Wasserspringen

Berliner Duo springt im letzten Versuch zu Gold

Die Berlinerinnen Maria Kurjo und My Phan haben in London EM-Gold im Synchronspringen vom Turm gewonnen.

My Phan (l.) und Maria Kurjo strahlen um die Wette, nachdem sie Gold bei der EM in London gewonnen haben

My Phan (l.) und Maria Kurjo strahlen um die Wette, nachdem sie Gold bei der EM in London gewonnen haben

Foto: Dan Mullan / Getty Images

London.  Erwartet hatten sie nicht einmal eine Medaille, und dann wurde es gleich Gold. Maria Kurjo und My Phan, die beiden Turmspringerinnen vom Berliner TSC, konnten ihr Glück bei den Europameisterschaften in London nach ihrem Triumph im Synchronspringen kaum fassen. „Endlich konnte ich die Nationalhymne singen“, sagte die 26-jährige Kurjo. Für sie wie für ihre drei Jahre jüngere Partnerin war es der erste große Titel. Vor zwei Jahren in Berlin hatten sie EM-Silber gewonnen.

Konkurrenz zeigt Nerven, das Berliner Duo nicht

Auch diesmal sah es lange nicht nach einem goldenen Abschluss aus, doch genau der gelang. Nicht zuletzt deshalb, weil die Konkurrenz patzte. Auf Rang vier lagen die Berlinerinnen vor dem finalen Sprung. Ihren zweieinhalbfachen Salto rückwärts mit eineinhalb Schrauben brachten sie perfekt ins Wasser. Die Konkurrenz aber zeigte Nerven, allen voran die Favoritinnen Tonia Couch und Lois Toulson aus Großbritannien, die bis auf Platz fünf abstürzten. So hatte das deutsche Paar schließlich 1,74 Punkte Vorsprung auf das ukrainische und 5,01 auf Ungarn. „Sie haben verdient gewonnen“, lobte Bundestrainer Jan Kretzschmar, „sie haben als einzige keinen groben Fehler gemacht.“

Mit einer Medaille hatte er wohl geliebäugelt, „aber Gold kam schon überraschend“. Es ist kurios, dass die starken deutschen Wasserspringer ausgerechnet in jener Disziplin die erste EM-Medaille holten, in der sie keinen Quotenplatz für die Olympischen Spiele in Rio ergattern konnten. Es ist die einzige. Beim Qualifikationsturnier in Rio zu Beginn des Jahres traten Tina Punzel und Christina Wassen (Dresden/Berlin) für den Deutschen Schwimm-Verband an – und verpassten den Rio-Startplatz um einen winzigen Rang hinter Nordkorea. Schade für die Europameisterinnen, die nun bloß hoffen können, dass die Koreanerinnen vielleicht nicht nach Brasilien reisen dürfen. Aber diese Chance ist nicht sehr groß.

Hausding sauer über schlechten Zeitplan

Daran lag es nicht, dass die große Medaillenparty ausfiel. „Es ist schon so spät, ich will nur noch ins Bett und schlafen“, sagte My Phan kurz nach Mitternacht. Maria Kurjo hingegen konnte gar nicht aufhören zu lächeln. Dieses Gold krönt vorerst eine äußerst wechselvolle Karriere mit reichlich Höhen und Tiefen. Vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in London verpasste sie das Turm-Finale, bei der WM 2015 in Kasan scheiterte sie gar im Vorkampf. Aufgegeben hat sie nicht, obwohl das jeder hätte verstehen können. Zweimal bereits schlug sie beim Absprung mit dem Hinterkopf in zehn Meter Höhe an die Betonplatte, zweimal musste sie bewusstlos aus dem Wasser gezogen werden. Sie machte immer weiter: „Ich bin eine Kämpfernatur.“

Kämpfen muss an diesem Donnerstag auch Patrick Hausding. Er will im Synchron-Turmspringen mit seinem Partner Sascha Klein das neunte EM-Gold in Folge gewinnen, tritt davor aber noch aussichtsreich erst im Vorkampf und vermutlich im Finale vom Drei-Meter-Brett an. „Eigentlich eine Frechheit“, schimpfte der Berliner, „wir haben sieben Tage, da hätte man die Wettkämpfe anders legen können.“ Hausding müsste direkt nach dem 3-Meter-Finale ohne Einspringen auf den Turm zu Klein klettern und von dort weitermachen. „Ein ganz schlechter Zeitplan für Patrick“, ärgerte sich auch Kretzschmar. Erschwerend kommt hinzu, dass der Rekord-Europameister starke Schmerzen im Knie und in der Schulter hat, die nur mit Spritzen zu verdrängen sind.