Rugby

Berlins harte Kerle dürfen endlich mal vom Titel träumen

Der Rugby Klub 03 Berlin spielt eine historisch gute Saison und trifft am Sonnabend im Halbfinale auf den TV Pforzheim.

In der Nord-Ost Staffel konnte der Rugby Klub 03 Berlin alle 14 Spiele gewinnen. Jetzt wartet im Halbfinale ein Profiverein.

In der Nord-Ost Staffel konnte der Rugby Klub 03 Berlin alle 14 Spiele gewinnen. Jetzt wartet im Halbfinale ein Profiverein.

Foto: Philip Häfner / BM

Berlin.  – Es ist schon jetzt die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte: Zum ersten Mal steht der Rugby Klub 03 Berlin im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft, was seit 1989 kein Berliner Klub mehr geschafft hat.

Ohne jede Niederlage holten die Weißenseer den Staffelsieg im Nordosten. Trotzdem geht die Mannschaft als Außenseiter in die Partie am Sonnabend (15 Uhr, Stadion Buschallee) gegen den Südwest-Zweiten TV Pforzheim, den Vizemeister der vergangenen beiden Jahre.

Die Klubs im Südwesten dominieren seit mehr als einem Jahrzehnt die Bundesliga, weil die Rahmenbedingungen dort deutlich besser sind als beispielsweise in Berlin. „Wir sind ganz klar der Underdog“, meint auch RK-Kapitän und Co-Trainer Lukas Hinds-Johnson. „Aber vielleicht ist genau das auch unser Vorteil: Wir können eigentlich nur gewinnen, Pforzheim dagegen kann nur verlieren. Der Druck liegt eindeutig bei ihnen.“

Erstmals steht der RK 03 im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft

Der gebürtige Hamburger jagt seit seinem 14. Lebensjahr dem Rugby-Ei hinterher. Als 20-Jähriger verbrachte er acht Monate in Südafrika, besuchte dort die Sharks Academy in Durban, eine Art Rugby-Internat mit mehreren Trainingseinheiten am Tag.

„Die Sportart hat dort einen ganz anderen Stellenwert. Das Niveau ist viel höher, das Spiel schneller und härter“, erzählt Hinds-Johnson. Er habe bei seinem Aufenthalt am Kap viel gelernt. „Ohne diese Erfahrung wäre ich nicht der Spieler, der ich heute bin.“

Davon profitiert auch der RK 03 Berlin. Einiges von dem, was er aus Südafrika mitgenommen hat, versucht Hinds-Johnson nun mit seinen Teamkollegen umzusetzen. Der Klub zeigte schon in den Vorjahren oft gute Leistungen, doch erst in dieser Saison gelang den Ostberlinern der Durchbruch. „Endlich schaffen wir es, unsere Leistung über die gesamte Spielzeit abzurufen“, sagt der Nationalspieler.

Die Mannschaft ist zudem durch einige neu dazu gestoßene Spieler noch tiefer besetzt als früher. Der Lohn ist der erstmalige Einzug ins Bundesliga-Halbfinale. Vorgängerverein Post SV war zu DDR-Zeiten bereits zweimal Vizemeister geworden. Lukas Hinds-Johnson spielt in der dritten Reihe auf der zentralen Position acht. „Im Fußball würde man dazu wohl Libero sagen“, so der 27-Jährige.

7er-Rugby in Rio erstmalig im Olympischen Programm

Der Achter ist das Bindeglied zwischen Stürmern und Hintermannschaft; er kontrolliert die Bewegung des Gedränges und reicht den Ball an einen Verbindungsspieler (Gedränge halb). Seit den Übertragungen der Rugby-WM 2015 in England sind diese Begriffe auch immer mehr deutschen Zuschauern ein Begriff. „Die Weltmeisterschaft hat dazu beigetragen, dass das Interesse an unserem Sport noch mal gestiegen ist“, sagt der 102 Kilogramm schwere Modellathlet.

Einen ähnlichen Effekt erhofft sich der Kapitän von Olympia in Rio, wo Rugby erstmals im Programm steht, wenngleich in einer Version mit nur sieben Feldspielern pro Team. In der Bundesliga hat jede Mannschaft 15 Spieler. „Ich sehe 7er-Rugby als große Chance für unsere Sportart“, sagt Hinds-Johnson – weil es übersichtlicher, schneller und für Zuschauer noch attraktiver ist.