Berlin –

Dortmund will Liverpool-Schmach bei Hertha tilgen

DFB-Pokal bietet dem BVB die letzte Titelchance der Saison

Berlin.  Hildegard Knef, die Grande Dame des deutschen Chansons, hatte ihn schon vor Jahrzehnten besungen. Jenen Koffer, den sie noch in Berlin habe und wegen dem sie nächstens wieder hin müsse. Die Dortmunder, jene vom Ballspielverein Borussia 09, werden auch ein Lied singen können von der Fahrt nach Berlin. Verbunden mit der Hoffnung, dass es schon im Mai das nächste Wiedersehen gibt.

Der Tag des Endspiels im DFB-Pokal, der 21. Mai, hat im Spiel-Kalender des BVB jedenfalls einen festen Platz. Seit Saisonbeginn schon, wie Michael Zorc noch einmal verdeutlichte. „Es war von Anfang an unser erklärtes Ziel, wieder ins Pokalfinale zu kommen“, sagte Borussias Sportdirektor. Es wäre das dritte Mal in Folge. Nur noch Hertha BSC steht den Schwarz-Gelben am Mittwochabend im Olympiastadion im Wege (20.30 Uhr, ARD). Und eine nicht minder hohe Hürde: die eigenen Gedanken.

Natürlich spielt das Aus in der Europa League vor sechs Tagen noch eine Rolle, eine große sogar. „Es wäre heuchlerisch zu sagen, dass Liverpool schon verarbeitet ist. Das Spiel wirkt nach, und das ist auch gut so“, sagte Thomas Tuchel. Gegen Hertha „werden wir sehen, ob wir die richtigen Lehren gezogen haben“, so der Trainer.

Aubameyang fällt wegenKnochenabsplitterung aus

Das klingt wie die normale Fortsetzung einer ganz normalen Saison. Und ist doch weit mehr. Das Pokal-Halbfinale gegen Hertha ist für die Dortmunder die letzte Chance auf einen Titel in dieser Spielzeit, nachdem die Meisterschaft nach dem 2:2 auf Schalke abgehakt und der Europa-League-Traum beim 3:4 in Liverpool hergeschenkt wurde.

Wenn Tuchel von einem „Endspiel vor dem Endspiel“ spricht, hat das nicht zwingend etwas mit dem Gegner zu tun. Der 42-Jährige offenbart damit auch, wie wichtig es für die Dortmunder ist, die Saison nach vier Jahren ohne Titel wieder mit einem solchen abzuschließen. Das dokumentiert auch eine von ihm so noch nicht erlebte Dünnhäutigkeit. Äußerungen, die BVB-Saison sei im Falle einer weiteren Niederlage unvollendet, trat Tuchel energisch entgegen: „Ich habe keine Lust, alles, was die Mannschaft ausstrahlt, an ein, zwei Spielen aufzuhängen und darüber nachzudenken, was passiert, wenn wir verlieren.“ Er sollte es tun, will Dortmund zum großen Rivalen FC Bayern weiter aufschließen.

Keine Frage, dass beim 3:0 gegen den Hamburger SV am Sonntag nur eine B-Elf auflief, zeigt auch, wie wichtig das Duell gegen Hertha für den BVB ist. Die Stars wurden geschont, um nach dem Drama von Anfield für das Olympiastadion wieder gerüstet zu sein. Es kommt nicht von ungefähr, wenn Tuchel das Pokalspiel zu einer Art „Anfield 2.0“ deklariert. „Die Konstellation ist ähnlich wie in Liverpool. Es ist ein K.o.-Spiel, ein Auswärtsspiel, ein sehr euphorischer Gegner voller Selbstvertrauen mit totaler Unterstützung durch das Heimpublikum“, verdeutlichte der Coach „eine der schwersten Aufgaben, die man im Halbfinale haben kann“.

Es versteht sich da von selbst, dass der BVB in Bestbesetzung antreten wird. Top-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang fehlt jedoch wegen einer Knochenabsplitterung am Zeh. „Epische Schlachten“, so Tuchel, „aber bitte nur noch mit positivem Ausgang. Wir wollen ins Finale – mindestens.“ Geht es nach den Dortmundern, so soll Hertha das Fiasko von Liverpool ausbaden. Und falls das nicht gelingt? „Wäre der doofe Donnerstag in Liverpool nicht gewesen, wäre die Saison fantastisch“, so Mats Hummels. Ob der Kapitän dies nach einem Aus auch noch so sieht? Sollte der erneute Sprung ins deutsche Wembley nicht gelingen, können die Dortmunder ja schon mal einen Koffer in Berlin lassen.