Gruppengegner Polen

Die Lewandowskis - die Beckhams von Polen

Torjäger Robert Lewandowski und Ehefrau Anna, Karate-Weltmeisterin, sind ein Power-Paar. Mats Hummels warnt vor den Qualitäten des Stürmers

In Polen sind sie Superstars – doch die Karriere von Robert Lewandowski, hier mit Gattin Anna, soll vom FC Bayern noch zu Real Madrid führen

In Polen sind sie Superstars – doch die Karriere von Robert Lewandowski, hier mit Gattin Anna, soll vom FC Bayern noch zu Real Madrid führen

Foto: imago/Newspix

Évian-les-Bains.  So verletzlich hatten sie ihn nicht gekannt in Dortmund. Die Bühne gehörte Robert Lewandowski allein. Der Rasen war leer, die Kollegen in der Kabine verschwunden, aber der Stürmer blieb noch. Es war sein letztes Spiel für die Borussia in Dortmund gewesen, das stand fest. Sein Trikot hatte er einem Fan geschenkt, weshalb sein Oberkörper entblößt war. Ein Oberkörper, wie von Hammer und Meißel erschaffen. Er stand im Mittelkreis, verneigte sich in Richtung der ­Tribünen, auf denen ihn die Zuschauer feierten. Er würde alsbald gehen. Nach München zu den Bayern. Alle wussten es. Aber die Enttäuschung darüber wog deutlich weniger als das, was dieser Mann den Menschen an Freude gebracht hatte.

Die Anhänger dankten ihm, dass sie dem polnischen Stürmer vier Jahre lang beim Toreschießen hatten zuschauen dürfen. Und Robert Lewandowski, der Mann aus Stein, hatte Tränen in den Augen. Im Sommer 2014 war das. ­Größere sichtbare Emotionen gehören eigentlich nicht zum Repertoire von ­Robert Lewandowski.

Eine Karriere vom Reißbrett

Sie täten seinem Spiel wohl nicht besonders gut. Und wenn der Angreifer eines nicht zulässt, dann Dinge, die auch nur potenziell seine Leistung gefährden. Er geht seinen Weg. Immer geradeaus. Und immer nach oben. Zu seinem ­Karriereplan gehört, stets alle drei, vier Jahre den nächsten Schritt zu einem größeren Verein zu machen. So haben er und seine in der Branche des Profi­fußballs berüchtigten Berater den Weg an die Spitze konzipiert.

So haben sie aus dem kleinen Jungen aus Leszno nahe Warschau, der so schmächtig und unscheinbar war, dass eine Profikarriere bis zu seinem 18. Lebensjahr höchst fraglich war, einen internationalen Superstar geformt. Als Kapitän führt er an diesem Donnerstag die polnische Mannschaft auf das Feld, wenn es bei der EM in Frankreich gegen Deutschland um den Gruppensieg zu gehen scheint. „Die Deutschen sind der Favorit, aber in einem Spiel ist alles möglich“, sagt Lewandowski. Dass er recht hat, liegt vor allem an ihm.

Lewandowski ist der erste Mann im Staat

Innenverteidiger Mats Hummels gerät regelrecht ins Schwärmen. Vier Jahre lang hat er täglich beim BVB mit Lewandowski trainiert, zukünftig werden sie wieder Mannschaftskollegen in München sein. „Es ist einfach geil, gegen ihn zu spielen. Er ist ein Komplettpaket als Stürmer, einer der besten Ballhalter, weil er unglaublich stabil ist und seinen Körper einsetzen kann. Er darf sich gar nicht erst zum Tor hindrehen“, warnt Hummels: „Ich mag es aber total, gegen so einen tollen Stürmer zu spielen. Das ist dann 90 Minuten lang Abnutzungskampf. Er ist der beste Strafraumstürmer der Welt.“ Wo er auftaucht, herrscht Aufregung – so oder so.

Hunderte Fans hatten sich eingefunden, als der Helikopter sich endlich näherte. Im Südosten Polens, nahe der Grenze zur Ukraine, hatte National­trainer Adam Nawalka seine Mannschaft zur Vorbereitung auf das Turnier zusammengezogen. Arlamow heißt der dünn besiedelte Ort, an den sonst nur ein paar Naturfreunde reisen. Aber die Begeisterung für Lewandowski zog die Menschen an. Wegen des deutschen Pokalfinals schwebte der Stürmer später als seine Mannschaftskollegen ein. Spitze Schreie, Fotos, Fernsehkameras. Vier Tage später reiste der polnische Staatspräsident Andrzej Duda in ähnlicher Weise an, um der Mannschaft Glück zu wünschen. Ein paar TV-Teams machten Bilder, das war’s.

Lewandowski ist der erste Mann im Staat, ein Profi der Superlative. Drei Tore schoss er 2012 im DFB-Pokalfinale gegen die Bayern. Eine historisch hohe Niederlage für München. Vier Tore erzielte er im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid. Das schaffte noch kein Spieler. Mit fünf Toren binnen neun Minuten gegen den VfL Wolfsburg stellte er gleich eine un­übersichtliche Menge an Bundesliga- Rekorden auf. Sechs Tore in einem Spiel? In einer Halbzeit? Für den Kerl, den sie Lewy nennen, scheint es keine Grenzen zu geben. Und wenn doch und es etwas gibt, das ihm hilft, die Grenzen zu verschieben, dann nutzt er sie.

Die Ehefrau als Fitness-Coach und Ernährungsberaterin

Seit Jahren kehrt er die Abfolge seiner Mahlzeiten um: erst das Dessert, dann Hauptgericht, dann Suppe oder Salat. Das helfe bei der Fettverbrennung, sagt er. Dadurch fühle er sich noch kraftvoller, sagt er. Den Tipp hat ihm seine Frau Anna gegeben. Sie ist Karate-Weltmeisterin und fordert ihren Robert, wenn es der jeweilige Trainer gerade nicht tut. Bilder von Robert und Anna vor und nach dem oder während des Workout gibt es zahlreich auf ihren Profilen in den sozialen Netzwerken. Millionen von Menschen erreichen sie damit. „rl9“ nennt sich Lewandowski dort.

Eine Marke mit erstaunlicher Reichweite. Mit ihm und seiner Frau werden die Geschichten gemacht in seiner Heimat. Sechs Bücher erschienen in den Wochen vor der EM über Robert Lewandowski. Seine Frau reiste noch vor ihm ins Trainingslager der Nationalmannschaft, um dort die anderen Spielerfrauen zum Fitness-Training zu bitten. Anna gilt mittlerweile als eine Art Gesundheits-Guru, beide zusammen als die Beckhams Polens. Das Emblem des Sponsors ist meist gut zu erkennen, so viel ­Geschäftssinn muss sein.

Vertrag in München läuft bis 2019

Der ­Vertrag von Lewandowski beim FC ­Bayern läuft bis 2019, zehn Millionen Euro im Jahr soll er dort verdienen. Glaubt man dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“, haben seine Berater bei der Bayern-Führung bereits hinterlegt, dass sie mit Real Madrid sprechen würden. Ein Wechsel zu den Königlichen soll, so sieht es der Karriereplan vor, den Namen Lewandowski weltweit bekannt machen. Das war vor drei Jahren noch nicht der Fall, als Lewandowski im Hinspiel gegen Real seine vier Treffer machte und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Rückspiel in Madrid auf der Tribüne neben dem spanischen König Juan Carlos I zu sitzen kam. Der hatte mitbekommen, dass mit Mario Götze ein guter Spieler zu den Bayern wechseln würde und sagte dann ganz mitfühlend: „Aber ihr habt ja noch den Lewinski.“