Arnheim –

Kittel erlebt beim Giro einen Traum ganz in Rosa

Sprintstar holt sich zweiten Etappensieg und Führung

Arnheim. So richtig anstrengend wurde es für Marcel Kittel erst auf dem großen Podium des Giro d’Italia. Gleich dreimal musste der deutsche Topsprinter die Bühne hinaufklettern, die übergroße Prosecco-Flasche öffnen und viele Hände schütteln. Er bewältigte diese Schwerstarbeit mit breitem Grinsen im Gesicht. Zwei Etappensiege, Rosa Trikot und Rotes Trikot – Kittel hat sich zum großen Triumphator beim Auftakt-Wochenende der 99. Italien-Rundfahrt im Gelderland gekrönt.

„Ich bin super glücklich und stolz auf meine Mannschaft. Ich habe zuerst gar nicht realisiert, dass ich das Rosa Trikot habe. Jetzt haben wir zwar ein bisschen mehr Arbeit, aber das ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagte Kittel, nachdem er sich mit einem weiteren furiosen Finale locker den zweiten Etappensieg und die Führung in der Gesamtwertung geholt hatte.

Wie schon am Vortrag sprintete der 27-Jährige auf dem 190 Kilometer langen Teilstück von Nimwegen nach Arnheim am Sonntag in seiner eigenen Liga. Sein deutscher Rivale André Greipel, der Vierter wurde, klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Dank der zehn Sekunden Zeitgutschrift entriss Kittel seinem Freund Tom Dumoulin das Rosa Trikot. „Marcel ist so stark, da hatten wir keine Chance“, sagte sein früherer Teamkollege Dumoulin.

Nach dem Ausflug nach Holland kehrt der Giro jetzt heim

Bei sommerlichen Temperaturen war Kittel vor den Augen mehrerer Hunderttausend Radsport-Fans auf der Zielgerade im Herzen von Arnheim erneut nicht zu schlagen. Der Kapitän des Etixx-Quickstep-Teams setzte sich souverän vor den Italienern Elia Viviani und Giacomo Nizzolo durch. Damit holte sich Kittel bereits seinen zehnten Saisonsieg, womit er der erfolgreichste Fahrer im Jahr 2016 bleibt. Als Belohnung darf er auf der vierten Etappe am Dienstag – einen Tag vor seinem 28. Geburtstag – das Rosa Trikot bei der Giro-Rückkehr nach Italien tragen. Neun Sekunden beträgt nun Kittels Vorsprung in der Gesamtwertung auf Dumoulin.

Der große Triumphator beim Giro-Abstecher in den Niederlanden heißt zweifelsohne Kittel. Zwei Etappensiege, dazu neben dem Rosa auch das Rote Trikot für den punktbesten Fahrer – mehr geht kaum. „Das ist für mich sehr speziell“, sagte der Modellathlet und betonte: „Nach meinem schweren Jahr eine Etappe bei einer großen Rundfahrt zu gewinnen, bedeutet mir sehr, sehr viel.“

Comeback in der Weltspitze nach einem schweren Jahr

Die Rückkehr in die Weltspitze ist ihm eindrucksvoll gelungen. Nach seinem Seuchenjahr 2015, als er im Zuge einer Viruserkrankung alle wichtigen Rennen verpasste und nur einen Saisonsieg verbuchte, präsentiert sich der 27-Jährige in einer erstaunlichen Form. „Ich bin schon sehr erleichtert. Ich hatte den besten Saisonstart meiner Karriere. Dass es so gut läuft, ist keine Selbstverständlichkeit. Ich weiß aus 2014, wie schnell es zu Ende sein kann“, sagt der Topsprinter, der wieder unterwegs ist wie 2013 und 2014, als er je vier Tour-Etappen gewann, darunter jeweils die Prestige-Sprints zum Auftakt und Ende.

Die dritte und letzte Etappe auf niederländischem Boden entwickelte sich fast schon typisch für eine Sprinteretappe. Eine vierköpfige Ausreißergruppe, darunter wie am Vortag der Niederländer Maarten Tjallingii und der Italiener Giacomo Berlato, durfte ihr Glück versuchen. 1,7 Kilometer vor dem Ziel wurde der letzte Ausreißer Johann van Zyl (Südafrika) gestellt.

Nach dem ersten Ruhetag am Montag folgt die vierte Etappe über 200 Kilometer von Catanzaro nach Praia a Mare. Das Terrain wird dann welliger, trotz zweier Berge der dritten Kategorie hat Kittel Chancen, sein Rosa Trikot erfolgreich zu verteidigen.