Tennis

Roger Federer: „Ich fühle mich wie neu“

Der Schweizer Tennnis-Star spricht über sein Comeback nach der Knie-OP, das Glück mit der Familie und die Lust auf Olympia.

Roger Federer gewann 17 Grand-Slam-Titel, siegte allein acht Mal in Wimbledon

Roger Federer gewann 17 Grand-Slam-Titel, siegte allein acht Mal in Wimbledon

Foto: dpa Picture-Alliance / Joe Castro / picture alliance / dpa

Monte Carlo.  Roger Federer (34) ist der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten. Er gewann 17 Grand-Slam-Titel, siegte allein acht Mal in Wimbledon. Der Schweizer beendete fünf Jahre als Nummer eins der Weltrangliste und holte 88 Turniersiege.

Federer ist mit der ehemaligen Profispielerin Mirka Vavrinec verheiratet und Vater von Zwillingstöchtern und Zwillingssöhnen. Im Juni geht er in Deutschland bei den Gerry Weber Open in Halle an den Start. Er ist dort Titelverteidiger und achtmaliger Sieger. Aktuell feiert er sein Comeback beim Masters in Monte Carlo.

Berliner Morgenpost : Herr Federer, Sie haben gerade eine Ihrer seltenen Verletzungspausen hinter sich, nach einem Meniskusriss. Sie wurden Anfang Februar sogar erstmals in Ihrem Leben operiert.

Roger Federer: Das war schon eine emotionale Herausforderung. Die Diagnose nahm ich noch ziemlich gelassen hin. Aber als ich in den Operationsraum kam, dachte ich für mich: In einer Stunde bist du ein operierter Mensch. Das hat mir Angst gemacht. Als es vorbei war und ich mein Bein anschaute, hatte ich das seltsame Gefühl: Das ist gar nicht mehr dein Bein, du kannst ja die Zehen gar nicht bewegen. Es war schon eine gedrückte Stimmung, die ersten Stunden nach der OP. Das wurde erst besser, als ich wieder auf Krücken herumlaufen konnte.

Hatten Sie Befürchtungen, die Verletzung könnte ernstere Konsequenzen haben?

Nein. Da haben mich die Ärzte schnell beruhigt, schon vor der OP. Ich war überrascht, welche Fortschritte es bald nach dem Eingriff gab. Wie schnell ich wieder laufen und springen konnte.

Wie haben Sie diese tennisfreie Zeit erlebt?

Durchaus angenehm. Klingt ein wenig komisch. Aber Pausen sind nicht schlimm. Auch wenn ich nach gewollten Pausen auf die Tour zurückkomme, spüre ich immer diese Lust aufs Tennis ganz anders. Da hast du richtig Mumm und Motivation in den Knochen, fühlst dich frisch, wie neu. Jetzt brenne ich richtig auf die Rückkehr.

„Ich gebe immer mein Bestes. Das bin ich den Zuschauern schuldig““

Sie hatten auch mehr Zeit für die Familie.

Klar. Ich war mit den Kindern in den Bergen. Mir ging’s wirklich gut. Es ist auch schön, mal keinen Plan zu haben. Sonst ist alles getaktet, durchstrukturiert, in einem engen Zeitplan. Und plötzlich weißt du mal nicht, was der Tag so alles bringt.

In diesem Jahr werden Sie 35 Jahre alt. Gibt es Gedanken an das Karriereende?

Nein, überhaupt nicht. Da hat auch die Verletzung nichts dran geändert.

Sie haben mal gesagt: Heute ist mein Glück anders im Tennis. Was meinen Sie?

Dass ich mit meiner Familie um die Welt reisen kann, dass wir dabei eine glückliche Familie sind. Dass ich so viele Fans habe, so viel Wertschätzung kriege. Das beflügelt mich auch jeden Tag neu: Ich fahre ja nicht einfach zu einem Turnier hin und spiele Larifari. Ich gebe immer mein Bestes. Das bin ich den Zuschauern schuldig.

Noch einmal: Was genau motiviert Roger Federer jetzt und hier. Einen Mann, der alles schon gewonnen hat, was es im Tennis zu gewinnen gibt?

Du wirst nicht satt durch diese großen Erfolge. Du willst mehr. Du willst diese Gänsehaut-Momente noch mal erleben. Noch mal Wimbledon gewinnen, noch mal die Lieblingsturniere.

Sie haben in den letzten Jahren oft bemängelt, dass nicht genügend junge Spieler nachrückten. Nun aber machen Spieler gerade der übernächsten Generation Schlagzeilen.

Ja, da ist etwas im Kommen, da passiert etwas. Und doch brauchen diese Spieler noch ein, zwei Jahre Zeit, um sich zu etablieren. Diese Jahre muss man auch ausnutzen, weil einen die erfahrenen Leute noch nicht kennen. Man muss Punkte holen, man muss besser werden. Es ist die Zeit, in der die Weichen für die Karriere gestellt werden.

Welchen Eindruck vermittelt der Deutsche Sascha Zverev auf Sie?

Ein absolut großes Talent. Er wird weit kommen. Wie weit, das entscheidet am Ende er selbst. Wichtig ist das richtige Team drumherum, da hat er sich offenbar gut aufgestellt. Er muss das Ganze auch genießen, auch den Hype. Muss sich davon tragen lassen. Er scheint mir ein Typ zu sein, der die große Bühne liebt, der gern auf den Centre Court rausgeht.

Früher redeten im Männertennis alle von den Großen Vier. Aber im Moment ist es eher ein Alleingang von Novak Djokovic, eine beinahe unheimliche Dominanz. Wer soll ihn aufhalten?

Es braucht verdammt viel, um ihn zu bremsen. Novak erlebt eine wunderbare Zeit seiner Karriere, er hat es auch geschafft, als Familienvater erfolgreich zu bleiben. Ich kenne das Gefühl, dass einen nichts stören kann – wenn man einmal die Welle reitet. Alle probieren, ihn zu schlagen. Aber es ist wirklich sehr schwer. Zumal er auch eine Nummer eins ist, die sich auf allen Belägen wohl fühlt. So wie es bei Nadal und mir früher auch war.

Also keine Wachablösung in Sicht?

Es wird nicht ewig so weitergehen mit dieser Dominanz, das ist normal. Man wird älter, man hat andere Pläne vielleicht, man ist mal verletzt. Oder man hört dann auch auf.

„Ich habe schon als Kind die großen Olympia-Wettkämpfe bewundert“

2016 ist noch einmal ein Olympiajahr für Sie, Rio nimmt einen besonderen Platz in Ihrer Jahresplanung ein. Was macht Olympische Spiele für Sie so besonders?

Ich habe schon als Kind vor dem Fernseher gesessen und die großen Olympia-Wettkämpfe bewundert. Die 100-Meter-Läufe, das Basketball-Dream-Team bei den Spielen 1992. Und dann fuhr ich als Teenager selbst schon 2000 nach Sydney, kämpfte um eine Medaille. Lernte dort meine Frau kennen. Eine unglaublich aufregende Zeit war das, sehr prägend für mein späteres Leben. Später war ich noch zwei Mal Fahnenträger bei den Eröffnungsfeiern in Athen und Peking. Gewann Gold im Doppel, Silber im Einzel.

In welchen Disziplinen starten Sie in Rio?

Im Einzel, im Mixed mit Martina Hingis. Und vielleicht im Doppel mit Stan Wawrinka. Das wird sich in den nächsten Wochen endgültig entscheiden. Die Vorfreude auf Rio ist sehr groß.