TV-Rechte

Deutschlands Fernseh-Fußball: Mehr Geld und neue Partner

Die Bundesligisten erhalten 4,64 Milliarden Euro. Eurosport schnappt Sky die Freitagsspiele weg, die "Sportschau" bleibt erhalten.

Die 36 Klubs der Deutschen Fußball-Liga (DFL) jubeln, die Fans dürfen aufatmen. Die Vergabe der Medienrechte für Fernsehen, Radio und Internet für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 erbringt 4,64 Milliarden Euro. Bisher waren es im Vierjahreszeitraum ab 2013 2,51 Milliarden Euro. Rechnet man die noch nicht abgeschlossene internationale Vermarktung jenseits europäischer Grenzen hinzu, stehen pro Saison ab 2017 im Schnitt 1,4 Milliarden Euro zur Verteilung an.

Das Wichtigste: ARD-„Sportschau“ und ZDF-„Sportstudio“ werden weiterhin gebührenfinanziert über die Bundesliga wie gewohnt berichten. Der Bezahlsender Sky überträgt noch 572 der 612 Erst- und Zweitligaspiele live, auch mobil und im Internet. Das Topspiel am Sonnabendabend bleibt bei Sky. Dazu werden alle Zweitliga-Partien gezeigt. RTL und Telekom gingen auf allen Ebenen leer aus. Sport1 kann Montagabend kein Zweitligaspiel mehr zeigen.

Neu: Freitag (30 Spiele/20.30 Uhr) sowie Sonntag (5 Spiele/13.30 Uhr) und Montag (5 Spiele/20.30 Uhr) kommt erstmals Eurosport zum Zug. Der zum US-Konzern Discovery gehörende Sender wird diese Spiele, zu denen auch die Relegationsmatches Bundesliga-Drittletzter gegen Zweitliga-Dritter zählen, nur gegen Bezahlung zeigen.

Kein zweiter Decoder nötig

„Ich gehe davon aus, dass ein Sky-Kunde für die Eurosport-Spiele keinen gesonderten Decoder brauchen wird“, so DFL-Chef Christian Seifert. Die freien empfangbaren Livespiele an Spieltag 1, 17 und 18 sowie die Relegation Zweite gegen Dritte Liga wandern ab 2017 dann von der ARD zum ZDF.

Höhepunkte in Kurzform 40 Minuten nach Spielende wird die britische Perform Group im Internet (spox.com, goal.com) anbieten, die kürzlich Sky bereits die Rechte an der englischen Premier League weggeschnappt hatte. Auch Axel Springer (Bild.de) hält dann keine Rechte mehr.

Ebenso neu im Boot ist dafür Amazon. Der US-Onlinehändler hat sich die Audio-Online-Rechte gesichert. Was nun mit dem bisherigen Audiostreaming-Anbieter Sport1.fm passiert, ist unklar. Im UKW-Bereich darf weiter die ARD übertragen. Inklusive der beliebten Sonnabendkonferenz im Regionalradio.

Ob es bei der Verteilung der Gelder zwischen Bundesliga und Zweiter Liga beim Schlüssel von 80:20 bleibt, ist offen. Nach Informationen dieser Zeitung wird erst der im August in Berlin zu wählende neue DFL-Vorstand dieses Thema konkret aufgreifen.

„Insgesamt ist der Erlös ein ausgezeichnetes, ein überragendes Ergebnis”, erklärte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der Sitzung. „Der Abschluss ist eine gute Nachricht für den deutschen Profifußball“, erklärte DFL-Präsident Reinhard Rauball.

Im internationalen Vergleich verbessert

Grundsätzlich liegt die DFL im internationalen Vergleich ab 2017 klar verbessert im Rennen. Telefonica, Movistar und Mediapro sorgen für 1,6 Milliarden Euro pro Saison in der spanischen Primera Division. Italiens Serie A kassiert über Sky Italia und Mediaset rund 1,23 Milliarden Euro. An der französischen Ligue 1 ist die DFL vorbeigezogen. 748,5 Millionen Euro pro Saison zahlen seit Sommer 2016 Canal Plus und beIN Sports, der katarische Sport-TV-Riese, der bei der deutschen Rechtevergabe aber keine Rolle gespielt hatte.

An Branchenführer Premier League reicht der neue DFL-Deal erwartungsgemäß nicht heran. Das Triumvirat aus Sky, British Telecom und BBC legt für die neue Saison stolze 2,3 Milliarden Euro hin. Für nur 168 Live-Spiele. Aus der Auslandsvermarktung kommen rund 900 Millionen Euro hinzu. Christian Seifert mag den Quervergleich nicht: „Wir bräuchten zwölf Millionen Kunden, die 49 Pfund (rund 62 Euro, d. Red.) im Monat zahlen, um hier mitzuhalten. Mehr helfen würde uns sicher ein internationaler Titel.” Ein Wink an Bayern München, Borussia Dortmund und Co.