Neues Schutzschild

Vettel: „Da muss man erstmal die Fliegen wegkratzen“

Die Formel 1 testet die Einführung einer neuen Schutzscheibe. Sie wehrt zwar Trümmerteile ab, aber die Stars mögen sie schon mal nicht.

Daniel Ricciardo testete in seinem Red Bull die neue Schutzscheibe

Daniel Ricciardo testete in seinem Red Bull die neue Schutzscheibe

Foto: Clive Mason / Getty Images

Sotschi.  Die Fotografen knipsten aus allen Rohren, doch Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton konnte über das Auto der Zukunft erst einmal nur lästern: „Da hat man diese eleganten Autos, und dann verschandelt man sie mit einem Schutzschild. Diese Scheibe sieht so schlecht aus.“

Auch Sebastian Vettel mochte sich spitze Bemerkungen nicht verkneifen. „Man muss da erst mal die Fliegen wegkratzen“, meinte der Ferrari-Star, als er auf den neuen Cockpitschutz von Red Bull angesprochen wurde.

Sein früherer Teamkollege Daniel Ricciardo hatte am Freitag beim Training vor dem Großen Preis von Russland am Sonntag (14 Uhr) den sogenannten Aeroscreen getestet, der einer Windschutzscheibe gleicht und die Piloten künftig vor herumfliegenden Teilen schützen soll.

„Wenn es Leben rettet, ist die Einführung wichtig“

Später gab der Australier positive Rückmeldung über die Neuentwicklung: „Wenn das in den nächsten 20 Jahren auch nur ein Leben rettet, ist die Einführung richtig“, so Ricciardo. Sein Rennstall leitete alle Erkenntnisse an den Weltverband Fia weiter.

Über die Einführung entscheidet dann die Formel-1-Kommission. Weil das Reglement für das kommende Jahr aber bereits bis diesen Sonnabend verabschiedet werden soll (und noch immer hart über Details verhandelt wird), ist eine Einführung vor 2018 derzeit wenig realistisch.

Auch wenn eine Kanzel auf dem Cockpit für Vettel dann nicht mehr viel mit der Formel 1 zu tun, die er aus der Vergangenheit so schätzt – einen verbesserten Schutz befürwortet der viermalige Weltmeister natürlich. „Es kann ruhig hässlich sein“, hatte Vettel vor Saisonbeginn bereits der Aeroscreen-Alternative namens Halo (englisch für „Heiligenschein“) zugestanden.

Mercedes bevorzugt den „Heiligenschein“

Vettels Ferrari-Kollege Kimi Räikkönen hatte Halo Anfang März getestet. Dieses von Mercedes bevorzugte System beruht auf einem ringförmigen Bügel, der sich praktisch über den Helm des Piloten spannt. Mittig wird er an einer vertikalen Strebe fixiert.

Diese Stütze fällt beim neuen Entwurf von Red Bull nun gänzlich weg. Einer der strittigen Punkte war zudem die Sicht. Die Konstruktionen an sich oder etwa Lichtreflexe könnten die Fahrer beeinträchtigen, so die Bedenken. Räikkönen sprach nur von geringfügigen Einschränkungen. Red Bull hofft beim Aeroscreen mit entsprechenden Folien und Beschichtungen, Widrigkeiten trotzen zu können.

„Man sollte das Cockpit lieber schließen“

Hamilton hält das alte wie das neue Konzept für unausgegoren: „Man sollte dann lieber das Cockpit wie in einem Kampfjet schließen.“ Die Debatte über geschlossene Cockpits befeuert hatten zwei schreckliche Unfälle.

2009 war Felipe Massa eine Metallfeder bei voller Fahrt an seinen Helm geschossen. Der damalige Ferrari-Pilot zog sich schwere Kopfverletzungen zu und lag sogar einige Zeit im Koma. 2014 in Japan krachte Marussia-Pilot Jules Bianchi in einen Bergungskran und erlag später seinen Kopfverletzungen.

Beim Training mit den aktuellen Autos fuhr am Freitag Hamilton die beste Zeit. Sebastian Vettel hatte erst mit Elektronikproblemen an seinem Ferrari zu kämpfen, dann wurde er wegen eines unerlaubten Getriebewechsels für das Rennen um fünf Plätze in der Startaufstellung strafversetzt.