Gummersbach –

Handballer fast schon reif für Rio

Sigurdssons Europameister weder von Dänemark noch von Österreich zu stoppen. Harter Kampf um die Olympia-Tickets

Gummersbach. Bemerkenswerter Prestigeerfolg gegen Dänemark, souveräner Sieg gegen Österreich: Die deutschen Handball-Europameister haben sich gut vier Monate vor den Olympischen Spielen in Rio in bärenstarker Form präsentiert. 24 Stunden nach dem überraschend deutlichen 33:26 (17:15) gegen den WM-Fünften Dänemark in Köln bezwang die vor Selbstvertrauen strotzende Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson Österreich in Gummersbach mit 26:20 (13:7).

„Das war teilweise sehr, sehr gut. Man hat gemerkt, dass wir eine Woche zusammen trainiert haben. Das war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung“, sagte Sigurdsson, dessen Team die Fans mit Tempo, Tricks und tollen Toren verwöhnte. „Mit dem Auftritt“, betonte der am Sonntag 43 Jahre alt gewordene Sigurdsson, „sind wir sehr zufrieden.“ Anders als vor drei Wochen beim Doppel-Test gegen Vizeweltmeister Katar, als dem Kantersieg (32:17) im ersten Vergleich zwei Tage später eine Niederlage (24:26) folgte, blieb die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) auch nach der Glanzleistung gegen Dänemark konzentriert. Vor 4132 Zuschauern in der Schwalbe-Arena in Gummersbach war Julius Kühn mit sieben Toren bester deutscher Werfer.

Die deutsche Defensive um Abwehrchef Finn Lemke war wie beim EM-Triumph in Polen nur schwer zu überwinden, dahinter zeigte Torhüter Carsten Lichtlein einige starke Paraden. Im Angriff agierte die DHB-Auswahl äußerst variantenreich und zog bereits in der 14. Minute auf 8:1 davon. Nach 11:4 (22.) und 13:5 (27.) ging es mit einem beruhigenden Sechs-Tore-Vorsprung in die Halbzeit. Auch nach dem Wechsel hatte der Favorit die Partie trotz kleinerer Nachlässigkeiten jederzeit im Griff, Sigurdsson konnte verschiedene Formationen testen.

Schon am Sonnabend hatte der Bundestrainer angesichts der hohen Belastung munter durchgewechselt und so Nikolai Link von Zweitliga-Spitzenreiter HC Erlangen zu seinem Debüt im Nationaltrikot verholfen. Die Glanzpunkte setzten allerdings andere. Kapitän Uwe Gensheimer erzielte acht Treffer, im Rückraum setzten sich Steffen Fäth und Kühn mit Toren und sehenswerten Anspielen an den Kreis immer wieder in Szene. In der Schlussphase spielte sich die DHB-Auswahl gegen die Dänen, die auf ihren Superstar Mikkel Hansen verzichten mussten, vor 13.122 begeisterten Zuschauern in einen Rausch. „Da haben wir den Gegner gut auseinandergenommen“, sagte Gensheimer.

Beeindruckend ist die Breite des Kaders. Trotz der vielen Wechsel und des Ausfalls einiger Profis war kein Qualitätsverlust auszumachen. Sigurdsson bezeichnet die große Auswahl, zu der mit Silvio Heinevetter, Fabian Wiede und Paul Drux aktuell drei Füchse aus Berlin gehören, als Luxusproblem. Spätestens, wenn es um die Nominierung für die Sommerspiele in Rio (5. bis 21. August) geht, wird es für den Isländer Härtefälle geben. Sigurdsson darf lediglich 14 Spieler benennen. Die Spiele gegen Dänemark und Österreich wollte er noch nicht als Olympia-Casting verstanden wissen, seine Akteure betrieben dennoch reichlich Eigenwerbung für eines der begehrten Rio-Tickets.