Augusta –

Rausch und Ernüchterung

Der Engländer Willett gewinnt überraschend das US Masters. Langer rutscht auf Platz 24 ab

Augusta.  Als sein letzter Ball im Loch verschwand, war bei Bernhard Langer die Enttäuschung über das unvollendete Masters-Märchen schon wieder verflogen. „Die ersten drei Tage waren wirklich positiv“, sagte der Altmeister, „und auch am Sonntag habe ich nicht so schlecht gespielt.“ Der Stolz überwog, und für den Absturz vom dritten auf den 24. Rang hatte der 58-Jährige eine simple Erklärung: „Es ist halt der Platz.“

Jener Kurs des Augusta National Golf Club also, den Langer bei seiner 33. Masters-Teilnahme bis zum Finaltag wie noch zu seinen besten Zeiten gebändigt hatte, raubte dem Routinier mit all seinen Tücken am Sonntag die kleine Chance auf das dritte Grüne Jackett. „Wenn man auch nur einen halben Meter zu kurz oder zu lang spielt, ist das schon zu viel“, sagte der Routinier, der das erste Major des Jahres 1985 und 1993 gewonnen hatte.

Der Traum von einem dritten Triumph war dabei schnell wieder geplatzt. Während Langer nach einem Bogey sowie einem Doppel-Bogey auf den ersten drei Löchern schnell aus dem Rennen um den Siegerscheck in Höhe von 1,8 Millionen Dollar war, spielte sich die Konkurrenz in einen Rausch. Vor allem der neue Masters-Champion Danny Willett (England) glänzte mit einer bogeyfreien Runde, mit der er noch US-Golfer Jordan Spieth abfing. „Worte können meine Gefühle und Emotionen nicht beschreiben“, sagte Willett, der erst vor knapp zwei Wochen Vater eines Sohnes geworden war: „Diese Woche, das ist alles so verrückt, so surreal.“ Irgendwie unwirklich erschien auch der Blackout von Spieth.

Binnen weniger Minuten verspielte der seine Chancen auf das zweite Grüne Jackett in Folge. Der Weltranglistenzweite aus Texas lag nach neun Löchern noch mit fünf Schlägen vorn und hatte die seltene Gelegenheit, als vierter Spieler der Masters-Geschichte seinen Vorjahrestitel zu verteidigen. Nach zwei Bogeys auf den Bahnen zehn und elf folgten zwei Wasserschläge an der zwölf. „Das waren ein paar miese Schwünge. Ich hoffe, dass ich das nie wieder erleben muss“, sagte der entthronte Texaner. Der 28-jährige Willett aus Sheffield spielte auf dem Par 72-Kurs eine fantastische 67er-Schlussrunde und hatte letztlich mit einem Gesamtergebnis von 283 drei Schläge weniger als sein Landsmann Lee Westwood und Spieth.

Auch Langer hatte während seiner Runde schon geahnt, dass um ihn herum etwas ganz Besonderes geschehen sein musste. „Ich habe ein paar komische Geräusche gehört“, sagte der Deutsche. Im nächsten Jahr wird Langer in Augusta wieder Jagd auf den Rekord und sein drittes Grünes Jackett machen, denn alle Masters-Sieger genießen an der Magnolia Lane ein lebenslanges Startrecht. „Ich glaube immer noch, dass ich einiges in mir habe“, sagte Langer. Einen Zeitpunkt, seine einzigartige Karriere zu beenden, sieht der in Florida lebende Bernhard Langer noch lange nicht.