Basketball

Zeljko Obradovic ist süchtig nach Erfolg

Der Basketball-Trainer von Fenerbahce Istanbul will in Berlin sein Team zum Sieg in der Euroleague führen. Der Gegner ist hart.

Zeljko Obradovic gibt bei Fenerbahce Istanbul die Richtung vor

Zeljko Obradovic gibt bei Fenerbahce Istanbul die Richtung vor

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Manche Typen erzählen ja gern Geschichten. Ungleich spannender ist aber die andere Sorte, jene Typen, über die Geschichten erzählt werden. Zu denen zählt Zeljko Obradovic, und eine Geschichte geht so: Als er 2013 bei Fenerbahce Istanbul als neuer Basketball-Trainer vorgestellt wurde, versuchte ihm ein türkischer Journalist zu schmeicheln.

„Wissen Sie eigentlich, dass man Sie hier mit Jose Mourinho vergleicht?“, säuselte er. Der Serbe knurrte: „Ich heiße Zeljko Obradovic und bin sehr glücklich mit meinem Namen“, stand auf und verließ den Saal.

Als Spieler gewann er bei Olympia mit Jugoslawien Silber

Mourinho, zwei Champions-League-Titel im Fußball – na und? Obradovic hat acht davon als Trainer, einen als Spieler, mit vier verschiedenen Klubs. Die kleineren Europapokale lassen wir ruhig mal weg, auch Weltmeisterschaft, Europameisterschaft und Olympia-Silber mit den Jugoslawen.

Einer wie er schreibt seine eigene Geschichte. Auch jetzt wieder, da hat der 56-Jährige in Berlin erstmals ein türkisches Team ins Endspiel des Final Four der Euroleague geführt. Am Sonntag (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) spielt Fenerbahce gegen ZSKA Moskau.

27 Mal trafen beide Teams in der Euroleague aufeinander, 20 Mal gewannen die Russen. Wenn es einen Grund gibt, Istanbul trotzdem sehr ernst zu nehmen, dann ist es dieser zornige, gedrungene Mann an der Seitenlinie.

„Wenn du von Menschen respektiert werden willst, musst du Menschen respektieren.“

Sein Erfolgscredo habe ihm sein Vater vermittelt, sagt er: „Wenn du von den Menschen respektiert werden willst, musst du die Menschen respektieren.“ Das klingt gut, nur hat er schon eine sehr spezielle Art, seine Wertschätzung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Jedenfalls, solange der Ball im Spiel ist.

Ununterbrochen liegt Obradovic dann im Clinch mit den Schiedsrichtern. Seine Spieler müssen bei ihrer Auswechslung oft Schimpftiraden über sich ergehen lassen. Er hat auch schon welche aus der Halle gejagt, wenn sie nicht folgen wollten, ohne Rücksicht auf große Namen.

Gute alte jugoslawische Basketball-Schule. Fordere immer mehr als hundert Prozent – aber zuerst von dir selbst. Und wenn die Spieler irgendwann aus ihrer mentalen Erschöpfung erwachen, haben sie meist etwas gewonnen. Ein Trainer, der in 25 Jahren fast 40 Titel geholt hat, muss nicht nur Lautstärke haben, sondern vor allem Kompetenz.

Die andere Seite des Zampanos

Und es gibt die andere Seite an ihm. Der Familienvater geht gern ins Theater, in Konzerte, er interessiert sich für fast alles, was die Spieler interessiert, ist immer für sie ansprechbar. Das bedeutet: Er interessiert sich für sie.

Und er überrascht sie noch immer, wie der Italiener Luigi Datome erzählt, einer von vier Fenerbahce-Profis mit NBA-Erfahrung: „Er kommt und fragt: Wie würdet ihr gegen diesen Gegner verteidigen?“ Obradovics simple Antwort auf das Erstaunen: „Wieso? Es sind doch die Spieler, die spielen, nicht der Trainer.“

Vielleicht kommt seine Offenheit daher, dass er so früh Coach wurde, mit nur 31 Jahren. Ein Jahr darauf hatte er mit Partizan Belgrad die Euroleague gewonnen, drei Jahre später auch je einmal mit Joventut Badalona und Real Madrid. Eine unglaubliche Erfolgschronik. Fünf weitere Titel folgten zwischen 2000 und 2012 mit Panathinaikos Athen. „Aber Zeljko“, sagt Datome, „hat nie genug. Er ist immer noch hungrig.“

Fenerbahce hat einen Etat von 30 Millionen Euro

Deshalb haben sie ihn nach Istanbul geholt. Obradovic bekam viel Zeit und noch viel mehr Geld, einen Etat von 30 Millionen Euro. Nun steht er kurz vor dem Triumph. Es wäre sein zweiter in Berlin, 2009 gewann er hier mit Panathinaikos das Endspiel gegen ZSKA. Sein damaliger Assistent Dimitris Itoudis coacht inzwischen das Team Moskaus, was für eine Geschichte. Wie immer sie auch ausgeht: Es wird in jedem Fall wieder eine zu erzählen geben.