Évian-Les-Bains

Der Titel kostet 23 Millionen

Trotz aller Rückschläge glaubt Bundestrainer Löw noch an ein erfolgreiches Abschneiden bei der EM

Évian-Les-Bains. Die schwere Verletzung Antonio Rüdigers hat der deutschen Mannschaft natürlich auf die Stimmung geschlagen. Aber Joachim Löw hat in Jonathan Tah (siehe Text oben) nicht nur sehr schnell einen Ersatz gefunden. Er machte auch keinerlei Abstriche bei seiner Zielsetzung. „Wir schrauben unsere Ansprüche nicht zurück und halten an unserem Ziel fest, das Finale zu erreichen. Wir wollen nicht jammern, sondern die beste Lösung finden, um ein erfolgreiches Turnier zu spielen“, kündigte der Bundestrainer an.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) beschäftigt sich nach wie vor mit einem erfolgreichen EM-Abschneiden und freut sich, in Frankreich unabhängig vom Resultat einen Gewinn verbuchen zu können. „Einnahmen und Ausgaben bauen sich auf, je weiter man in einem Turnier kommt. Wenn wir Europameister würden, wären Ausgaben von 23 Millionen Euro zu erwarten und Einnahmen von 25 Millionen“, berichtete DFB-Präsident Reinhard Grindel in Évian-les Bains.

Im Falle des Titelgewinns würden vor allem die Prämienzahlungen zu Buche schlagen: 300.000 Euro erhält jeder deutsche Nationalspieler beim EM-Triumph. Das sei eine „maßvolle und angemessene Prämienregel“, urteilte Grindel. Der neue DFB-Präsident rechnete weitere Szenarien vor. Im Falle eines Vorrunden-Ausscheidens stünden Kosten von acht Millionen Euro Einnahmen von neun Millionen Euro gegenüber. Im Falle einer Niederlage im Halbfinale würde ein Gewinn von drei Millionen Euro erzielt (Kosten 14,5 Mio, Einnahmen 17,5 Mio). Noch lukrativer, zumindest finanziell, wäre eine Finalniederlage. Hier stehen den Einnahmen von 22 Millionen Ausgaben von 18 Millionen gegenüber.

Grindel beklagte die hohen Kosten für die Hotels an den Spielorten, die auf den Verband bei den Reisen zu den EM-Begegnungen zukommen. „Da haben wir eine Größenordnung erreicht, die nicht mehr akzeptabel ist“, kritisierte er. Es könne nicht sein, „das die Spielort­hotels uns etwa so viel kosten wie die Unterkunft im Teambasecamp für die gesamte Zeit.“ Mit dem neuen Fifa-Chef Gianni Infantino habe er diese Problematik auch schon mit Blick auf den Confed-Cup 2017 und die WM 2018 jeweils in Russland besprochen.

Löw reagierte amüsiert auf die Rechenspiele. „Finanziell würden wir ja wahrscheinlich besser abschneiden, wenn wir nach der Vorrunde ausscheiden würden“, sagte er. Doch das ist nicht sein Plan. Der Bundestrainer, der am Nachmittag als vorletzten Spieler Lukas Podolski nach dessen Babypause im Hotel Ermitage erwartete, beteuerte, er freue sich trotz aller Rückschläge auf den Turnierstart. „Wir werden gegen die Ukraine gut gerüstet sein“, sagte er und verwies zugleich auf die „viele Arbeit in den wenigen Tagen bis zum Anpfiff in Lille: Wir müssen noch an der Spritzigkeit arbeiten und die nötige Frische erlangen. Zudem müssen wir an der Organisation arbeiten: Wie spiele ich gegen eine starke Defensive? Wie verhalte ich mich bei Kontern?“

Löw versprach den deutschen Fans mit entschlossener Miene: „Wenn wir unsere Stärken ausspielen, werden wir einen erfolgreichen Auftakt haben.“