Radsport

„Krüppel“: Britischer Team-Manager beleidigt Behinderte

Shane Sutton kosten abfällige Äußerungen über paralympische Radler den Job. Zuvor hatte er eine Radsportlerin sexistisch diffamiert.

Shane Sutton war seit 2014 Technischer Direktor bei British Cycling. Zuvor wurde er 2008 wegen der Erfolge seiner Sportler bei den Olympischen Spielen in Peking zum Coach of the Year in Großbritannien

Shane Sutton war seit 2014 Technischer Direktor bei British Cycling. Zuvor wurde er 2008 wegen der Erfolge seiner Sportler bei den Olympischen Spielen in Peking zum Coach of the Year in Großbritannien

Foto: Tim Ireland / picture alliance / empics

London.  – Gut drei Monate vor den Olympischen Spielen überschattet ein Skandal den britischen Radsport. Der nationale Verband British Cycling suspendierte am Mittwoch den Technischen Direktor Shane Sutton und reagierte damit auf schwere Anschuldigungen aus dem Lager der Frauen und Behindertensportler.

Zuvor hatte der sechsmalige Paralympics-Sieger Darren Kenny in einem Interview der „Daily Mail“ über diskriminierende Äußerungen von Sutton berichtet. Unter anderem soll der 58-jährige Australier die Behindertensportler als „Krüppel“ bezeichnet haben.

Die Einstellung gegenüber der Gruppe sei miserabel gewesen, einigen Sportlern sei nicht einmal der Zugang zur Bahn gewährt worden, um sich auf Wettkämpfe vorzubereiten, sagte Kenny. Die „Daily Mail“ nennt auch eine andere Quelle, die behauptet, dass Sutton die Behinderten-Radsportler als „Wackelpudding“ bezeichnet habe. Sutton bestreitet alle Vorwürfe.

„Du sollst gehen und ein Baby bekommen“

Die neuen Anschuldigungen kamen nur wenige Tage, nachdem die frühere Bahn-Vizeweltmeisterin Jessica Varnish über sexistische Kommentare geklagt hatte. Nach ihrer verpassten Olympia-Qualifikation habe Sutton gesagt, sie solle gehen und ein Baby bekommen.

Dazu sagte Varnish jetzt: „Mit 25 Jahren habe ich doch die besten Jahre noch vor mir.“ Dazu habe es abfällige Äußerungen wegen ihres Körpergewichts gegeben. Auch diese Anschuldigung wies Sutton heftig zurück.

Varnish sprach von einer „Kultur der Angst“, die innerhalb des Radsport-Teams herrsche. Niemand traue sich offen über Sexismus zu sprechen, weil jeder fürchte, seinen Job zu verlieren. Immerhin erhalte sie mittlerweile prominente Unterstützung aus dem Radfahrer-Lager wie Nicole Cooke, Straßenrad-Olympiasiegerin von Peking, und die siebenfache Bahnrad-Weltmeisterin Victoria Pendelton.

„Ich habe den Satz „Du hast einen fetten Arsch“ nie gesagt

„Ich bin von vielen ehemaligen und aktuellen Radfahrern angesprochen worden, die gesagt haben, dass sie ähnliche Erfahrungen bei British Cycling gemacht haben. So habe sich Sutton auch über Peddeltons Körper negativ geäußert. Sutton wies dies im Interview der „Times“ zurück: „Ich habe den Satz ‘Du hast einen fetten Arsch’ niemals gesagt.“

Der Vertrag mit Varnish war in diesem Jahr nicht verlängert worden, wodurch sie automatisch aus dem Förderprogramm fiel. British Cycling hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet. Der Skandal kommt zur Unzeit, trifft er den Verband doch mitten in den Vorbereitungen für Rio. Bei den Spielen 2012 holten die britischen Radsportler achtmal Gold und je zweimal Silber und Bronze.