Sotschi –

Ferrari im Frustabbau

Italiener geben sich kampfesmutig, doch die Nerven im Team um Sebastian Vettel sind angespannt

Sotschi.  Nach seinem unverschuldeten Schock-Aus in Sotschi machte sich Sebastian Vettel schnell aus dem Staub. Der viermalige Weltmeister droht nach gerade mal vier Formel-1-Saisonrennen im WM-Kampf schon vorentscheidend abgehängt zu werden. Entweder streikt sein Dienstwagen namens Margherita, oder ihm rauben fatale Attacken der Konkurrenz die Nerven und auch Punkte. „Natürlich bin ich enttäuscht, aber wir konzentrieren uns schon auf das nächste Rennen“, versicherte Vettel vor seiner frustrierenden Abreise.

Der Heppenheimer verliert das große Ziel der Scuderia immer mehr aus den Augen. „Ferrari steht an einer Weggabelung“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“. Mit 33 Punkten liegt Vettel nach seiner zweiten Nullnummer in dieser Saison bereits 67 Zähler in der Fahrerwertung hinter dem weitgehend sorgenfreien Sotschi-Sieger und Spitzenreiter Nico Rosberg. Und im Gegensatz zu Ferrari hat Mercedes zumindest am Wagen des gebürtigen Wiesbadeners keine eklatanten Probleme zu beklagen.

„Noch ist nichts verloren. Wir geben die WM nicht auf“, bekräftigte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Das klingt entschlossen und tapfer. Vor allem Ferrari-Patron Sergio Marchionne verlangt aber mehr als nur Zuversicht und das Versprechen von Besserung. Nach acht Jahren ohne Konstrukteurs-WM und neun Jahren ohne Fahrertitel fordert der Chef Erfolg ein. „Es tut mir in der Seele weh, mitansehen zu müssen, wie Ferrari leidet. Das liegt nicht in unserer DNA“, sagte Marchionne und stellte klar: „Wir müssen die Lücke zu Mercedes schließen.“ Bei den ersten Saisonrennen seien trotz des großen Einsatzes aller Beteiligten etliche technische Mängel zutage getreten, diese müssten umgehend beseitigt werden. „Wir haben keine Entschuldigungen mehr“, sagte der 63-Jährige, der von enttäuschten Erwartungen sprach: „Ich war an Ferrari zu Zeiten Michael Schumachers gewöhnt.“

Ferrari steht unter Druck. Unter sehr hohem sogar. Vettel soll der Garant für Erfolg sein. Doch den 42-maligen Grand-Prix-Gewinner plagen in seiner zweiten Saison in Maranello mehr Probleme, als ihm lieb sein dürften. In Bahrain hatte ihn ein Motorschaden ausgebremst; in China knöpfte er sich Daniil Kwjat vor, weil er ihn als Schuldigen für seinen Crash mit Teamkollege Kimi Räikkönen ausgemacht hatte.

Die Kummerserie setzte sich dann am Schwarzen Meer fort. Ein Problem an der Elektronik kostete Vettel wertvolle Zeit im Training, nach einem Getriebewechsel wurde er für den Grand Prix strafversetzt. Und schon in der ersten Runde in Russland war da wieder Red-Bull-Mann Kwjat, der Vettel in den Crash trieb. „Ich hätte nichts anders machen können“, verteidigte sich Vettel, der später von dem ungestümen Russen um Verzeihung für die folgenschweren Manöver gebeten wurde.

Ausreden oder Entschuldigungen bringen Ferrari jedoch nicht weiter. „Wir dürfen uns von unserer Seite aus keinen Fehler mehr leisten“, stellte Arrivabene mit Blick auf die Scuderia-Belegschaft klar und ergänzte vor den restlichen 17 Rennen pflichtschuldig: „Ich bin davon überzeugt, dass wir besser performen werden wegen der Charakteristik der kommenden Strecken.“ Es seien schließlich in diesem Jahr auch noch 425 Punkte zu holen. „Wenn wir die nächsten fünf Rennen gewinnen, ist alles wieder richtig offen.“