Basketball

NBA-Finalrevanche unter ganz neuen Voraussetzungen

Diesmal haben die Cleveland Cavaliers keine Verletzten und rechnen sich im NBA-Finale gegen die Golden State Warriors mehr aus.

Stephen Curry (r.) war auch von Kevin Durant, dem Star der Oklahoma Thunder, nicht zu stoppen

Stephen Curry (r.) war auch von Kevin Durant, dem Star der Oklahoma Thunder, nicht zu stoppen

Foto: John G. Mabanglo / dpa

Washington.  Die Teams sind identisch, die Ausgangspositionen völlig andere. Im Wettstreit um die Larry O’Brien Trophy für den Champion kommt es in der Basketball-Profiliga NBA zu einer Neuauflage des Finales vom Vorjahr. Meister Golden State Warriors empfängt am Donnerstag die Cleveland Cavaliers zum ersten von maximal sieben Endspielen. Das Team aus Oakland um den besten Drei-Punkte-Werfer aller Zeiten, Stephen Curry, erkämpfte sich durch ein 96:88 (42:48) im siebten Spiel gegen Oklahoma Thunder auf beeindruckende Weise das Finalticket. Cleveland stand seit vergangener Woche nach dem Erfolg gegen die Toronto Raptors als Finalist fest.

Curry und Thompson für 70 Punkte pro Partie gut

Kameras, Statistiker und viele Fans werden sich auf fünf Spieler konzentrieren, die bisher durch überdurchschnittliche Leistungen herausragten und teilweise bis zu 14 Millionen Zuschauer an die TV-Geräte lockten. Bei Golden State haben Stephen Curry und Klay Thompson nach einem 1:3-Spiel-Rückstand gegen die auch im siebten Duell bis wenige Minuten vor Schluss bärenstarken Thunder beinahe im Alleingang für Gleichstand und Sieg gesorgt.

Gemeinsam steuerten die Präzisionsschützen pro Partie bis zu 70 Punkte bei. Die von dem jungen Cavaliers-Coach Tyronn Lue (39) geführte Truppe aus dem Nordosten des Bundesstaates Ohio baut dagegen auf das Trio LeBron James (31), Kyrie Irving (24) und Kevin Love (27).

In Cleveland hängt nicht mehr alles von LeBron James ab

Für Cleveland, das nach der Rückkehr des Überspielers LeBron James aus Miami auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte hofft, ist die Ausgangsposition diesmal vielversprechender. Anders als beim ersten Kräftemessen mit den Warriors im vergangenen Juni ist die Mannschaft keine Solotänzer-Show mehr. Irving und Love, damals an Knie und Schulter verletzt, spielen seit Wochen in Hochform. Gemeinsam stehen sie für rund 45 Punkte pro Spiel und bilden mit LeBron James, der immer für 30 Zähler plus x gut ist, ein Power-Dreieck mit Seltenheitswert.

Für den Leithammel der Cavs ist das Wiedererstarken der Kollegen unbezahlbar. Er wirkte in den Spielen gegen Toronto und davor entspannter, abgeklärter. Die Brechstange, mit der der laut Rücken-Tätowierung „Auserwählte“ 2015 oft agierte, bleibt im Schrank. Gegner können sich nicht mehr den Luxus erlauben, ihm zwei Verteidiger auf den Hals zu hetzen; Irving und Love sind zu gefährlich.

Nur zehn Teams in der NBA holten einen 1:3-Rückstand auf

Golden State kommt dagegen Donnerstag in eigener Halle mit einer XXL-Portion Selbstbewusstsein aufs Feld. In der regulären Spielzeit atomisierte die Mannschaft von Steve Kerr mit 73 Siegen den 20 Jahre alten Rekord der Chicago Bulls. Der schmächtige Curry, der Freund wie Feind mit seiner Akrobatik am Ball und hakenschlagenden Fußarbeit ungläubig staunen lässt, wurde zum zweiten Mal zum wertvollsten Spieler der NBA (MVP) gewählt. Im Play-off kam das Team nach einem 1:3 gegen Oklahoma mit eiskalt exekutierter Brillanz zurück. Eine Leistung, die nur zehn Teams in der NBA-Geschichte gelang.

Nimmt man die normale Saison zum Gradmesser, muss sich Cleveland sorgen. Golden State hatte in beiden Aufeinandertreffen die Nase vorn, beim 132:98 im Januar sogar um Längen. Danach krachte es in der Umkleidekabine. Cleveland wachte auf, trennte sich von Cheftrainer David Blatt und konsolidierte Taktik und Teamgeist.

Eine faszinierende Endspielserie steht bevor

Das Ergebnis lässt auf eine faszinierende Endspielserie hoffen. LeBron James wie Stephen Curry, zwei der bezwingendsten Spieler ihrer Zeit, sind sich nämlich in zwei Dingen sehr einig. Zum einen darin, dass es für Gegenspieler so ziemlich unmöglich ist, sie von ihrem Tun am Korb abzuhalten. Zweitens: „Es ist noch Luft nach oben, wir können noch besser spielen.“