Champions League

Dramatischer Halbfinal-K.o. für den FC Bayern gegen Atlético

Trotz eines 2:1 in der Allianz Arena gegen Atlético Madrid hat der FC Bayern das Finale verpasst. Müller verschoss einen Elfmeter.

Untröstlich: Thomas Müller war die tragische Figur des Abends

Untröstlich: Thomas Müller war die tragische Figur des Abends

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Aller schlechten Dinge sind drei. Wieder nichts. Wieder das Aus gegen eine spanische Mannschaft. Adios, FC Bayern! Und Pep Guardiola hat sein Triple, es ist ein Anti-Triple. Real Madrid 2014, der FC Barcelona 2015 und nun Atlético Madrid – das 2:1 (1:0) reichte nicht. Drei Hürden, drei Mal gerissen. Nun bleibt Guardiola lediglich die dritte Meisterschaft in drei Jahren, einzufahren am Sonnabend in Ingolstadt, und das Pokalfinale am 21. Mai in Berlin gegen Dortmund.

„Ein Geschenk an Madrid war heute genug, um nicht im Finale zu sein. Es tut weh“, sagte Stürmer Robert Lewandowski: „Ich habe bis zuletzt geglaubt, dass wir es schaffen können.“ Es war so knapp wie in den vorherigen Jahren nicht – aber es reichte eben nicht. Auch, weil Thomas Müller beim Stand von 1:0 einen Elfmeter nicht verwandeln konnte. Es wäre das 2:0 gewesen – wer weiß, wer weiß.

Das 0:1 aus dem Hinspiel konnten die Bayern gestern Abend im Halbfinal-Rückspiel der Champions League trotz einer begeisternden Leistung in einem hochintensiven Spiel nicht für den Finaleinzug umdrehen. Gegen Atlético Madrid fehlte dieser eine Moment Aufmerksamkeit in Person von Jérome Boateng, der seine Position verließ. Es war diese eine Sekunde, als Fernando Torres den Ball in den Lauf von Antoine Griezmann durchsteckte, der allein auf Manuel Neuer zulief und den Bayern-Torhüter verlud – das 1:1 (54.). Der Moment der totalen Ernüchterung, der Sekunden-Depression. Zerplatzte Träume. Ein Gedanken- und Muskelblocker. Nun mussten zwei Tore her, um doch noch das Finale zu erreichen. Es wurde nichts draus.

Tore von Xabi Alonso und Lewandowski reichen nicht

Die Botschaft war klar und deutlich – und an die Spieler gerichtet: „Kämpft wie Katsche!“ hatten Fans gestern Früh in Rot auf Teer und in Versalien auf die Säbener Straße gepinselt. Sollte heißen: Die guten, alten Tugenden rausholen und eins sein mit dem Verein wie einst Hans-Georg Schwarzenbeck, der Katsche, der Atlético im Finale 1974 mit einem urbayerischen Gewaltweitschuss schockte.

Das Signal von Guardiola an die Fans war die Aufstellung. Natürlich mit Thomas Müller, mit Franck Ribéry und mit Jérome Boateng – alles auf eine Karte. Nach dem Spiel die Sintflut. Wie schon im Viertelfinale gegen Juventus Turin ließ Pep seinen Liebling zunächst draußen – nix Thiago.

Die Bayern begannen mit Sturm und Drang von Beginn an. Kein Zögern und Zaudern wie vor sechs Tagen im Hinspiel in Madrid. Die erste Balleroberung nach wenigen Sekunden sollte zeigen: mit uns nicht! Mit dem Kopf durch die Atlético-Wand. Mit Gewalt, aber auch mit Köpfchen.

Nach stürmischem Beginn, aber ohne zwingende Torchance, wurde ein Gang rausgenommen. Nur kurz. Dann chippte Boateng auf Müller, der im Strafraum nochmal zu Lewandowski querlegte – doch Atlético-Torwart Jan Oblak parierte (20.). Nach einem Ribéry-Hammer kam der polnische Torjäger nur knapp zu spät (24.). Sie erhöhten den Druck, trafen dann mit Glück. Xabi Alonsos Freistoß wurde von José Maria Giménez abgefälscht. 1:0 (31.). Und die schlimmen Minuten gingen für Giménez weiter. Er klammerte und hielt Javi Martínez im Strafraum – Elfmeter. Thomas Müller, Mister Elfmeter des FC Bayern, scheiterte (34.) – zum zweiten Mal schon in dieser Champions-League-Saison.

Doch Bayern machte weiter. Gallig, giftig. Frühes Stören, hohes Tempo. Angemessen für das Spiel des Jahres, das Spiel der Spiele für Guardiola in seinem letzten von 35 Monaten beim FC Bayern. Pause 1:0, Hinspiel egalisiert. Kurs Verlängerung. „Das mit dem Elfmeter war natürlich schade“, meinte Tribünengast Joachim Löw bei Sky. Der Bundestrainer weiter: „Aber Thomas Müller tut dem Spiel gut, er geht immer wieder vorne in die Spitze mit rein.“ Trotzdem war er die tragische Figur des Abends.

Sie rannten an. Lewandowski traf in der 74. Minute per Kopf auf Vorlage von Vidal – das 2:1. Neuer parierte noch einen Elfmeter von Torres (84.). Nützte nichts mehr. Das Aus nach großem, großem Fight. „Das ist sehr schade, wir sind alle enttäuscht. So ist leider der Fußball“, sagte Jérome Boateng.