bisschen Spritzigkeit drauflegen“, ansonsten lasse sich auf die Leistung aus Kassel aufbauen. „Die Würfe waren allesamt sehr gut, aber ich glaube, dass es noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.“

Acht Wochen sind es noch bis zum Hammerwurf-Finale in Rio, zuvor stehen Mitte Juli noch die Europameisterschaften in Amsterdam auf dem Plan. „Das ist noch einmal ein guter Test, bevor es dann bei Olympia heiß hergeht“, sagte Heidler, die die EM dennoch nicht gezielt vorbereitet, sondern aus dem Training heraus bestreiten wird.

In der Weltjahrsbestenliste auf Rang vier

„Der Fokus liegt auf Rio“, betonte sie. Insofern passte es gut, dass der Wettbewerb bei den Deutschen Meisterschaften am Sonnabend bereits am späten Vormittag stattfand – genau wie später das Olympiafinale. „Ich bin früh aufgestanden und habe morgens noch kurz trainiert“, erzählte Heidler. „Ich habe versucht, die Abläufe so zu simulieren, wie sie auch in Rio sein werden. Das hat gut geklappt.“

In der Weltjahresbestenliste ist die Berlinerin aktuell Vierte, in Europa belegt sie Rang zwei. Führende ist jeweils die Polin Anita Wlodarczyk, die amtierende Weltrekordlerin, die in diesem Jahr schon 79,48 Meter geworfen hat.

Die Weltmeisterin scheint derzeit unschlagbar. „Natürlich ist sie wieder die haushohe Favoritin“, sagte Betty Heidler. „Am Ende entscheidet aber die Tagesform. Ich versuche einfach meinen Wettkampf zu machen, und dann schauen wir mal, was passiert.“

Heidler begrüßt Sperre der Russen

Vor vier Jahren in London hatte Heidler Bronze gewonnen. Weil die russische Siegerin Tatjana Lysenko jedoch unter Dopingverdacht steht, könnte die Werferin nachträglich sogar Silber bekommen. Die Freude darüber ist begrenzt, sie empfinde höchstens Genugtuung, so Heidler.

„Die Silbermedaille hat überhaupt keinen gefühlten Wert für mich, einen finanziellen schon gar nicht. Ich packe sie halt weg. Ich habe damals um Bronze gekämpft, und ich glaube, jeder verbindet meinen Wettkampf mit der Bronzemedaille.“ Diese war ihr nachträglich zugesprochen worden, nachdem zunächst die elektronische Weitenmessung nicht funktioniert hatte.

Tatjana Beloborodowa, wie Lysenko jetzt heißt, wird in Rio wegen der von der IAAF verhängten Sperre gegen Russland wohl nicht starten. Betty Heidler begrüßt die Sperre: „Ich glaube, bis auf die Russen finden alle diese Entscheidung richtig und gut. Man hätte sich gar nicht anders entscheiden können, so wie die Sachlage ist. Für die Leichtathletik ist es das richtige Signal, dass die Russen nicht am Start sein werden.“

Julia Fischer muss als Zweite noch weiter um Rio kämpfen

Im Gegensatz zu Betty Heidler verfehlte Diskuswerferin Julia Fischer die angestrebte Goldmedaille. Die Titelverteidigerin und Führende der Jahresbestenliste warf 63,94 Meter und wurde Zweite. Damit qualifizierte sich die 26-Jährige vom SCC Berlin für die Europameisterschaften in Amsterdam, verpasste aber das vorzeitige Olympiaticket für die Deutsche Meisterin.

Dieses sicherte sich Nadine Müller, die mit 65,79 Metern ihren insgesamt sechsten Titel holte. „Das war nicht das, was ich kann. Aber ich war einfach platt“, sagte Fischer. Gleichwohl zog sie aus dem Ergebnis auch Motivation für die bevorstehenden internationalen Aufgaben: „Letztes Jahr ist Nadine Müller ja Zweite geworden und hat anschließend bei der WM eine Medaille gewonnen. Das könnte ich mir so umgedreht vorstellen für Olympia.“