0:1 bei Atlético

Bayern muss um Champions-League-Finale bangen

Den Bayern droht zum dritten Mal in Folge das Halbfinal-Aus in der Champions League. Guardiolas Team unterlag Atlético Madrid mit 0:1.

Schloss das Siegestor für Atlético: Saul Niguez

Schloss das Siegestor für Atlético: Saul Niguez

Foto: Reuters

Es war das Duell Diego ­Simeone gegen Pep Guardiola, Teil eins. Der Kampf der Kulturen, die Schlacht der völlig konträren Ansätze, ihre Teams auszurichten und Fußball spielen zu lassen. Runde eins geht an den Argentinier und Atletico Madrid. Im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bezwangen die Spanier den FC Bayern mit 1:0. Ein intensiver Schlagabtausch, der mit dem Rückspiel ­bereits in fünf Tagen in der Münchner WM-Arena seine Fortsetzung findet.

„Auf jeden Fall ein Auswärtstor erzielen“, gab Kapitän Philipp Lahm als Ziel aus. Ziel verfehlt. Erste Punktwertung an Atlético. In 16 Champions-League-Heimspielen unter Coach Simeone kassierte man nur ganze vier Gegentore. Es könnte der springende Punkt werden: In den vergangenen beiden Jahren gelang dies den Münchnern in den Halbfinale nicht. Das 0:1 bei Real Madrid und das 0:3 beim FC Barcelona waren jeweils der Genickbruch, die Pleiten im Rückspiel nicht mehr zu drehen. Eine Herkules-Aufgabe wartet auf die Pep-Männer. „Wir haben in der ersten Hälfte nicht den Mut gezeigt wie in der zweiten“, sagte Torwart Manuel Neuer. „Wir werden im Rückspiel alles investieren, um ins Finale nach Mailand einzuziehen.“

Als der Stadionsprecher „Entrenador Pep Guardiola“ verlas, hallten die Pfiffe am lautesten durch das nach drei Seiten offene Rund. Klar, Pep ist Katalane und in der Hauptstadt Madrid, ob bei Real oder den Rot-Weißen, das Feindbild. Bei Atletico bekamen nicht die Spieler, sondern Trainer Diego ­Simeone den meisten Applaus.

Guardiola ging hohes Risiko mit der Aufstellung. Er ließ Thomas Müller draußen. Wirklich hohes Risiko? Bei Benfica Lissabon verzichtete der Spanier auf Robert Lewandowski. Aber Müller? Beim 2:0 am vergangenen Sonnabend gegen Hertha war der unorthodoxe Spieler Müller einer der schwächsten Akteure. Guardiola wollte das Flügelspiel mit Kingsley Coman und Douglas Costa stärken, um das Schlachtfeld in der Mitte, den Ort den Atletico so liebt, etwas zu verlassen. Franck Ribéry schien ihm dafür nicht geeignet. Der Plan ging nicht auf.

Die Gastgeber versuchten es mit allen Tricks. Entgegen der Bitte des FC Bayern wurde der Rasen „Vicente Calderon“ nicht gewässert – wie auch schon im Viertelfinale gegen den FC Barcelona. Ergo: Stumpfes Geläuf. Und noch ärgerlicher: die erforderliche ­Maximallänge von 2,5 Zentimetern war nicht gegeben.

Nach elf Minuten aber zeigten die Gastgeber, dass sie auch Fußball spielen können. Saul Niguez ließ über halbrechts nacheinander drei Bayern – drei Spanier! - stehen, Thiago, Bernat, schließlich Alonso, im Strafraum ­kamen Vidal und Alaba zu spät. Ein Schlenzer mit links, linker Innenpfosten – 1:0 für Atletico. Das hatte sich Simeone gewünscht. Nun waren die Fans endgültig entfesselt und sein Team konnte sich in den „Schützengraben“ zurückziehen. Die Bayern wurden vom System Atleticos zunächst erdrückt. Das für den Gegner ekelhafte Spiel erlaubt keine Zeit zu überlegen, keine Sekunde des Durchschnaufen. Ein Fehler und der Gastgeber war da. Angst ­einflößend, erdrückend. Einfach gut. Ballbesitz ist nicht alles.

Müller wird erst in Minute 70 eingewechselt

Bayern fing sich etwas, war aber nie zwingend. Nach der Halbzeitpause attackierten die Gäste zielstrebiger, waren präsenter. Alabas Weitschusshammer aus 30 Metern knallte an die Latte (54.). Bayern in seiner besten Phase, drückte, drängte. Dann zog Pep seine Joker. Nach 64 Minuten kam Ribéry, nach 70 Minuten Müller. Zu spät?

Die Bayern warteten auf den Katsche-Moment. Auf diese eine Sekunde wie einst Innenverteidiger Hans-Georg Schwarzenbeck, der 1974 durch seinen hellen Moment das 1:1 erzielte und ein Wiederholungs-Finale erzwang. Der Grundstein der glorreichen Bayern-Ära der 70er Jahre.

Bei einem Konter war Bayern im Glück, als Torres Alaba umkurvte und nur den Pfosten traf (75.). Am Ende wurde die Partie nervös und zerfahren, nicklig und ruppig. Bayerns Anrennen war erfolglos. „Wir sind nicht so gut ins Spiel gekommen, der Platz war sehr trocken“, sagte Alaba. „In der zweiten Hälfte hatten wir einige Chancen, ­haben aber leider keine genutzt.“