Formel 1

Warum Nico Rosberg in Schanghai einen Vorteil hat

Nach der Strafe für Lewis Hamilton scheint der Weg in China frei zu sein für dessen Mercedes-Rivalen. Doch auch Ferrari mischt mit.

Nico Rosberg beim Jubeln zuzuschauen, findet Lewis Hamilton definitiv nicht lustig

Nico Rosberg beim Jubeln zuzuschauen, findet Lewis Hamilton definitiv nicht lustig

Foto: Clive Mason / Getty Images

Salzburg.  Die anderen waren mit Problemen und deren Lösungen beschäftigt. Etliche Fahrer klagten nach Zwischenfällen über die Reifen und vor allem den Reifendruck. Doch bei den Mercedes-Stars ging es vor dem Abschlusstraining und der Qualifikation für den Grand Prix von China in Shanghai mehr um die Frage, wie gefährlich Ferrari Sonntag im Rennen wirklich werden könnte.

Denn dass die Roten nach dem ersten Trainingstag vor den Silbernen lagen, war doch ungewöhnlich. Die Beruhigung für Rosberg und Hamilton kam ausgerechnet vom schärfsten Rivalen Sebastian Vettel: „In die Freitag-Zeiten sollten wir nicht zu viel hineininterpretieren. Da kann sich noch viel tun.“ Doch der vierfache Weltmeister fügte auch an: „Klar ist unser erstes Ziel an diesem Wochenende die Pole. Wir können uns noch verbessern.“

Nicht nur durch die schnellen Ferrari-Runden am Freitag ist die Situation im Lager von Mercedes anders als gewohnt. Lewis Hamilton bekam für das erst dritte Saisonrennen ein neues Getriebe und muss daher in der Startaufstellung reglementgemäß um fünf Plätze zurück – kann also bei Qualifikations-Bestzeit Sonntag bestenfalls als Sechster starten.

Alter Modus in der Qualifikation

Es scheint derzeit viel für Teamkollegen Nico Rosberg zu laufen. Hamiltons „grid penalty“ ließ in Shanghai auch prompt wildeste Spekulationen im Fahrerlager ob eines Reifenpokers aufkommen.

Der Titelverteidiger könnte versuchen, in der Qualifikation, die nach einhelliger Forderung der Teams wieder nach dem Modus von 2015 durchgeführt wird, mit weichen Reifen in die dritte Phase zu kommen und dort dann einen Satz der weichen Mischung aufzusparen, womit er den ersten Rennabschnitt bis zum ersten Wechsel länger ausdehnen könnte.

Doch Teamchef Toto Wolff relativierte: „Das könnte auch ins Auge gehen, wenn Lewis in Q2 hängenbleibt und mit seiner Rückversetzung womöglich als 16. oder schlechter beginnen müsste.“ Also eher kein Poker bei Mercedes.

Bei Rosberg sieht derweil alles wie ein Wunschkonzert aus – nach fünf Siegen in Folge und maximalen Punkten in dieser jungen Saison: „Abwarten, Leute. Wir sind in der längsten bisherigen Saison der Formel 1 mit 21 Rennen. Da will ich wirklich nicht nach zwei schon über WM-Chancen spekulieren.“

Doch auffällig ist: Hamilton, der die vergangenen beiden Jahre so dominierte, hat seit der Fixierung seines Titels 2015 in den USA kein Rennen mehr gewinnen können. Und außerdem: Rosberg feierte in Shanghai vor vier Jahren seinen ersten GP-Erfolg – als Mercedes noch nicht so konkurrenzfähig war wie jetzt. Also Vorteil Rosberg?

Rosberg bleibt vorsichtig

„Das wird ein leichtes Wochenende für Nico“, beeilte sich Hamilton nach seiner Strafe festzuhalten – Psychologie also, um den Rivalen in Sicherheit zu wiegen. Was aber den Wiesbadener offenbar kalt ließ: „Ich habe die Rückversetzung von Lewis zur Kenntnis genommen.

Aber ich weiß wie jeder andere auch, dass ein Hamilton auch von Platz sechs nach vorn fahren und um den Sieg kämpfen kann.“ Rosberg gibt sich vorsichtig: „Ich nehme nichts als garantiert an. Und ich will auch Ferrari nicht außer Acht lassen. Ferrari hat heuer noch nicht alles gezeigt, was möglich wäre.“

Hamilton will unbedingt Stärke zeigen: „Die aktuelle Situation ist eine echte Herausforderung. Die motiviert mich noch mehr.“ Die Rivalität der beiden Mercedes-Stars scheint sich mittlerweile von der Piste auch auf das gesellschaftliche Leben zu übertragen.

Bei einem gemeinsamen Abendessen der meisten Fahrer am Donnerstag hätten sie getrennte Rechnungen verlangt. „Das war Nicos Idee. Einfach lächerlich!“, stichelte Hamilton. Worauf Rosberg entgegnete: „Ach wirklich? Ich war der Meinung, der Weltmeister zahlt die Zeche.“