Schwimmen

Lisa Graf schafft es als einzige Berlinerin nach Rio

Die Schwimmerin von der SG Neukölln gewann die 200 Meter Rücken. Talent Leonie Kullmann darf noch auf einen Staffeleinsatz hoffen.

Hatte allen Grund zur Freude: Lisa Graf

Hatte allen Grund zur Freude: Lisa Graf

Foto: Rainer Jensen / dpa

Berlin.  Lisa Graf, 22-jährige Schwimmerin von der SG Neukölln, lächelte viel am Wochenende. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin, der ersten Qualifikationsstufe des Verbandes für die Olympischen Spiele, gab sie sich offen und mitreißend.

Die Studentin hatte allen Grund dafür, am Sonnabend war sie über 200 Meter Rücken zum ersten Mal nationale Meisterin geworden und hatte ihre Bestzeit um eine halbe Sekunde auf 2:08,98 Minuten verbessert.

Das Beste daran freilich war: Mit dieser Zeit unterbot sie die Olympianorm des Verbandes (2:10,39 Minuten) klar und steht damit auf der Nominierungsliste für Rio de Janeiro. Nun muss sie ihre Leistung noch einmal bei den German Open Anfang Juli, wiederum in Berlin, bestätigen.

Zwei Brandenburger auf der Olympia-Liste

Aber das scheint derzeit kein Problem zu sein. „Ich bin überglücklich, dass ich bei Olympia dabei sein darf. Rio kann kommen“, sagte Graf. Sie wird einzige Hauptstadt-Aktive bei Frauen wie Männern sein, die nach Lage der Dinge diese Chance bei Olympia erhält.

Eventuell kann es noch Leonie Kullmann (16/SG Neukölln) über die 4x200-Meter-Freistilstaffel schaffen, im Einzelrennen wurde sie da am Sonntag Dritte. Etwas besser ging die Ausscheidung für Brandenburgs Schwimmer aus, die mit dem 16-jährigen Lagen-Megatalent Johannes Hintze, betreut von Trainer-Legende Norbert Warnatzsch, und Rücken-Spezialist Christian Diener (beide Potsdamer SV) immerhin zwei Einzelstarter auf der Liste stehen haben.

Lisa Graf war auch am Sonntag noch einmal im Einsatz, wurde über 100 Meter Rücken wie schon auf den 50 Metern Vierte. „Sie hat ihre Sache insgesamt gut gemacht“, sagte Trainer Gerd Eßer, der schon Asse wie Steffen Zesner oder Franziska van Almsick unter seinen Fittichen hatte.

„Sie ist kraftvoller geworden“

„Sie ist wohl eine der unterschätztesten deutschen Schwimmerinnen. Ihre Leistungen in den vergangenen Jahren sind medial zu Unrecht etwas untergegangen“, so der Coach. Wie zum Beispiel bei der EM 2014 in Berlin, wo sie als Vierte über 200 Meter Rücken die beste deutsche Einzelplatzierung bei den Frauen schaffte.

„Sie ist kraftvoller geworden, zudem sehr bewusst. Sie weiß, was sie will“, lobte Eßer die gebürtige Leipzigerin, die an der Beuth-Hochschule Betriebswirtschaftslehre studiert. In den drei Jahren Zusammenarbeit hat das Duo „viele Dinge aufgearbeitet, bei denen noch Verbesserungen möglich waren, von der Ernährung bis zum Zeitmanagement“. Das zahle sich jetzt aus.

In der Olympiasaison konzentriert sich Graf ganz auf Olympia, hat laut Trainer „Prioritäten gesetzt“. Bei den Meisterschaften ist sie mit dem klaren Ziel angetreten, den Titel zu gewinnen und die Rio-Norm zu schaffen. Das ist ihr souverän gelungen beim Heimspiel.