Champions League

Zu früh gefreut: Nach Vidals Blitztor kommt nur noch wenig

Bayern München gewinnt im Viertelfinal-Hinspiel dank eines Treffers von Arturo Vidal 1:0 gegen Benfica Lissabon. Ein dünnes Polster.

München. Es wurde doch ein enges Spiel, mit einem riskanten Ergebnis fast über die gesamte Spielzeit. Nur kein Gegentor kassieren, das lähmte die Bayern im ersten Viertelfinal-Duell der Champions League in der Allianz Arena gegen Benfica Lissabon.

Es wurde ein knappes 1:0 durch das frühe Kopfballtor von Arturo Vidal nach nicht einmal zwei Minuten. Dünnes Eis fürs Rückspiel am 13. April in Portugal. „Wir wissen, dass es eine enge Kiste wird“, schwant auch Nationaltorhüter Manuel Neuer.

Lediglich der Start glückte. Wollte Pep Guardiola die Herrschaften von Benfica mit seiner Lobhudelei etwas einlullen? Die Abwehr der Portugiesen mit einem dicken Lob dünnhäutig machen? „Ihre Viererkette ist die momentan vielleicht beste in Europa“, meinte der Bayern-Trainer.

Und dann das: Sehr, sehr einfach kamen die Bayern zur Führung nach 109 Sekunden. Auf Flanke von Juan Bernat, der so viel Zeit hatte wie ein Tennisspieler beim Aufschlag, köpfte Vidal zum 1:0 ein. Sein zweites Champions-League-Tor per Kopf, das zehnte insgesamt.

Unabsichtliches Handspiel von Lahm im Strafraum

Und der schnellste Treffer der Münchner in dieser Saison. Ging ja gut los. Aber viel zu lässig weiter. Schon in der 6. Minute fingen Costa und Thiago an, ein paar Kabinettstückchen Marke Hacke, Spitze, Trallala zu spielen – was Guardiola an der Seitenlinie überhaupt nicht gefiel. War aber egal – Benfica konnte sich kaum befreien, irgendetwas Sinnvolles jenseits der Mittellinie aufziehen.

Doch die Bayern eine Spur zu lässig, sie schluderten etwas. Thomas Müller vergab volley nach Thiago-Flanke aus dem linken Halbfeld an den zweiten Pfosten (21.), Ederson hielt. Nur ein Mal gab es Aufregung im Bayern-Strafraum, als die Portugiesen Handelfmeter forderten, weil Philipp Lahm eine Hereingabe von Gaitan im Fallen mit dem Arm abblockte – keine Absicht, kein Elfmeter (29.).

Schon die Aufstellung machte deutlich, dass Guardiola dieses Viertelfinal-Duell bereits im Hinspiel gewinnen wollte. Xabi Alonso und Javi Martínez blieben draußen, dafür verteidigte der Aufbau-spielstarke Innenverteidiger David Alaba, im Mittelfeld verteilte Thiago die Bälle. Auf sie mit Dominanz! So das Motto.

Letzte zehn Heimspiele in der Champions League gewonnen

Bis zur Pause kam nicht mehr viel, die Konzentration und Konsequenz fehlten Bayern diesmal. Dazu kam: Benfica störte früh. Die Fans in der Arena besangen jedoch bereits den „Eu-ro-pa-po-kal-sie-ger FCB“. Dieser Weg wird kein leichter sein. Neuer erkannte die starke Defensivleistung des Konkurrenten an: „Benfica stand sehr gut, ihre Viererkette funktioniert.“

In sechs Duellen gegen die „Aguias“, die Adler, war Bayern bislang unbesiegt geblieben – bei zwei Unentschieden. Außerdem wollten sie doch die beeindruckende Heimbilanz in der Königsklasse ausbauen. Die letzten zehn Partien gewannen die Guardiola-Männer bei einer Tordifferenz von 40:6 Treffern. Und Nummer 42? Ließ auf sich warten. Kam sogar gar nicht.

Es war nicht das Feuer des Rückspiel gegen Juventus Turin zu erkennen – aber klar, gestern musste Bayern keinen Rückstand aufholen. In einem Duell vorzulegen, ist oft schwieriger als auf einen Rückstand zu reagieren. Im Gegenteil: Benfica schaffte beinahe den Ausgleich, der eingewechselte Javi Martínez wurde im Fünfmeterraum von Jonas angeschossen, danach scheiterte Mitroglou – welch’ Glück (64.).

Neuer schon zufrieden, dass die Null gehalten wurde

Kommenden Mittwoch geht es im „Estadio da Luz“ um den Einzug ins Halbfinale. Es wäre das dritte Halbfinale im dritten (und letzten) Jahr unter Guardiola. Und sein dritter Anlauf, erstmals das Endspiel zu erreichen.

Für das Triple, für den größtmöglichen Triumph ausgerechnet zum Abschied? Neuer macht seinem Trainer zumindest Mut, was das Erreichen des Halbfinales angeht: „Wir können zufrieden sein, weil wir die Null gehalten haben.“