Bundesliga

Die Bayern feiern die Fantastischen Vier

Bayern holt sich in Ingolstadt durch ein 2:1 den vierten Titel hintereinander und jubelt im kleinen Rahmen. Joachim Löw gratuliert.

Tom Starke (l), Philipp Lahm und Thomas Müller von München feiern in Ingolstadt den Gewinn der Deutschen Meisterschaft

Tom Starke (l), Philipp Lahm und Thomas Müller von München feiern in Ingolstadt den Gewinn der Deutschen Meisterschaft

Foto: Andreas Gebert / dpa

Es ist geschafft. Der FC Bayern ist Deutscher Meister 2016. Mit dem 2:1 beim FC Ingolstadt sackten die Münchner die Schale ein, die Hilfe der Frankfurter, die parallel überraschend gegen Borussia Dortmund 1:0 gewannen, hatte es nicht einmal gebraucht.

Die Meisterparty begann recht schleppend. Kein Wunder – das Champions-League-Aus gegen Atlético Madrid, dieser Magenschwinger im Halbfinale, steckte vier Tage danach immer noch in den Knochen. Als die Nachspielzeit lief, stand keiner vor der Bayern-Bank. Erst Jérome Boateng, mitgereist, aber zur Schonung nicht im Kader, gab den Animator, forderte alle auf, sich in den Arm zu nehmen.

Langsam aber sicher kam man dann – die Spieler vor der Kurve tanzend – in den Feiermodus. Thomas Müller – wer sonst – schnappte sich ein Megafon. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Karl Hopfner kamen von der Vip-Tribüne auf den Rasen, um alle zu beglückwünschen.

Schale aus Pappe

Am meisten freute sich Joshua Kimmich, der mit einer Schale aus Pappe feierte – einer der Premieren-Champions wie Costa, Coman und der absente Arturo Vidal, der am Spieltag wieder nach München gebracht wurde – wegen eines grippalen Infekts.

Ein fürwahr historischer Titel. Der erste Gratulant war der Trainer des Gegners: „Pep, Du hast diese Mannschaft noch einmal auf eine Stufe gehoben, die unglaublich ist“, sagte Ralph Hasenhüttl.

Pep Guardiola antwortete: „Ich möchte diesen Titel mit Jupp Heynckes teilen, wir haben etwas Besonderes geschafft. Ich habe viel gelernt von ihm. Es gibt viele Legenden von Bayern München, aber er ist für mich eine richtige Legende. Jupp, das ist für dich.“ In der Tat gehört die „4“ zu einem Viertel Heynckes (Meister 2013) und zu 75 Prozent Guardiola.

Anschließend gab es Lob vom Bundestrainer. „Der vierte Titelgewinn hintereinander ist Ausdruck der großen Qualität, des riesigen Willens und der unglaublichen Konstanz der Bayern über die letzten Jahre hinweg“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Rote T-Shirts mit der Aufschrift „4ever“ wurden verteilt.

Denn: Vier Meistertitel hintereinander gab’s noch nie. Einen Titel-Hattrick mehrmals. Das hatten die Bayern von 1972 bis 1974 sowie von 1985 bis 1987 unter Udo Lattek geschafft, unter Ottmar Hitzfeld von 1999 bis 2001. Mit Borussia Mönchengladbach schaffte Trainer Hennes Weisweiler ab 1975 den Schalen-Dreier.

Badstuber und Robben in zivil dabei

Die „4“ – sie gehört zu einem Viertel Ex-Trainer Jupp Heynckes (Meister 2013) und zu 75 Prozent Guardiola. Die längste und innigste Umarmung gab es zwischen Pep und seinem Kapitän Philipp Lahm. Zu den Fans ging Guardiola nicht, klatschte dafür jeden Spieler ab.

Auch die Langzeit-Patienten Holger Badstuber und Arjen Robben waren in zivil dabei. Nicht mitfeiern konnte am Ende Xabi Alonso, der nach einem Sturz auf den Rücken in der Pause ausgewechselt und später ins Krankenhaus gebracht werden musste. Er erlitt eine Rückenprellung, sein Einsatz im Pokalfinale ist wohl nicht gefährdet.

Ein Elfmeter, den diesmal Robert Lewandowski treten durfte, brachte Bayern das 1:0. Ribéry war von Marvin Matip gelegt worden. Der Mittelstürmer traf souverän (15.). Und Guardiola? Blieb beim Tor sitzen. Immer noch verärgert, dass das Foul keine Rote Karte nach sich gezogen hatte.

Spieler widersprechen Guardiola

Dann erhöhte Lewandowski auf 2:0 (32.). Guardiola freute sich kurz, erteilte dann wild fuchtelnd Thiago eine Nachhilfe-Minute, später nahm er sich Thomas Müller zur Brust, der deutlich mehr Kontra gab. Die Bayern zielstrebig auf Meisterkurs – nur einer war nicht so recht zufrieden.

Wusste Pep, was kommen sollte? In der 42. Minute foulte Alonso FCI-Stürmer Hartmann, der den Elfmeter locker zum 1:2 einschob. Auffällig an diesem Meistersonnabend: Viele Spieler, nicht nur Müller, im Verlauf der Partie auch Alaba, Costa und Martínez, gaben ihrem Trainer an der Seitenlinie Widerworte, wenn er zu sehr kritisierte. Ruhig, Trainer! Läuft doch! Oder waren es die ersten Unstimmigkeiten ob des nahenden Abschieds? Bayern wirkte in Halbzeit zwei irgendwie leer. Körper und Geist runtergefahren.