Motorsport

Warum es bei der Formel Eins in Spanien Minusrekord gibt

Spaniens Ex-Champion Fernando Alonso bekommt die Formel-1-Krise bei seinem Heimspiel zu spüren. Er fährt keine gute Saison, hofft aber.

Kann die technischen Probleme an seinem Auto nicht verstehen: Fernando Alonso (r.) in der Garage von McLaren-Honda

Kann die technischen Probleme an seinem Auto nicht verstehen: Fernando Alonso (r.) in der Garage von McLaren-Honda

Foto: Clive Mason / Getty Images

Barcelona.  Dass der Formel 1 auch hier reihenweise Fans wegbleiben, ist Fernando Alonso vor seinem Heimrennen am Sonntag (14Uhr, RTL und Sky) längst aufgefallen: „Vor zehn Jahren standen sie eine Stunde im Stau bis zu den Parkplätzen.“ Damals fuhr der Asturier im Duell mit Michael Schumacher gerade seinem zweiten WM-Titel entgegen.

Inzwischen muss Alonso froh sein, wenn er im zweiten Jahr nach der Rückkehr zu McLaren mit dessen neuen Motorpartner Honda hin und wieder mal zu Punkten kommt. Und Ende Juli wird das einstige Wunderkind 35 Jahre, viel Zeit für einen dritten WM-Titel (nach 2005 und 20006) bleibt da nicht mehr.

Immerhin ist etwas Optimismus zurückgekehrt, der sechste Rang zuletzt in Sotschi hat die sonst meist missgelaunte Miene aufgehellt. Langsam macht das englische Team rund um den noch immer arroganten Miteigentümer Ron Dennis Fortschritte, endlich wird der Honda-Antriebsstrang stärker und standfester.

„Wir werden immer konkurrenzfähiger“

Siege scheinen dennoch weiter unmöglich, das weiß auch Alonso, aber immerhin sind Punkte realistischer als im Vorjahr. „Wir werden immer konkurrenzfähiger. Die nächsten Rennen in Barcelona und Monaco sollten gut für uns laufen, vielleicht sind wir dann sogar in Montreal weiter vorn“, sagt er, „wir bekommen neue Teile hier, die vor allem die Aerodynamik verbessern sollten.“

Solche Updates, wie es im Fachjargon heißt, brachte aber fast jedes Teams nach Katalonien, und alle hoffen auf Fortschritt. „Wir sind viel optimistischer als noch vor einem Monat“, fügt Alonso an. Und ist sogar zum Scherzen aufgelegt.

Als er von einem italienischen Journalisten über seine Meinung zum Fahrertausch (Verstappen-Kwjat) bei Red Bull befragt wird, meint er: „Sie haben die Fahrer getauscht?“ Und fragt den neben ihm sitzenden Lewis Hamilton: „Du wusstest davon?“ Da hatte Alonso endlich wieder mal die Lacher auf seiner Seite.

In Spanien nur noch im Bezahlfernsehen

Doch auch dem Star aus dem Norden Spaniens blieb nicht verborgen, dass die Formel 1 in seiner Heimat tief in die Krise fuhr. Über 100.000 Zuschauer wollten ihn vor zehn Jahren gewinnen sehen, 80.000 waren es, als er den bisher letzten seiner 32 Formel-1-Siege hier (2013) als Ferrari-Matador feierte.

Inzwischen ist die Formel 1 in Spanien nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen, nur das Heimrennen wird noch im Free-TV gezeigt. „Die Fans lieben den Sport noch immer“, versucht Alonso zu beschwichtigen, „aber der Enthusiasmus nahm ab, weil nicht jeder die Formel 1 im TV sehen kann.“

Josep Viaplana, Fachjournalist aus Barcelona, erklärt: „Für die Rennen der MotoGP gibt es in Spanien doppelt so viele Abonnenten wie für die Formel 1.“ Das ist leicht nachvollziehbar: In der Topklasse der Motorrad-WM sind sieben Spanier unter den Top Ten der WM-Zwischenwertung, die Jorge Lorenzo, Marc Marquez und Daniel Pedrosa werden die WM unter sich ausmachen, wenn nicht der Italiener Valentino Rossi dazwischenfunkt.

Was Motorrad der Formel Eins voraus hat

In der Formel 1 muss Alonso trachten, in die Top Ten zu kommen, und Carlos Sainz junior (Toro Rosso) ist noch lange nicht so weit, dass er ein Volksheld wie Alonso werden kann.

So droht heute ein Zuschauer-Minusrekord, und manch einer erinnert sich da an die ehrgeizigen Politiker der Comunitat Valenciana, der südlicheren Nachbarprovinz Kataloniens, die ihre Region arg verschuldeten, nur um mit einem zweiten Grand Prix am Alonso-Boom teilhaben zu können. Nach fünf Rennen war 2012 dort Schluss – und der Veranstalter pleite.

Die MotoGP fährt in dieser Saison dagegen gleich vier Mal in Spanien: In Jerez, Katalonien, Aragón und Valencia. Die Chancen auf spanische Siege stehen da ja ungleich günstiger als für Alonsos 33. Formel-1-Erfolg. Oder gar den dritten WM-Titel.