Berlin –

Wenn die halbe Liga zittert

Acht Mannschaften kämpfen in der Bundesliga noch gegen den Abstieg aus dem Oberhaus

Berlin.  Acht Kandidaten für zwei gehasste Plätze: Wenige Wochen vor dem letzten Spieltag spitzt sich der dramatische Abstiegskampf in der Bundesliga endgültig zu. Fast der halben Liga droht noch die Relegation, ein Teil davon muss sogar den direkten Abstieg fürchten. Rang 17, den absolut niemand will, belegt momentan Eintracht Frankfurt - und das hat fatale Folgen. „Ich schlafe schlecht“, sagte Vereinspräsident Peter Fischer. Der 60-Jährige hat in seinen 16 Jahren am Main vieles durch- und überlebt, unter anderem drei Abstiege. Die aktuelle Situation zehrt dennoch extrem an seinen Nerven. „Mir geht auch durch den Kopf, wie viele Schicksale daran hängen“, sagte Fischer der „Bild“. Das Haus verlasse er noch „höchstens zum Zigaretten holen. Der Automat spricht wenigstens nicht mit mir.“

Große Sicherheitsvorkehrungen beim Existenzkampf im Norden

Ähnlich angespannt wie in Frankfurt ist die Situation auch in Bremen. Bei vier Punkten Vorsprung kann der Tabellen-16. an diesem 31. Spieltag zwar selbst nach einer Niederlage beim Hamburger SV am Freitag (20.30 Uhr, Sky) noch nicht auf den Schleudersitz abrutschen. Am letzten Spieltag jedoch kommt es zum direkten Duell mit der Eintracht - und aus dem Mehrkampf könnte dann blitzschnell ein Showdown zweier Traditionsklubs werden.

„Wenn wir so weiterspielen und kämpfen, werden wir unsere Punkte holen und in der Bundesliga bleiben“, sagte Bremens Torjäger Claudio Pizarro nach dem Aus im Pokal-Halbfinale gegen Bayern München (0:2). „Und wenn wir so leidenschaftlich auftreten“, ergänzte Kapitän Clemens Fritz, „ist mir nicht bange.“ Zunächst steht das Nordderby beim HSV auf dem Programm - und in dem will der HSV kräftig dagegenhalten. „Wir brauchen Galligkeit. Wenn wir das an den Tag legen, sind wir schwer zu schlagen“, sagte Coach Bruno Labbadia.

Die Konstellation des Nordderbys birgt erhebliches Gewaltpotenzial in sich. Zumal der Freitagabend ein unbeliebter Termin für ein sogenanntes Risikospiel ist. „Am Abend besteht die Möglichkeit, im Schutz der Dunkelheit zu agieren. Wenn sich Hooligans nach dem Spiel treffen und auseinandersetzen, ist das schwieriger zu verhindern als am Tage“, sagt Dirk Schröder von der Polizei Hamburg. „Außerdem ist damit zu rechnen, dass viele Fans nach dem Spiel auf den Kiez gehen. Dort könnte es weitere Auseinandersetzungen geben.“

Viele Sicherheitsvorkehrungen wuden eingeleitet. Im Stadion und in den Zügen aus Bremen gibt es keinen Alkohol. Zudem soll ein Aufeinandertreffen der Fanlager verhindert werden. Über den öffentlichen Nahverkehr werden unterschiedliche Anfahrtswege eingerichtet. Im Stadion werden die Fans in Sektoren getrennt. Grund für die Ansetzung ist, dass am Sonnabend viele Polizeikräfte in Hannover benötigt werden, wo US-Präsident Barack Obama die Messe eröffnet.

Neben Bremen und Hamburg sind auch 1899 Hoffenheim, der FC Augsburg und der VfB Stuttgart der Abstiegszone extrem nah. Während die Hoffenheimer seit fünf Spielen unbesiegt sind und der FCA mit zuletzt zwei Erfolgen - auch gegen den VfB - ebenfalls ansteigende Form zeigt, geht in Stuttgart die Angst um.

Im Abstiegskampf sind starke Nerven besonders gefragt

Fünf Spiele ohne Dreier, „das geht an die Substanz“, sagte der frühere VfB-Spieler Maurizio Gaudino der „Sport Bild“. In Stuttgart und bei den weiteren potenziellen Abstiegsmannschaften werde es auf „die mentale Stärke von allen“ ankommen. Und da könnten wiederum die Frankfurter vor großen Problemen stehen.

Denn so ziemlich alle, auch der Tabellenelfte Darmstadt, haben in ihrer jüngeren Vergangenheit zumindest kurzzeitig Bekanntschaft mit einem Abstiegsgespenst gemacht. 2011, als die Eintracht das bislang letzte Mal in einer ähnlichen Bredouille war, folgte prompt der bittere Gang in die 2. Liga.

„Wir müssen jetzt gewinnen. Die Lage ist schwierig“, sagte Abwehrchef Carlos Zambrano in der Sendung „Heimspiel!“ des Hessischen Rundfunks: „Aber das Wichtigste für uns ist, in der Bundesliga zu bleiben.“