Tennis

Warum Lisickis Trennung von Pocher eine Chance sein kann

Die Berlinerin ist zwar beim Turnier von Charleston ausgeschieden. Doch Bundestrainerin Rittner sieht gute Ansätze - auch wegen Pocher.

Da waren sie noch ein Paar: Oliver Pocher und Sabine Lisicki im Oktober 2015 bei einer Gala für die Kinderhilfe in Wien

Da waren sie noch ein Paar: Oliver Pocher und Sabine Lisicki im Oktober 2015 bei einer Gala für die Kinderhilfe in Wien

Foto: imago stock&people / imago/Viennareport

Charleston.  - Tennisspielerin Sabine Lisicki ist beim WTA-Turnier in Charleston überraschend früh ausgeschieden. Die 26-Jährige musste sich am Mittwoch in ihrer Zweitrundenpartie der Kasachin Julia Putinzewa nach drei Sätzen mit 5:7, 6:3, 3:6 geschlagen geben und verpasste den Einzug ins Achtelfinale. "Ich bin enttäuscht von meiner gestrigen Leistung, aber ich benötige mehr Zeit, um mein Spiel komplett wiederzufinden", twitterte die Berlinerin am Donnerstag.

Es ist offensichtlich: Die Berlinerin befindet sich in einer Krise. Und die Fallhöhe ist gewaltig. Es ist noch keine drei Jahre her, da war Sabine Lisicki in aller Munde. Beim traditionsreichsten Tennis-Turnier der Welt, auf dem Rasen von Wimbledon, hatte sich die Berlinerin bis ins Finale vorgespielt. Ganz Deutschland sprach plötzlich wieder vom Tennis, auch wenn Lisicki das Endspiel gegen die Französin Marion Bartoli 2013 klar in zwei Sätzen verlor.

Dass es seitdem ruhiger um Lisicki geworden ist, kann man nicht sagen. Allerdings sorgt die 26-Jährige inzwischen kaum noch sportlich für Schlagzeilen. Im Rampenlicht stand Lisicki zuletzt meist nur noch wegen ihres Privatlebens. Hier ein Auftritt auf dem roten Teppich, da ein Foto mit dem Entertainer Oliver Pocher - von dem sie sich Mitte März nach etwas mehr als zwei Jahren Beziehung getrennt hat.

Jenseits der Top 50

Viel Zeit, auf dem Trainingsplatz zu stehen, blieb da offenbar nicht. Dementsprechend steil bergab geht es für die viermalige Turniersiegerin seit einiger Zeit. Als zu Beginn der Woche die neue Weltrangliste veröffentlicht wurde, suchte man den Namen Lisicki unter den Top 50 vergebens.

Als Nummer 51 der Welt startete sie in das WTA-Turnier von Charleston, wo sie 2009 den ersten Titel ihrer Karriere gewonnen hatte. Ein gutes Omen war das nicht. Die Kasachin Julia Putinzewa bedeutete Lisickis Endstation. Bei den Masters-Events in Indian Wells und Miami war zuvor sogar jeweils nach der Auftaktpartie Schluss.

„Sabine braucht noch etwas Zeit“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner, die deshalb auf eine Nominierung der Berlinerin für das Relegationsspiel im Fed Cup in Rumänien am 16. und 17. April verzichtete. „Sie hat in diesem Jahr bislang wenig Matches gespielt, Spielpraxis und Selbstvertrauen fehlen“, meinte Rittner. Immerhin habe Lisicki nach der Trennung von Pocher zuletzt in den USA wieder hart an sich gearbeitet. „Ich denke, sie ist auf einem guten Weg.“

Es fehlen taktische Finesse und Fitness

Lisicki hatte zu Beginn des Jahres bei den Australian Open, wo auch schon in Runde zwei Endstation war, ebenfalls immer wieder darauf verwiesen, dass sie nach einer langen Verletzungspause einfach Geduld und Zeit brauche. „Die werde ich mir nehmen“, hatte sie gesagt und nach der Rückkehr aus Australien extra einen Reha-Block eingelegt. Allein die Ergebnisse blieben weiter aus.

Lisicki steht daher wieder einmal am Scheideweg. Die Schläge, um den Weg zurück in die Weltspitze zu finden, hat sie weiterhin. Was immer wieder fehlt, sind taktische Finesse und Fitness. Die Trennung von Pocher, der Lisicki oft auf Turnieren begleitete, was eher Ablenkung als Unterstützung war, kann für Lisicki auch zur Chance werden.

Mit mehr Konzentration auf den Sport können sich Erfolge wieder einstellen - und damit auch wieder sportliche Schlagzeilen über Sabine Lisicki erscheinen.