Bundesliga

Hertha BSC stellt sich für das Jahr 2020 auf

Erstmals planen die Berliner mit einem Etat von über 100 Millionen Euro. Berater und Jurist Jörg Neubauer tritt zur Präsidiumswahl an.

Hertha-Macher: Michael Preetz (l.), Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation sowie Werner Gegenbauer, seit 2008 Präsident

Hertha-Macher: Michael Preetz (l.), Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation sowie Werner Gegenbauer, seit 2008 Präsident

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / dpa

Berlin.  Die Stimmung war auf­geheizt, eine Rekordzahl von 3400 Mitgliedern war erschienen, die Versammlung dauerte bis 2.46 Uhr – so war es bei den Wahlen des Präsidiums von Hertha BSC vor vier Jahren. Das Fahrwasser, in dem sich die Mitglieder des Berliner Bundesligisten an diesem Montag ab 19 Uhr zur erneuten turnusmäßigen Wahl treffen, ist ein vergleichsweises ruhiges (Messehalle 18, Masurenallee). Es stehen turnusmäßig wieder Wahlen an. Es geht darum, ­Hertha für 2020 aufzustellen.

Es hat sich einiges geändert. 2012 hatten Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz den zweiten Bundesliga-Abstieg in zwei Jahren zu verantworten. Vor vier Jahren hatte Gegenbauer versprochen: „Das Votum ist eine Verpflichtung, ganz ernsthaft Hertha BSC in die Spur zurück­zu­bringen“ -- und Wort gehalten.

Hertha mit der besten Saison seit 2009

Diesmal präsentieren die Macher eine positive Bilanz. Hertha hat 2013 die sofortige Rückkehr ins Oberhaus geschafft. 2014 wurde die Bundesliga als Tabellen-11. sicher gehalten, 2015 gerade so eben (Tabellen-15.). Die aktuelle Saison unter Trainer Pal Dardai als Liga-Siebter samt Qualifikation für das internationale Geschäft ist das beste Jahr seit 2009 (damals belegte Hertha unter Lucien Favre Rang vier).

Das Ziel „Etablieren in der Bundesliga“ geht somit ins vierte Jahr in Folge. Die größte Veränderung der vergangenen vier Jahre war das Abtreten von 9,7 Prozent der Aktienanteile an das Private-Equity-Unternehmen KKR aus New York. Insgesamt 61,2 Millionen Euro überwies der Finanzinvestor für ein Sieben-Jahres-Engagement an Hertha. Unter anderem erwarb KKR das Recht, seine Anteile auf 33 Prozent ausweiten zu können.

In der Folge hat Hertha seine zinstragenden Verbindlichkeiten von 42 Millionen (2012) mittlerweile fast komplett ablösen können. Für die kommende Saison wird Finanzchef Ingo Schiller den Mitgliedern am Abend erstmals einen Haushalt vorlegen, der die Schallmauer von 100 Millionen Euro durchbrechen wird. Zum Vergleich: 2014/15 hatte Hertha Erträge ausgewiesen von 88,5 Millionen Euro.

Zehn Kandidaten für maximal sieben Plätze

Die Mitglieder werden entscheiden, in welcher personellen Konstellation Hertha die kommenden vier Jahre angeht. Die Wahlen von Präsident Gegenbauer und Vize Thorsten Manske ­werden ein Selbstgänger - beide haben keinen Gegenkandidaten.

Um die verbleibenden bis zu sieben Plätze im Präsidium bewerben sich die bisherigen Präsidiumsmitglieder Renate Döhmer, Michael Ottow, Ingmar Pering, Norbert Sauer, Christian Wolter und Marco Wurzbacher. Außerdem buhlen um die Gunst der Mitglieder Oliver Dunk (Radio-Unternehmer) –sowie die Rechtsanwälte Fabian ­Drescher, Bert Handschuhmacher und Jörg ­Neubauer.

Gespannt sein darf man auf das Abschneiden von Neubauer, der seit mehr als 25 Jahren als Spielerberater und Jurist in der Branche tätig ist. Er sieht keinen Interessenkonflikt aus seinen Tätigkeiten mit einem möglichen Präsidiumsamt. Im deutschen Profifußball hat es eine solche Konstellation bisher nicht gegeben.

Erklärungsbedarf in der Stadion-Frage

Wie auch immer die Zusammensetzung des neuen Präsidiums aussieht – es stehen bis 2020 wichtige Aufgaben an. Ein großes Thema ist ein reines Fußballstadion, wie es sich Präsident Gegenbauer und Manager Preetz in den vergangenen Jahren mehrfach öffentlich gewünscht haben.

Die Offiziellen von Hertha werden gut beraten sein, ihre Mitglieder aufzuklären, warum die Vereinsführung perspektivisch aus der langjährigen Heimstatt, dem Olympiastadion, ausziehen will. Das Thema weckte Emotionen. Viele Anhänger fühlen sich dem Olympiastadion sehr verbunden. Trotzdem gibt es gute Gründe, sowohl in Sachen Atmosphäre als auch Finanzen, sich mit einem ­neuen Fußballstadion zu beschäftigen.

Ein Teilaspekt dieses Themas sind die Verhandlungen von Hertha mit dem Senat. Der aktuelle Mietvertrag im Olympiastadion läuft im Juni 2017 aus. Spätestens zum März 2017, wenn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) über die Lizenz für 2017/18 entscheidet, benötigt Hertha eine verbindliche ­Zusage über eine Bundesliga-taugliche Spielstätte.

Hertha kann noch 16,9 Prozent Anteile verkaufen

Auch wenn es Anfang Mai erhebliche Verstimmungen gegeben hat: Die Olympiastadion-Betreibergesellschaft hatte als Rahmen utopische Zahlen aufgerufen - insgesamt würde es ­Hertha demnach 135 Millionen Euro kosten, von 2017 bis 2032 im Olympiastadion zu spielen –, aber Hertha braucht eine Einigung.

Zudem wird das neue Präsidium darüber zu entscheiden haben, was Hertha der Versuch wert ist, sich nach der Etablierung in der Bundesliga in die Top-8 des deutschen Fußballs vorzuarbeiten. Bekanntlich bemüht sich der Hauptstadt-Klub um einen weiteren Investor (neben KKR). Hertha hat, falls KKR seinen Anteil auf 33 Prozent ­erhöht, theoretisch noch 16,9 Prozent zu verkaufen.