Union Berlin

Trauer um Sascha Lewandowski - Obduktion beantragt

Der ehemalige Trainer von Union, Sascha Lewandowski, ist im Alter von 44 Jahren gestorben. Die näheren Umstände sind noch nicht klar.

Sascha Lewandowskin ist mit 44 Jahren gestorben

Sascha Lewandowskin ist mit 44 Jahren gestorben

Foto: dpa

Diese Nachricht ist ein totaler Schock. Weil man immer an die positive Wirkung glaubt, die der Sport im Allgemeinen und der Fußball im Speziellen zu haben scheint. Weil man immer daran denkt, dass sich doch irgendwie alles zum Guten wenden wird, selbst wenn die Situation derart festgefahren ist.

So waren Anfang März die Gedanken nicht nur aller Sympathisanten des 1. FC Union, sondern des gesamten deutschen Fußballs – und von noch vielen mehr – bei Sascha Lewandowski. Soeben hatten der Trainer und der Berliner Zweitligist die Auflösung des gemeinsamen Arbeitsverhältnisses bekannt gegeben – auf Anraten der Ärzte, die ein akutes Erschöpfungssyndrom, sprich Burnout, bei Lewandowski diagnostiziert hatten, inklusive funktioneller Herzprobleme. Eine „temporär umfassende Entlastung von beruflicher Beanspruchung sei unumgänglich“, hieß es im März dieses Jahres. Sonst würde der Trainer nie loslassen.

Nun ist es traurige Gewissheit: Er hat nicht loslassen können. Lewandowski wurde laut Polizei in seiner Bochumer Wohnung tot aufgefunden, Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es nicht. Einzelheiten über die Todesursache sind noch nicht bekannt oder werden zumindest nicht veröffentlicht.

Seine fachlichen Qualitäten waren unumstritten

„Es ist ein laufendes Verfahren. Mehr können wir dazu derzeit nicht sagen“, sagte Andreas Bachmann. Der Staatsanwalt hat eine Obduktion des Leichnams beim Amtsgericht Bochum beantragt. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, ist nächste Woche mit Ergebnissen zu rechnen.

„Wir sind tief bestürzt und unglaublich traurig. Unsere aufrichtige Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gilt der Familie und den Angehörigen von Sascha Lewandowski“, zeigte sich Unions Präsident Dirk Zingler betroffen.

Hertha BSC teilte per Twitter mit: „Hertha trauert und wünscht der Familie und Freunden viel Kraft! Ruhe in Frieden, Sascha #Lewandowski!“ Für Hertha-Trainer Pal Dardai war die Nachricht schlicht „unfassbar“.

Es ist diese Nachricht, die einem wenige Stunden vor Beginn der Europameisterschaft in Frankreich unmissverständlich vor Augen führt, dass der Fußball nicht mehr ist als die schönste Nebensache der Welt. Dass er eben nicht jene autarke Welt ist, als die manche den liebsten Sport der Deutschen immer wieder erklären. Der Freitod von Nationaltorhüter Robert Enke im Jahr 2009 oder auch fünf Jahre später der Suizid von Ex-Union-Profi Andreas Biermann, die ihrem Leben wegen Depressionen ein Ende setzten, rücken sofort wieder ins Gedächtnis.

>>> Woran Sie erkennen, ob Sie unter Burnout leiden <<<

Ob auch Lewandowski an Depressionen litt, ist unklar. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe versteckt sich hinter Burnout oft eine nicht erkannte Depression, die erfolgreich behandelt werden könnte. Der Weg vom Ausgebranntsein, vom Burnout-Syndrom hin zur Ausweglosigkeit ist ein kurzer. Wer den gebürtigen Dortmunder bei Union erlebt hat, kommt unweigerlich zu der Vermutung, dass dieser Weg für Lewandowski noch einmal kürzer gewesen ist.

Akribisch und detailversessen kniete er sich in seinen Job, nachdem er das Amt vom entlassenen Norbert Düwel Anfang September 2015 übernommen hatte. Mit Lewandowski wollte Union die Talsohle überwinden, und die Vorzeichen waren bestens. Schließlich war Lewandowski seit seinen Erfolgen mit den A-Junioren des VfL Bochum (zweimal West-Meister) und mit den Profis von Bayer Leverkusen in Bundesliga und Champions League längst ein gefragter Coach. Seine fachlichen Qualitäten waren unumstritten.

Alle Taue zu Union gekappt

Doch schnell wurde ihm klar, dass er seine Aufgabe an der Alten Försterei unterschätzt hatte. Dass er seine Ansprüche an die Qualität der Mannschaft und auch an die Zweite Liga an sich erst anpassen musste. Eine Umstellung, mit der Lewandowski lange Probleme hatte. Für ihn konnte dies nur das Signal sein, noch intensiver nach Lösungen zu suchen.

Bereits im Oktober machte Lewandowski deutlich, dass er kaum vom Fußball abschaltet, um wieder aufzutanken. „Das kann ich gar nicht“, sagte er ohne zu zögern. Der Drang nach perfektionistischer Arbeit ließ ihn in dem Glauben, es allein schaffen zu müssen. Gerade im so oft zitierten familiären Union-Umfeld zeigte sich seine Introvertiertheit von Tag zu Tag mehr.

Sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, an den Unterschied zwischen internationalen Ansprüchen in Leverkusen und dem Zweitliga-Alltag in Köpenick, wurde für Lewandowski somit zur Geißel. „Das ist ja meine Aufgabe. Und wenn ich es nicht hinbekomme, dann ist es auch meine Schuld. Ich kann es nicht auf einen anderen schieben”, ließ er noch im Winter wissen.

Erst auf Drängen seiner Ärzte wurden alle Taue, die ihn auf irgendeine Weise doch noch mit Union verbinden, ihn zu Union zurückziehen könnten, gekappt. Es war ein Ende in Köpenick, das für den Menschen Sascha Lewandowski ein neuer Anfang sein sollte. Er wurde es leider nicht. Sascha Lewandowski wurde 44 Jahre alt.