Mannheim

Aus Europameistern werden Konkurrenten

Handball-Bundestrainer Sigurdsson hat die schwierige Aufgabe, sich für 14 Spieler für Rio zu entscheiden

Mannheim. Die Schonfrist ist vorbei, der Kampf um die Olympiatickets geht bei den deutschen Handball-Europameistern in die heiße Phase. 58 Tage vor den Olympischen Spielen in Rio (5. bis 21. August) verloren sie einen Test gegen Russland 25:27 (13:16), den letzten vor der Nominierung des vorläufigen Olympia-Kaders. In Mannheim offenbarte die DHB-Auswahl noch einige Baustellen. „Wir wollen uns als Mannschaft entwickeln und einen Schritt nach vorn kommen, wenn möglich noch ein bisschen besser sein als bei der EM. Das ist uns heute nicht gelungen“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki: „Vor allem in der ersten Halbzeit war es viel zu wenig Aggressivität.“

Bundestrainer Dagur Sigurdsson bezeichnet seine Situation als „Luxusproblem“, so viele starke Spieler stehen ihm zur Auswahl. Trotzdem wird der 43-Jährige bis Anfang Juli einigen seiner Top-Spieler eine Absage erteilen, bis zum 17. Juli muss er den nur 14 Spieler umfassenden Kader (plus ein Reservist), dem Deutschen Olympischen Sportbund melden. Eine Vorentscheidung sei noch nicht gefallen. „Für Rio ist alles offen. Ich entscheide erst in letzter Sekunde“, sagte der Isländer.

Er hat die Qual der Wahl. Nicht nur seine Europameister sind, bis auf Steffen Fäth (Mittelhandbruch), fit, einige gestandene Nationalspieler kehren zudem zurück. Sein Comeback gab gegen die Russen Patrick Wiencek. Der Kieler Kreisläufer hatte im Herbst vergangenen Jahres einen Kreuzbandriss erlitten und deshalb die erfolgreiche EM zu Jahresbeginn in Polen verpasst. „Er hat vor seiner Verletzung eine große Rolle gespielt“, sagte der Nationaltrainer. Zudem kehrten Steffen Weinhold und Christian Dissinger, die sich bei der EM verletzten, ebenso zurück in das Aufgebot des Deutschen Handballbundes wie Weltklasse-Linksaußen Uwe Gensheimer, der bei der EM verletzt gefehlt hatte. Von den Füchsen Berlin machen sich Torwart Silvio Heinevetter, der gestern fast durchspielte, sowie die jungen Rückraumspieler Fabian Wiede und Paul Drux Hoffnungen. Gegen Russland ragten allerdings auch sie nicht heraus, nur der Gummersbacher Julius Kühn mit acht Treffern.

„Natürlich hat man gemerkt, dass die Rhein-Neckar Löwen ihre Meisterschaft gefeiert haben. Die konnten nicht richtig mittrainieren“, scherzte Sigurdsson. Und Russland war ein echter Prüfstein. 2015 bei der WM in Katar gewann das DHB-Team in der Vorrunde mit 27:26. Auf dem Weg zum EM-Titel gelang beim 30:29 ebenfalls ein Sieg mit einem Tor Differenz. Sigurdsson sieht sich und seine Mannschaft trotz des 25:27 gewappnet: „Wir haben eine Halle voller Spieler, die eine breite Brust haben. Die stolz auf diese Saison sein können. Wir sind bereit.“