Champions League

Ronaldo schleppt sich durch und führt Real Madrid zum Titel

Der Portugiese entscheidet das Champions-League-Finale gegen Atlético mit 5:3 im Elfmeterschießen. Dabei war es nicht sein Tag.

Ronaldo erzielte im Endspiel der Champions League den entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen.

Ronaldo erzielte im Endspiel der Champions League den entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen.

Foto: Getty Images

Mailand. Es gibt Spiele, die halten derart starke Pointen bereit, dass man sie so schnell nicht wieder vergisst. Bis 23.34 Uhr Sonnabendnacht war es nicht der Abend des Cristiano Ronaldo. Das Finale der Champions League zwischen Real Madrid und dem Stadtrivalen Atlético Madrid in Mailand war bis dahin komplett am portugiesischen Superstar vorbeigegangen. Mit Krämpfen hatte sich Ronaldo erst über die regulären 90 Minuten und dann durch die Verlängerung geschleppt. Aber dann schlug die Stunde des 31-Jährigen.

Vier Real-Spieler hatten ihre Elfmeter verwandelt. Dann lief Juanfran für Atlético an und traf nur den Pfosten. Auf Ronaldo als fünften Schützen sollte es nun also ankommen: Er lief an – und verwandelte sicher. Real Madrid gewinnt durch ein 5:3 im Elfmeterschießen (1:1/1:0) zum elften Mal die Königsklasse und damit den wichtigsten Klubtitel Europas.

Wie schon 2014 in Lissabon verliert Atlético das Endspiel um die Champions League gegen den Stadtrivalen Real – und das, obwohl es vor allem am Ende dem Sieg näher schien. „Ich bin sehr, sehr glücklich. Gegen Atlético ist es immer eine Lotterie. Solche Spiele sind immer kompliziert“, sagte Ronaldo.

„Ich wusste, dass ich treffen werde“

Was er gedacht habe, als er zum Elfmeter angelaufen sei, wurde Ronaldo nach dem Sieg gefragt: „Ich wusste, dass ich treffen werde.“ Etwas demütiger war dagegen Toni Kroos.

Der deutsche Weltmeister hatte ein gutes Spiel abgeliefert, war aber von Reals jungem Trainer Zinedine Zidane schon früh ausgewechselt worden (70.): „Das ist unbeschreiblich. Am Ende hatte wir auch ein bisschen Glück“, sagte Kroos. Der 26-Jährige darf sich jetzt wie jeder seiner Teamkollegen über eine Prämie von 600.000 Euro freuen und fährt mit breiter Brust mit der deutschen Nationalmannschaft zur EM.

Es war ein Spiel mit völlig vertauschten Rollen: Real, das keineswegs als Favorit ins Finale gegangen war, weil es erstens den leichteren Weg ins Endspiel hatte (Rom, Wolfsburg, Manchester City) als Atlético (Eindhoven, Barcelona und Bayern) und zweitens nur eines der letzten zehn Duelle gegen den Stadtrivalen gewinnen konnte, begann dominant.

Abstauber von Sergio Ramos

Kroos hob vor 80.000 Zuschauern im ehrwürdigen Guiseppe-Meazza-Stadion von Mailand einen Freistoß pflaumenweich in den Strafraum, das Zöpfchen von Gareth Bale verlängerte das Spielgerät, und Sergio Ramos staubte ab (15.). Der Verteidiger hatte im Champions-League-Finale vor zwei Jahren in der dritten Minute der Nachspielzeit gegen Atlético per Kopf ausgeglichen und das 4:1 nach Verlängerung erst möglich gemacht.

Diesmal war es der Fuß. Dass er dabei hauchdünn im Abseits stand, übersah der englische Schiedsrichter Mark Clattenburg. Real führte, und Atlético, das unter dem Trainer-Erwisch Diego Simeone am liebsten aus einer Abwehrfestung kontert, musste nun das Spiel machen.

Griezmann drischt Elfmeter an die Latte

58 Prozent Ballbesitz sollte Simeones Team am Ende der regulären Spielzeit auf sich vereinen. Antoine Griezmann hatte die große Chance zum Ausgleich: Zwei Minuten nach der Halbzeitpause drosch er einen Elfmeter an die Unterlatte – Pepe hatte Fernando Torres plump umgerannt.

Wie 2014 sah es so aus, als sollte es nicht reichen für Atlético: Doch dann setzte sich Juanfran durch, flankte auf den zur zweiten Hälfte gekommenen Yannick Ferreira-Carrasco, und der belgische Nationalspieler glich aus (79.). Geschichte wiederholt sich – nur umgekehrt. Dachte man.

Doch es sollte der Abend des Cristiano Ronaldo werden, der nun schon drei Champions-League-Titel hat. Toni Kroos darf sich als erster Deutscher fühlen, der mit zwei unterschiedlichen Teams die Champions League gewann – mit den Bayern 2013 und nun mit Real.