Turnen

Lukas Dauser will über Rio nach Rio

Der Berliner Lukas Dauser kämpft mit den deutschen Turnern um die Qualifikation für die Olympischen Spiele.

Lukas Dauser hat gute Erfahrungen an Brasilien

Lukas Dauser hat gute Erfahrungen an Brasilien

Foto: Ronald Wittek / dpa

Berlin/Cottbus.  Bis zum vorletzten Gerät hatte es sehr gut ausgesehen für die deutschen Turner. Bei den Weltmeisterschaften im Herbst in Glasgow lag die DTB-Riege nach vier Disziplinen klar auf Olympiakurs, doch dann stürzten am Pauschenpferd drei Deutsche ab. „Vielleicht waren sich einige schon zu sicher, obwohl noch ein Gerät vor uns lag. Aber eine Turn-WM ist eben nicht Dirty Dancing, wo man am Ende genau weiß, was passiert“, sagt Bundestrainer Andreas Hirsch. Als Neunter verpassten die Deutschen die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro und müssen ab dem 16. April an gleicher Stelle einen erneuten Anlauf unternehmen. Acht Nationen kämpfen um vier freie Plätze.

WM wegen einer Schulterverletzung verpasst

Lukas Dauser war bei der WM in Glasgow wegen einer Schulterverletzung nicht dabei. Nun gehört der Berliner zu denen, die den Betriebsunfall korrigieren sollen. „Ich bin mir sicher, dass wir die Qualifikation schaffen, wenn wir alle unsere normale Leistung abrufen“, sagt er. Mut macht ihm dabei auch seine bislang letzte Reise nach Brasilien, 2015 gewann er beim Weltcup in Sao Paulo am Barren: „Das gibt mir ein gutes Gefühl. Die Kampfrichter werden dieses Mal wieder die gleichen wie damals sein. Bei denen habe ich mir schon einmal einen Namen gemacht.“

Vor vier Jahren war Dauser aus München an die Spree gewechselt, weil es dort bessere Trainingsmöglichkeiten gibt. „Es war die richtige Entscheidung. Die Bedingungen in Berlin sind einfach optimal“, sagt er. Trotzdem dauerte es fast ein Jahr, bis er sich in der neuen Umgebung eingelebt hatte: „Im Vergleich zu Berlin ist München ja doch ein Dorf.“

Bundestrainer schätzt das Mitdenken für das Team

Barren und Reck sind Dausers Paradedisziplinen. In den vergangenen Wochen hat der 22-Jährige allerdings vor allem am Pferd trainiert, weil die deutschen Turner Punkte dort ganz besonders nötig haben. „Das ist unser Wackelgerät“, sagt Dauser. Eine Entscheidung ganz im Sinne von Bundestrainer Hirsch, für den eine mannschaftsdienliche Leistung fast genauso viel zählt wie eine internationale Spitzenleistung. In Rio will er kein unnötiges Risiko eingehen, am wichtigsten sei dort eine sauber geturnte Übung, auch wenn diese vielleicht nicht den höchsten Schwierigkeitsgrad hat. „Klar ist aber auch, dass man mit einer Rolle vorwärts nicht zu Olympia kommt“, sagt Hirsch.

Das schwache Abschneiden bei der WM sei kritisch aufgearbeitet worden, sagt der Bundestrainer. „Unser Ziel muss es sein, als Gewinner aus dieser schwierigen Situation hervorzugehen.“ Zuletzt präsentierten sich die Turner in starker Verfassung: Andreas Bretschneider siegte beim Weltcup in Stuttgart. Und Marcel Nguyen, 2012 Olympia-Zweiter im Mehrkampf und am Barren, scheint auf dem Weg zurück zu alter Verfassung. Negativ zu Buche schlägt die Verletzung von Fabian Hambüchen – seine Teilnahme an der Olympia-Qualifikation ist fraglich. „Dann muss eben jeder von den anderen Athleten noch ein, zwei Prozent mehr geben“, sagt Nguyen.

Letzter Test am Wochenende beim Turnier der Meister

Den letzten Test vor der Abreise nach Brasilien absolvieren die DTB-Asse jetzt am Wochenende beim Turnier der Meister in Cottbus. Die traditionsreiche Veranstaltung, einer von nur zwei Weltcups in Deutschland, findet in diesem Jahr zum 40. Mal statt. In der Lausitz ist auch die Frauenriege am Start, die nach WM-Platz zwölf im Vorjahr ebenfalls um das Olympiaticket bangt. Wenn die Deutschen die Qualifikation schaffen, fliegen fünf von ihnen im August zu den Olympischen Spielen – ansonsten nur ein oder zwei. Endgültig vergeben werden die Plätze im Team aber erst Anfang Juli.

Mit Philipp Herder ist in Cottbus ein weiterer Berliner vertreten, der auch für den Wettkampf in Rio nominiert wurde. Dauser und er trainieren gemeinsam im Sportforum Hohenschönhausen, zehn Mal pro Woche.