Golf

Warum Martin Kaymer das US Masters nicht gewinnen muss

Deutschlands Golfstar Martin Kaymer geht das US Masters gelassen an und konzentriert sich lieber auf ein anderes Großereignis.

Foto: Brant Sanderlin / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Augusta.  Martin Kaymer hat seine Lehren aus den meist schmerzhaften Erfahrungen beim US Masters gezogen: Zu viel Fokussierung aufs Prestige-Turnier der Golfer kann schaden.

Dieses Mal reiste der ehemalige Weltranglistenerste aus Mettmann erst am Montag nach Augusta (US-Bundesstaat Georgia). Sonst war er stets früher da gewesen. „Ich werde es angehen wie jedes andere Turnier“, sagte der 31-Jährige vor Turnierstart am Donnerstag.

Er kenne den anspruchsvollen Platz an der Magnolia Lane, auf dem er in acht Anläufen nie besser als Platz 31 abschnitt (2014), mittlerweile gut genug.

Seit 22 Monaten ohne Turniersieg

„Ich war mit meinem Spiel beim Matchplay vor zwei Wochen zufrieden. Wenn ich dort anknüpfen kann und der Putter funktioniert, bin ich zuversichtlich, eine gute Rolle spielen zu können“, sagte der zweimalige Majorsieger, der seit 22 Monaten ohne Turniersieg blieb und auf Rang 50 der Weltrangliste abrutschte.

Im Vorjahr kam Kaymer übertrainiert zum ersten Major des Jahres. Er war eigentlich schon müde, als es losging und schied nach zwei Tagen wieder einmal frustriert aus. Zum fünften Mal bei acht Anläufen.

In diesem Frühjahr, in dem er schon manchen Rückschlag einstecken musste und nie über Rang 16 hinauskam, hat er seinen Turnierplan nun etwas umgestellt. Vor dem Masters nahm er zudem eine zusätzliche Woche frei, um in Scottsdale noch an Kleinigkeiten zu arbeiten. Er sei nun „zuversichtlich, bald wieder konstant gute Ergebnisse abzuliefern“.

Lieber Gold statt Grün

Aber auch, wenn es wieder nicht reicht für den großen Erfolg beim 80. Masters im Augusta National Golf Club, will der Rheinländer gelassen bleiben. Sein Saisonziel wartet im Sommer: der Start in Rio (11. bis 14. August).

Olympia steht für Deutschlands besten Golfprofi in diesem Jahr „an oberster Stelle“. Lieber Gold statt Grün lautet also das Credo von Kaymer, lieber eine Medaille statt das begehrte grüne Sieger-Jackett von Augusta.

„Ein Major kann man viermal im Jahr gewinnen, eine Olympiamedaille aber nur einmal alle vier Jahre“, rechtfertigt Kaymer seine Sichtweise. Golf ist in diesem Jahr bei den Sommerspielen in Brasilien erstmals seit 1904 wieder olympisch.

McIlroy ist heiß auf den Masters-Gewinn

Nun ist das Masters bekanntlich nicht irgendein Major, vielmehr ist es für viele das Turnier schlechthin. Und Rory McIlroy (Nordirland), neben Branchenführer Jason Day (Australien) und Titelverteidiger Jordan Spieth (USA) der große Favorit auf den Siegerscheck in Höhe von 1,8 Millionen Dollar, sagt ohne Umschweife: „Ich würde definitiv noch vier Jahre auf Olympia warten, wenn ich stattdessen das Masters gewinnen könnte. Ein Major ist eben der Gipfel unseres Sports und stets wichtiger.“ Das liegt vielleicht aber auch daran, dass das Masters das einzige Major ist, das er noch nicht gewinnen konnte.

Denn auch die Herrscher des Golf vom Dachverband PGA räumen Olympia einen unerwartet hohen Stellenwert ein, indem sie den Olympiasieger von Rio mit einem Startrecht für alle Major-Turniere im Jahr 2017 (US Masters, US Open, British Open und PGA Championship) belohnen wollen.

„Ich freue mich sehr auf Rio“, sagt deshalb Kaymer, nicht nur weil es beim dortigen Turnier mit 60 Teilnehmern keinen Cut gibt. „Ich hatte Möglichkeiten, mich mit ehemaligen oder aktiven Olympioniken zu unterhalten und mir deren Erfahrungen und Berichte anzuhören. Auf den verschiedenen Touren bin ich jetzt seit fast zehn Jahren dabei, da kenne ich schon alles. Aber Olympia, das deutsche Team, das Dorf, all das werden neue Erfahrungen.“