Leicester –

England feiert sein blaues Fußball-Wunder

Nur Wettbüros machen Minus nach Leicesters Meisterstück

Leicester.  Das verwackelte Handy-Video von der privaten Meisterfeier der Profis wurde am Tag darauf im Internet millionenfach geklickt, Meistertrainer Claudio Ranieri erhielt sogar Glückwünsche von Premierminister Matteo Renzi, nur Englands Buchmacher trugen Trauer. Als das Fußballmärchen von Leicester City wirklich wahr geworden war, ließ das im Mutterland des Fußballs fast niemanden kalt.

„Die Unglaublichen“ (Daily Mirror) wurden damit endgültig „From zeroes to heroes“ (Metro), von Abstiegskandidaten zu Helden. In der Villa von Torjäger Jamie Vardy gab es kein Halten mehr. „Wir sind Fußballmeister, aber irgendwie auch Tanz-Meister“, wurde der Party-Gastgeber zitiert. „Was für ein Spiel - ich fühle mich wie ein Engel! Meister!!!“, twitterte Berlins Abwehrrecke Robert Huth. Die Szenen in Vardys Wohnzimmer, die durch das Video des ehemaligen Bundesliga-Profis Christian Fuchs millionenfach in den sozialen Netzwerken Verbreitung fanden, unterschieden sich kaum von der Begeisterung in den Pubs von Leicester.

Zwar hatte sich eine der größten Sensationen der Sportgeschichte über Monate hinweg angekündigt, die Freude über den Premier-League-Titel des krassesten aller krassen Außenseiter war dennoch unbändig. „Heute fahre ich jeden kostenlos nach Hause“, kündigte ein völlig euphorisierter Taxifahrer landesweit via BBC-Radio an.

Gary Linker muss in Badehose seine TV-Show moderieren

Erfolgscoach Claudio Ranieri kehrte – während seine Schützlinge noch vor dem Fernsehe feierten – gerade vom Geburtstagsessen mit seiner 96 Jahre alten „Mamma“ aus Italien zurück. Ranieris Landsmann Renzi, Italiens Ministerpräsident, twitterte:. „Das ist die größte Leistung in der Geschichte des englischen Fußballs und die hat ein Italiener vollbracht.“ Und Gary Lineker, einstiger englischer Nationalspieler und Leicester-Profi, muss nun seine Fußball-TV-Show in der Badehose moderieren.

So mancher Buchmacher auf der wettverrückten Insel wird finanziell schwer zur Ader gelassen. Denn immerhin zwölf Fans hatten zu Saisonbeginn tatsächlich auf den Leicester-Titel gewettet und erhalten für ein Pfund (ca. 1,27 Euro) nun 5000 Pfund (6332 Euro) zurück. Soviel Geld hätte ihnen nicht einmal eine Wette darauf eingebracht, dass Weihnachten der wärmste Tag des Jahres wird. Oder dass Elvis lebt.