Sport

Warum Hummels so wichtig ist

Berti Vogts ist ein Fan des Verteidigers, bedauert aber dessen Wechsel nach München

Das Spiel gegen die Ukraine hat gezeigt, wie wichtig Mats Hummels für die deutsche Nationalelf ist. Sie braucht ihn, als Leader, als Organisator, Stabilisator. Hummels ist ein Topprofi, der sich sehr gewissenhaft vorbereitet. Er weiß genau, was er machen muss, um an dem und dem Tag Höchstniveau zu erreichen – und lebt entsprechend danach. Vermutlich wird er heute schon wieder auf dem Platz stehen.

Ich mag so einen Spielertyp. Er ist wichtig in Situationen, in denen es eng wird. Solche Kerle muss man dann haben: Spieler, die nicht immer Ja und Amen sagen. Natürlich sind sie für einen Trainer nicht so leicht zu führen wie andere Spieler. Aber so lange das, was besprochen wird, im Raum bleibt, ist alles okay. Ein Problem wäre allerdings gewesen, wenn ich am nächsten Tag den Inhalt der Gespräche in der Zeitung gelesen hätte …

Matthias Sammer war ein ähnlicher Typ wie Hummels. Extrem kritisch, sehr hinterfragend, man musste ihn richtig überzeugen. Spieler, die sich so sehr mit Fußball beschäftigen, muss man ausreden lassen. Sie wollen Erfolg haben. Und die Zeit von 1954, in der alles nur von oben herab dirigiert wurde, ist längst vorbei.

Ich gebe zu: Zuerst konnte ich Mats Hummels’ Transfer von Borussia Dortmund zum FC Bayern nicht nachvollziehen. Da wusste ich aber auch noch nicht, dass er ein Bayer ist! Aus familiärer Sicht kann ich seinen Wechsel mittlerweile verstehen. Aber sportlich? Verstehe ich es nicht. Ich befürchte, dass er bei Bayern nicht die Anerkennung bekommt, die beim BVB entgegengebracht wurde. Dort war er Publikumsliebling. Und ob er eine Million Euro mehr oder weniger verdient – ist das denn so schlimm?

Ich hätte es besser gefunden, wenn Hummels in Dortmund geblieben wäre. Wir brauchen starke Mannschaften, die den Bayern Paroli bieten. Wenn Bayern eines Tages eine Topelf in der Bundesliga auf den Platz schickt und zwei Tage später eine völlig andere für die Champions League zur Verfügung hat – wollen die Zuschauer das denn wirklich sehen, solch eine Dominanz? Ist das gut für den Fußball?

Mats Hummels hat das bestimmt mit seiner Frau besprochen. Und wie gesagt: Familiär kann ich das nachvollziehen. Aber er soll jetzt bitte nicht eine neue sportliche Herausforderung als Grund anführen; die Herausforderung wäre in Dortmund ganz sicher nicht kleiner.

Berti Vogts führte Deutschland 1996 als Trainer zum EM-Sieg