Madrid –

Das Rätsel Ronaldo

Real Madrid sehnt für das Halbfinal-Rückspiel gegen Manchester City den Superstar herbei. Ob er allerdings wirklich fit ist, bleibt fraglich

Madrid.  Die Endlosschleife der königlichen Hoffnung ist exakt 226 Sekunden lang. Cristiano Ronaldo sprintet, Cristiano Ronaldo zaubert – und ganz wichtig: Cristiano Ronaldo trifft. Immer wieder. Die Videosequenz vom Trainingsspielchen der Stars und Sternchen in neongelb ist der absolute Quotenrenner auf der Homepage von Real Madrid.

Kein Wunder: Vor dem Halbfinal-Rückspiel des spanischen Rekordmeisters am Mittwoch gegen Manchester City (20.45 Uhr/Sky) sehnten sie die Rückkehr des zuletzt verletzt fehlenden Ronaldo förmlich herbei. Nach der müden Nullnummer im Hinspiel vor einer Woche im Etihad Stadium soll der König der Könige die Gastgeber in ihr nächstes Champions-League-Finale schießen. Es wäre das 14. Endspiel in diesem Wettbewerb für Real. Der zehnte und bislang letzte Titelgewinn in der Königsklasse datiert von 2014.

Real-Coach Zinedine Zidane gab am Dienstag erst einmal Entwarnung. „Cristiano ist zu 100 Prozent fit“, behauptete der Franzose. Und auch Ronaldo selbst ist heiß auf die Herausforderung: „Dieser Wettbewerb ist immer noch speziell für mich. Dort spiele ich jedes Match, als sei es mein erstes“, sagte der Ausnahmekönner der spanischen Tageszeitung „AS“. Er meint, mit dem gleichen Enthusiasmus wie als junger Spund.

Die Blessur am rechten Oberschenkel scheint auskuriert. Gerüchten zu Folge soll dem 31-Jährigen von der Blumeninsel Madeira eine Stammzellenkur geholfen haben, die einst auch dem chronisch kniekranken Tennis-Superstar Rafael Nadal wieder Beine gemacht hatte.

An 20 von 26 Treffern in der laufenden Saison beteiligt

Die Hysterie um den Oberschenkel der Nation veranschaulicht am besten das Titelbild von „Marca“ zu Beginn der Woche, das einzig das rechte Bein von Ronaldo zeigte. Die Überschrift: „Die Kanone ist bereit.“ CR7 war als Vollstrecker beziehungsweise Vorbereiter an 20 der 26 Treffer von Real in der laufenden Champions-League-Saison beteiligt. Allein im Viertelfinal-Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg erzielte er beim 3:0 alle Treffer und sorgte so dafür, dass das 0:2 aus dem Hinspiel nicht mehr als ein Schönheitsfehler geblieben ist.

Einige Fachärzte allerdings meldeten sich in den spanischen Medien zu Wort und warnten, dass Ronaldo einen Rückfall riskiere, wenn er zu früh wieder spiele. Der dreimalige Weltfußballer bleibt aber gelassen und twitterte: „Don’t worry, be happy“.

Von der englischen Insel schwappte der Verdacht herüber, dass Real in Sachen Ronaldo vielleicht doch wieder blufft. So wie vor dem Hinspiel, als der Modellathlet die Reise nach Manchester mitmachte, gerüstet für ein Comeback schien – aber dann doch nicht spielte, sondern das Geschehen in Zivil nur von der Bank aus verfolgte. „Wir sind auf alles vorbereitet und fürchten uns nicht vor dem Rückspiel“, sagte ManCity-Teammanager Manuel Pellegrini, der die Citizens in ihr erstes Endspiel in der Königsklasse führen möchte: „Aber Real ist Favorit.“ Erst recht mit seiner Tormaschine.

Auch Nationalspieler Toni Kroos weiß um die Bedeutung von Ronaldo. „Es ist ohne ihn schwieriger, denn er kreiert viele Chancen und schießt viele Tore“, sagte der Weltmeister vor dem Schlüsselspiel im heimischen Bernabéu-Stadion.

Superstar auf dem Wegzum Rekord-Halbfinalisten

Mit seinem insgesamt 17. Halbfinal-Einsatz könnte Ronaldo wieder einen Rekord knacken und würde dann auch diese Kategorie vor den Spaniern Xabi Alonso und Xavi anführen. Der hochgepriesene „BBC“-Sturm der Madrilenen mit Gareth Bale, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo ist allerdings gesprengt, weil der Franzose Benzema verletzt fehlt.

Der formstarke Bale (19 Ligatreffer) traut sich allerdings zu, in die Bresche zu springen. „Ronaldo und Benzema sind sehr gut, aber wir sind auch so eine große Mannschaft“, betonte der Waliser, der längst das Real-Gen in sich trägt: „Es liegt in der Natur dieses Klubs, dass er jedes Jahr die Champions League gewinnen will. Und du als Spieler versuchst es dann jedes Jahr, weil du diese Vereins-Philosophie längst verinnerlicht hast.“