Formel 1

Der Apfel fährt nicht weit vom Stamm

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Gerhard Kuntschik
Vater und Sohn: Keke Rosberg (l.) und Nico Rosberg

Vater und Sohn: Keke Rosberg (l.) und Nico Rosberg

Foto: dpa Picture-Alliance / HOCH ZWEI / Juergen Tap / picture alliance / HOCH ZWEI

In der Formel 1 starten immer mehr Söhne von Ex-Piloten. Manche übertreffen den eigenen Vater, andere erleiden dasselbe Schicksal.

Sakhir/Salzburg.  Wie der Vater so der Sohn: längst keine Seltenheit im Motorsport und in der Formel 1. In dieser Saison, die am Sonntag mit dem Großen Preis von Bahrain in Sakhir weitergeht (17 Uhr/RTL und Sky), debütierte Jolyon Palmer. Kevin Magnussen kehrte nach längerer Pause zurück.

Beide fahren für das aus Lotus hervorgegangene Renault-Werksteam. Palmer (25), GP2-Meister 2014 und im Vorjahr Testfahrer von Lotus, ist Sohn des promovierten Mediziners Jonathan Palmer (59), der 83 Große Preise von 1983 bis 1989 bestritt und in „kleinen“ Teams (Williams, RAM, Zakspeed, Tyrrell) acht Mal punktete.

Magnussen (23), der bei McLaren 2014 ein sensationelles Debüt feierte und dennoch Ende des Vorjahres als dritter Mann entlassen wurde, ist Sohn eines noch aktiven Vaters. Denn Jan Magnussen (25 Formel-1-Starts 1995 bis 1998) fährt besonders in den USA noch Langstreckenrennen. Der Junior ist in der dänischen Heimat mittlerweile sogar populärer als der Papa.

Fast das halbe aktuelle Formel-1-Feld ist „erblich belastet“. Nico Rosberg (31/Mercedes) hat zwar mit 15 Rennsiegen zehn mehr als Vater Keke (67), doch der war immerhin einmal Weltmeister (1982). Max Verstappen (18) zeigte als Rookie im Vorjahr im Toro Rosso, dass man auch als Teenager reif für die Formel 1 sein kann.

Der Niederländer wurde dafür von Papa Jos ausgebildet (44, 107 Rennen zwischen 1994 und 2003). Berühmt wurde Verstappen Senior im Debütjahr 1994, als er in Hockenheim im brennenden Benetton saß, aber unverletzt entstieg. Die Bilder des Schumacher-Teamkollegen gingen um die Welt.

Familie Hill holte gleich drei Weltmeistertitel

Carlos Sainz (21) erreichte wie Verstappen Junior im Vorjahr das Wunschziel Formel 1 (Toro Rosso), war aber stets auf Rundstreckenrennen fixiert und eiferte nicht dem Papa Carlos Senior (53) nach. Dieser wurde zweimal Rallye-Weltmeister und einmal Dakar-Sieger. McLarens Ex-Weltmeister Jenson Button (36) bekam die Renngene von Vater John Button (1945-2014) vererbt, der in den 1970er-Jahren erfolgreich im Rallyecross war.

Vater und Sohn in der Topklasse gab es auch schon viel früher. So holte allein die Familie Hill drei WM-Titel der Formel 1: Vater Graham (1929-1975) zwei, Sohn Damon (55) einen. Damon ist nun Formel-TV-Kommentator.

Ohne große Erfolge blieb Michael Andretti (53) in seinem Formel-1-Jahr 1993, während Vater Mario (76) 1978 Weltmeister wurde. Doch der Junior holte in den USA den Cart-Titel (1991). Auch Marios zweiter Sohn Jeff war Rennfahrer.

Rosberg bringt seinen alten Herrn zum Staunen

Den WM-Titel verfehlte Ferrari-Star Gilles Villeneuve (1950-1982) durch seinen frühen Unfalltod, doch Sohn Jacques (44) gewann ihn 1997. Auch er ist heute TV-Experte. Nelson Piquet Junior (30) musste seine F1-Laufbahn nach eineinhalb Jahren 2009 unrühmlich beenden („Crashgate“ in Singapur) und kam nicht an die Erfolge seines Vaters Nelson (63) mit drei WM-Titeln heran.

Vater und Sohn in der Formel 1 schafften auch Satoru (63) und Kazuki Nakajima (31) sowie der tödlich verunglückte Manfred Winkelhock (1951-1985) und Sohn Markus (35).

Als Nico Rosberg, der einige Jugendjahre in der Wahlheimat der Eltern in Zell am See verbrachte und auch noch als F1-Star oft dort die Weihnachtsfeiertage verbrachte, nach einem anstrengenden Wintertraining zum Interview kam, berichtete er: „Ich war gerade in Schneeschuhen auf der Schmittenhöhe.

Jetzt gehe ich dann bei uns zu Hause in die Kraftkammer und anschließend in Kaprun mit meinen früheren Kumpels Eishockey spielen.“ Vater Keke sagte dazu wenig später in einer gemütlichen Bar: „Hätte ich damals so trainieren müssen wie Nico es heute macht, wäre ich nie Formel-1-Fahrer geworden.“ Ja, die Zeiten ändern sich.