Champions League

Ganz Real: Die große Show des Cristiano Ronaldo

Mit einem Dreierpack beendet der Superstar die Champions-League-Träume des VfL Wolfsburg. Besonders das dritte Tor war ärgerlich.

Cristiano Ronaldo erzielte alle drei Tore für Real Madrid

Cristiano Ronaldo erzielte alle drei Tore für Real Madrid

Foto: Juan Medina / REUTERS

Madrid. Cristiano Ronaldo hat in den letzten Jahren sein Profil verändert. Nicht in der Öffentlichkeit, wo er seit jeher gleich präsent ist. Auf dem Fußballplatz. Mit inzwischen 31 Jahren gelingen ihm kaum noch die fulminanten Tempodribblings, mit denen er einst in die Weltspitze aufstieg. Dafür hat er die Qualitäten des Mittel­stürmers perfektioniert sowie immer weiter an seiner Schusstechnik gefeilt.

Der VfL Wolfsburg bekam das alles zu spüren, an einem kalten, verregneten Abend im Estadio Santiago Bernabéu. Mit einem Dreierpack beförderte der dreifache Weltfußballer die Deutschen aus der Champions League. Einmal Abstauber, einmal Kopf, einmal Freistoß: Real Madrid 3, VfL Wolfsburg 0.

„Wir waren kurz davor, die Sensation zu schaffen“

VfL-Torwart Diego Benaglio sagte: „Das ist ganz bitter. Wir waren kurz davor, die Sensation zu schaffen. Die ersten zwanzig Minuten war Real ­Madrid vom Besten. Und beim 0:3 sollte der Ball eigentlich nicht durch die Mauer gehen.“

Ronaldo schien alles zu erledigen, auch die Strategie. Nach dem ersten Treffer tippte er sich an die Stirn: ­Ruhig bleiben, sollte das signalisieren.

Mit kühlem Kopf wollte Madrid die durch das 0:2 aus dem Hinspiel überraschend unangenehme Angelegenheit gegen den Europacup-Nobody aus ­Niedersachsen regeln. Den VfL müde spielen und zu den individuellen Fehlern zwingen, die er im Hinspiel nicht hatte begehen wollen. Es dauerte nicht lang, und die Wolfsburger taten ihren Gastgebern den Gefallen.

Zwei Tore innerhalb von 86 Sekunden

Eine abgefälschte Flanke von Reals Rechtsverteidiger Dani Carvajal kam bei Ronaldo an, der zum 1:0 einschob (16.). Eine Minute später segelte die nächste Carvajal-Flanke in den Strafraum und provozierte einen Eckball. Toni Kroos trat ihn auf den ersten Pfosten, Ronaldo köpfte ins lange Eck ein. 2:0, 86 Sekunden nach dem ersten Treffer, das Viertelfinale war aus­geglichen. Game over?

Nein, es ging jetzt erst richtig los. Wolfsburg hatte schließlich kein Systemproblem. Die Gäste standen gut mit ihren engen Reihen, sie stellten ihre Gegner oft ins Abseits und entlasteten sich immer wieder durch längere Phasen eigenen Ballbesitzes. Real wiederum zeigte seine seit Jahren virulente Schwäche in der Spielkontrolle.

Es gab ja Gründe, warum das Madrider Luxusensemble bei den letzten acht Versuchen gescheitert war, einen Rückstand aus dem Hinspiel vor dem eigenen Publikum umzubiegen. Wie jeder Gast im Bernabéu kam Wolfsburg also zu seinen Chancen. Die beste vergab Bruno Henrique in der 38. Minute allein im Strafraum. Nach einer ­Hereingabe von André Schürrle konnte er den Ball sogar annehmen, ließ ihn dabei aber verspringen.

Kruse kam für den verletzten Draxler

Seiner gefährlichsten Waffe aus dem Hinspiel, Julian Draxler, war der VfL zu diesem Zeitpunkt bereits beraubt. Carvajal ging hinten bissig zur Sache. Ein rüdes Foul in der 23. Minute, vom ungarischen Schiedsrichter Viktor Kassai nicht einmal mit der Gelben Karte geahndet, zwang den deutschen Nationalspieler nach einer halben Stunde zur Aufgabe mit Oberschenkel­problemen. Für ihn kam Max Kruse.

Die zweite Halbzeit begann nach demselben Skript, mit dem die erste geendet hatte. Real wurde punktuell gefährlich, vor allem nach Standardsituationen und insbesondere in der 66. Minute, als ein Kopfball von Sergio Ramos vom Innenpfosten hinter Diego Benaglio die Torlinie entlang kullerte – und dann freundlicherweise beim VfL-Keeper liegen blieb.

Den entscheidenden Auftritt hatte dann, natürlich, Ronaldo. Der Portugiese schickte per Freistoß einen seiner typischen Flatterbälle zwischen Naldo und Josuha Guilavogui hindurch ins lange Eck (77.). Die Wolfsburger kämpften bis zuletzt – aber sie sollten keine Chance mehr erhalten, das jüngste Meisterwerk des Cristiano ­Ronaldo zu vermasseln.

VfL-Trainer Dieter Hecking sagte: „Wir haben das Spiel in den ersten 20 Minuten nicht richtig angenommen. Dann wurde es etwas besser. Aber uns hat das Zwingende gefehlt. Und das braucht man, wenn man ins Halbfinale der Champions League will. Wenn man in diesem Wettbewerb richtig weit kommen will, braucht man zwei sehr gute Spiele. Wir haben leider nur eines hinbekommen.“