Leichtathletik

Rechtsstreit Friedek kontra DOSB endet nach sieben Jahren

Der frühere Dreisprung-Weltmeister erhält einen Ausgleich für die verpasste Olympia-Chance. Der Streit ging bis zum Bundesgerichtshof.

Der deutsche Dreispringer Charles Friedek startete auch bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin

Der deutsche Dreispringer Charles Friedek startete auch bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin

Foto: Bernd Thissen / dpa

Frankfurt/Main.  Ein beispielloser Rechtsstreit zwischen dem früheren Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist nach mehr als sieben Jahren endgültig beigelegt.

Bis zum Bundesgerichtshof hatte der heute 44-Jährige den DOSB verklagt, weil er 2008 nicht für die Olympischen Spiele in Peking nominiert worden war und ihm so üppige Sponsoren-, Preis- und Startgelder entgingen.

Jetzt einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich. Wie viel Schadenersatz der Weltmeister von 1999 genau erhält, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Ursprünglich wollte Friedek eine Summe von 133.500 Euro einklagen.

„Er wollte Frieden schließen“

„Es war immer das Bestreben von Charles Friedek, diese Sache nicht durch ein Urteil, sondern durch eine Einigung zu beenden. Er wollte Frieden schließen“, sagte sein Anwalt Michael Lehner. Der Fall zog sich seit 2008 durch zahlreiche Instanzen.

„Er hat aber auch sein Gutes gehabt“, meinte der Sportrechtler. „Der DOSB denkt bei seinen Nominierungsrichtlinien um. Er nimmt Leistungsdruck und den Dampf raus. Dass das so ist, ist auch dem Engagement von Charles Friedek geschuldet.“

Bei dem Rechtsstreit ging es immer auch um die Nominierungspraxis und die Macht des DOSB in dieser Frage. Friedek hatte im Juni 2008 bei einem Sportfest in Wesel zweimal die Qualifikationsnorm für die Spiele in Peking erfüllt.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband forderte allerdings von seinen Athleten, dass diese Norm bei zwei verschiedenen Wettkämpfen erfüllt werden musste. Das Problem dabei: Diese Regelung war nirgendwo präzise festgeschrieben worden. Das änderte sich im Sog des Falles Friedek.

Ex-Dreispringer arbeitet inzwischen als Bundestrainer

Der Athlet zog noch im Sommer 2008 vor das Deutsche Sportschiedsgericht, der DLV schlug ihn in der Folge für das Olympia-Team vor. Dann schritt der DOSB ein und entschied, ihn nicht mit nach Peking zu nehmen.

Friedek versuchte, den Start im Eilverfahren vor dem Landgericht Frankfurt durchzusetzen, scheiterte aber genau wie mit einem Einspruch vor dem Oberlandesgericht (OLG). Danach begann die Auseinandersetzung um den Schadensersatz.

Das Landgericht Frankfurt gab dem Dreispringer 2011 Recht, das OLG hob dieses Urteil zwei Jahre später auf. Erst im Oktober 2015 entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dass der DOSB als Monopolverband zur Nominierung von Athleten seine Pflicht schuldhaft verletzt habe.

Über die genaue Höhe des Schadenersatzes sollte danach das Landgericht Frankfurt entscheiden. Aber wenigstens diese Frage wollten beide Seiten am Ende außergerichtlich klären.

Trotz seiner jahrelangen Auseinandersetzung mit diversen Verbänden arbeitet Friedek als Weitsprung- und Dreisprung-Trainer auch für den DLV. Die von ihm trainierte Weitspringerin Alexandra Wester gehört zu den größten deutschen Leichtathletik-Talenten.