Formel Eins

Zwei Rennen machen noch keinen Weltmeister

Nico Rosberg genießt den Moment, anstatt vom Titel zu reden. Währenddessen findet die englische Presse scharfe Worte für Hamilton.

Nach dem Rennen wurde Rosberg von seinem Team gefeiert

Nach dem Rennen wurde Rosberg von seinem Team gefeiert

Foto: Mark Thompson / Getty Images

Sakhir.  Bei der Frage, wo er in seiner Wohnung die Weltmeister-Trophäe aufstellen würde, wurde Nico Rosberg kurz schwach. „Vielleicht würde ich ...“, setzte er an – doch schnell hatte sich der Sieger des Wüsten-Grand-Prix in Bahrain wieder im Griff: „Nein, ich denke nicht an die Saison. Ich genieße einfach den Moment“, sagte der WM-Spitzenreiter mit glänzenden Augen.

Auch nach seinem zweiten Saisonsieg im zweiten Rennen der Formel 1 – und dem fünften in Folge – zwang sich der Silberpfeil-Pilot zur Bodenhaftung. Dabei ist das Momentum klar auf seiner Seite.

Während der gebürtige Wiesbadener nach zwei fast perfekten Rennen mit dem Maximum von 50 Punkten zum Großen Preis von China (17. April) reist, haben seine vermeintlich größten Rivalen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel in der noch jungen Saison mit sich oder ihren Autos zu kämpfen. Trotzdem glaubt er: „Lewis wird zurückkommen, das ist klar.“ Und „den wahren Ferrari hat man auch noch nicht gesehen“.

„Daily Telegraph“ verhöhnt schon den Titelverteidiger

Rosbergs Mercedes-Teamkollege Hamilton offenbarte wie schon in Australien massive Probleme beim Start, erst dadurch konnte es in Kurve eins zur Kollision des Weltmeisters aus England mit Valtteri Bottas (Finnland) im Williams kommen. Von Schäden an Frontflügel und Unterboden eingebremst, kam Hamilton nicht über Rang drei hinaus.

Probleme mit dem neuen Kupplungssystem, das neuerdings vom Piloten ohne jegliche Unterstützung bedient werden muss, sind beim Champion schwer zu übersehen - auch wenn der Brite seinen wiederholt langsamen Start nonchalant herunterspielte: „Das ist kein großes Ding. Ich glaube nicht, dass das ein Dauerproblem wird.“

Auch vor einer Dominanz seines Teamkollegen ist dem dreimaligen Weltmeister anscheinend nicht bange. „Nico hat zwar die fünf letzten Rennen gewonnen. Aber für mich zählen nur zwei, nämlich die aus dieser Saison.“ Der „Daily Telegraph“ höhnte dennoch: „Lewis Hamilton erschien auf dem Sakhir-Rundkurs im Stil eines Prinzen aus Bahrain, konnte dann aber nach einem uneleganten Start nur noch wie ein abgesetzter Emir durch die Runden humpeln.“

Rosberg war auch deswegen so erfolgreich, weil er in Bahrain selbst auf der schmutzigen Seite der Strecke von Startplatz zwei überragend weg kam, sich damit aus dem Gedränge heraushielt und das Rennen von der Spitze diktieren konnte. „Es war ein großartiges Wochenende. Der Schlüssel war wirklich der Start“, resümierte der Wahl-Monegasse: „Danach war es aber das längste Rennen für mich, es hat sich angefühlt wie sechs Stunden.“

Bei Mercedes ist der Respekt vor Ferrari aber noch gewachsen

Nicht einmal eine Sekunde dauerte der zweite WM-Lauf für Ferrari-Star Sebastian Vettel. Nach seinem Motorschaden noch in der Einführungsrunde war der 28-Jährige restlos bedient: „Mein Auto steht irgendwo da hinten im Sand. Keine Ahnung, was los war“, sagte der Heppenheimer: „Man bereitet sich auf das Rennen vor, will einen guten Start hinlegen und dann Mercedes unter Druck setzen. Dann ist es blöd, wenn man gar nicht fährt.“

Mercedes-Motorsportchef Christian Wolff wollte die Roten dennoch nicht abschreiben. „Ferrari ist nicht weit weg, das hat man wieder gesehen. Wenn Sebastian im Rennen gewesen wäre, wäre es noch heißer geworden“, urteilte der Österreicher bei Sky. Immerhin hatte sich der Finne Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari zwischen die beiden Silberpfeile geschoben.

Wolffs Gegenüber Maurizio Arrivabene sieht die Karten doch noch etwas anders verteilt. „Wir haben uns angesehen, wie viel Viagra die Mercedes benutzen – 250 oder 500. Wir haben herausgefunden, dass wir 500 brauchen, um sie zu schlagen“, scherzte der Italiener nach dem Rennen. Um Rosberg zu erreichen, liegt der Wert derzeit womöglich noch etwas höher.