American Football

Drogen-Video kostet jungem NFL-Star zehn Millionen Dollar

Marihuana, gehackte Accounts, College-Zahlungen und PR-Drama. Für Jeremy Tunsil sollte der NFL-Draft 2016 zu einem Dilemma werden.

Laremy Tunsil wurde von den Miami Dolphins ausgewählt. Allerdings hatte die Wahl einen Haken

Laremy Tunsil wurde von den Miami Dolphins ausgewählt. Allerdings hatte die Wahl einen Haken

Foto: Kamil Krzaczynski / USA Today Sports

Berlin.  Wenn Ende April die besten Talente der National Football League (NFL) im jährlichen NFL-Draft gezogen werden, gibt es am Ende des Abends fast immer nur lachende Gesichter. Die Spieler sind froh, dass das Warten ein Ende hat und sie jetzt in der besten Football-Liga der Welt spielen.

In diesem Jahr allerdings saß Jeremy Tunsil unglücklich und alles andere als erfreut auf der Pressekonferenz und musste sich vielen kritischen Fragen der Journalisten stellen.

Tunsil wurde vorab als einer der größten Talente im Draftjahrgang 2016 und somit als Top-Pick gehandelt, also als ein Kandidat, der als einer der ersten Drei ausgewählt wird. Mindestens unter die ersten zehn Picks sollte es der 21-Jährige schaffen, wenn nicht sogar nach ganz vorne.

Die Regel ist ganz einfach: Umso früher man gezogen wird, umso höher ist die Chance auf viel Geld. Tunsil hatte daher eine große Aussicht auf viele Millionen Dollar und eine sichere Zukunft. Doch dann kam alles anders.

Erst Twitter, dann Instagram: Tunsils Accounts wurden angeblich gehackt

Denn kurz vor dem Draft-Beginn tauchte auf Tunsils Twitter-Account ein Video auf, in dem er eine Gasmaske trägt und offenbar Marihuana raucht.

Das Video verschwand zwar relativ schnell wieder aus dem Account, aberda hatte es schon längst die Runde in den sozialen Netzwerken gemacht. Auch die Verantwortlichen der NFL-Vereine bekamen dies mit. Statt früh gezogen zu werden, saß der 21-Jährige immer länger, immer unglücklicher und immer nervöser im Publikum.

Sein Berater bemühte sich währenddessen um Schadensbegrenzung, erfolglos. Denn als ob der angebliche Drogentrip nicht schon genug Schaden angerichtet hatte, tauchte zu allem Überfluss noch auf seinem Instagram-Account ein Screenshot auf, der darauf schließen lässt, dass Tunsil Geld von einem College-Mitarbeiter erhalten hat. 305 Dollar exakt, um die Strom- und Wasserrechnungen seiner Mutter zu zahlen.

Das Problem dabei: College-Spielern ist es nicht erlaubt, Geld und/oder Geschenke anzunehmen. Für Tunsil ein doppelter Draft-Alptraum, aus dem er sich bei der Pressekonferenz verzweifelt zu befreien versuchte.

So bestätigte er zwar die Echtheit des Videos („Es war ein Fehler, der mir vor einigen Jahren passiert ist), behauptat aber, dass jemand seinen Account gehackt und das Video von dort gepostet hat.

Auch die Geld-Geschichte stritt er zumindest nicht. Sprach aber auch hier davon, dass sein Account gehackt wurde. Das war den Verantwortlichen der Dolphins offenbar zu viel. Sie brachen die Pressekonferenz ab. Sie hatten Tunsil übrigens nur an 13. Stelle ausgewählt.

Moritz Böhringer wurde noch nicht gezogen

Seit dieser obskuren Pressekonferenz machen in den sozialen Netzwerken Verschwörungstheorien die Runde. Eine lautet, dass sich Tunsils Stiefvater in die beiden Account gehackt und von Twitter das Video und von Instagram den Screenshot seines Stiefsohnes gepostet hat. Hintergrund ist offenbar eine Klage wegen häuslicher Gewalt gegen Tunsil durch den Mann.

Fakt ist in dieser komplizierten Gemengelage aber nur eins: Die fatalen Posts kommen Tunsil teuer zu stehen. Statt mindestens 20 Millionen Dollar, verdient der 21-Jährige jetzt „nur“ knapp 10 Millionen Euro pro Jahr.

Derlei Sorgen kennt die deutsche Hoffnung in den NFL-Drafts nicht: Moritz Böhringer wurde in der ersten Runde noch nicht gezogen. Aber in den nächsten Tagen stehen weitere Ziehungen an. Der in der vergangenen Saison noch in der German Football League spielende 22-Jährige aus Aalen hat aber reelle Chancen auf eine Verpflichtung.