Sport

Dämpfer auf dem Weg nach vorn

Nachts um drei Uhr vor dem Hotel des Hertha-Gegners Böller knallen zu lassen, war nun wirklich nicht die feine Art. Ebenso wenig, wie den schwarz-gelben Fanshop-Truck aus Dortmund mit einer blau-weißen Fahne zu besprühen. Doch nicht nur an diesen justiziablen Übertreibungen einiger fehlgeleiteter Anhänger war zu spüren, dass der Fußball Berlin an diesem Mittwoch im April in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzt hatte. So war pünktlicher Feierabend an diesem einen Tag in vielen Büros plötzlich kein Problem mehr, damit die euphorisierten Ticketinhaber ja auch rechtzeitig ins Olympiastadion kamen. Selbst Unkundige suchten mit Nachbarn, Kollegen oder Partnern ungewohnt offensiv das Gespräch zum Spiel des Jahres.

Auch wenn Hertha im Halbfinale gegen Borussia Dortmund dann chancenloser blieb als erwartet und verdient verlor, bleibt dieser Tag ein wichtiger Schritt nach vorn. Denn der Aufschwung, den Pal Dardai seit seinem Amtsantritt als Trainer eingeleitet hat, erlebte so den ersten auch bundesweit wahrnehmbaren Höhepunkt. Berlins Mannschaft stand dank spielerischer Fortschritte bislang zu Recht unter den besten Vier in Meisterschaft und Pokal. Doch zu den der Rest-Bundesliga längst enteilten Giganten Bayern München und BVB fehlt halt noch einiges, das zeigte das Halbfinale, aber fraglos wächst da wieder etwas Hauptstadtgemäßes heran. Auch dass inzwischen ohne Scham über ein neues, reines Fußballstadion diskutiert werden kann, ist Folge dieser positiven Entwicklung. Werden nun die nächsten, noch schwierigeren Schritte wohlbedacht gesetzt, kann dieser Abend trotz herben Dämpfers aber noch Beginn einer Ära werden.