Leichtathletik

Usain Bolt hat Berlin nach Jamaika verlegt

In seiner Heimat trainiert der Sprintstar auf einer blauen Bahn – wie im Olympiastadion. Dort schaffte er 2009 bei der WM zwei Weltrekorde.

Freunde fürs Leben: Sprintstar Usain Bolt (rechts) und WM-Maskottchen Berlino haben sich 2009 im Olympiastadion liebgewonnen

Freunde fürs Leben: Sprintstar Usain Bolt (rechts) und WM-Maskottchen Berlino haben sich 2009 im Olympiastadion liebgewonnen

Foto: Anke Fleig / SVEN SIMON / picture-alliance / Sven Simon

Kingston.  Usain Bolts Schmuckstück liegt umringt von Hügeln und ist nur über einen staubigen Schotterweg zu erreichen. Auf dem Campus der University of the West Indies in Mona/Jamaika, auf dem der Rasen verdorrt und selbst starke Winde die Schwüle nicht mildern, sticht ein tiefblaues Oval aus dem sonnenverbrannten Grün der Umgebung hervor.

Eine Replik der Laufbahn des Berliner Olympiastadions wurde hier als Andenken an seine 2009 eroberten WM-Titel und Weltrekorde über 100 (9,58 Sekunden) und 200 Meter (19,19) zwischen Palmen, Wiesen und renovierungsbedürftige Häuser gesetzt. Immer wieder schwärmt er von den unvergesslichen Tagen in Berlin. Viele werden sich noch an die Faxen erinnern, die er mit Berlino gemacht hat, dem Maskottchen der Titelkämpfe.

In Mona erinnert nichts an den Glitzer und Glamour der Medien- und Marketingikone Bolt (29), dort schuftet der schnellste Mann der Welt für sein letztes großes sportliches Ziel – den Dreifach-Triumph bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August).

Bolt ist in Jamaika der Volksheld schlechthin

„Ich will schnell laufen, große Dinge vollbringen und meine Titel verteidigen. Am Ende meiner Karriere können die Leute dann sagen: Usain, du bist einer der größten Athleten aller Zeiten“, sagt Bolt. Der sechsmalige Olympiasieger hat auch schon einen Namen für seine Mission gefunden: „Triple-Triple.“

Mit neun olympischen Goldmedaillen, so Bolts Rechnung, stünde er endlich in einer Reihe mit Sport-Ikonen wie Muhammad Ali oder Michael Jordan: „Deshalb will ich zu den Olympischen Spielen.“

Bolt wird in Rio die Erwartungen erfüllen, zumindest die an sein Auftreten in der Scheinwelt der Olympischen Spiele. Bolt wird den Clown mimen, mit den Kameras flirten und sehr wahrscheinlich auch seine berühmte Jubelpose zeigen. Doch wie viel davon ist echt?

Sein Konterfei ziert Werbeplakate in New York und Tokio, in London und Johannesburg. Doch die grünen Hügel seiner Heimat, so scheint es auf der blauen Tartanbahn von Mona, hat Bolt nie wirklich verlassen. „Ich fühle mich hier sehr viel wohler. Du siehst deine Familie, an 90 Prozent der Tage ist es warm, du brauchst dir keine Gedanken um das Wetter zu machen“, sagt Bolt und lobt die „guten Vibes“ seiner Landsleute.

Olympische Spiele in Rio werden seine letzten sein

„Mr. Bolt“ ist für viele Jamaikaner ein Volksheld. Seine mit Erinnerungsstücken geschmückte Sportsbar in der Hauptstadt Kingston ist eine beliebte Adresse, seine Leibspeise Jerk Pork ist fester Bestandteil der Karte, für die Sommerspiele ist ein Public-Viewing geplant. Bei den Champs, den von Zehntausenden besuchten und euphorisch gefeierten College-Meisterschaften im Nationalstadion, eifern Talente dem großen Idol nach. Einst ging hier auch Bolts Stern auf.

Er versuche stets, der zu bleiben, der er war, und nichts zu verändern, sagt Bolt. Dass dabei seine Augen hinter den dunklen Gläsern einer italienischen Designer-Sonnenbrille nur zu erahnen sind – nun ja. Und ob möglicherweise auch die als ausbaufähig geltende jamaikanische Anti-Doping-Politik Einfluss auf Bolts Wahl des Trainingsortes hat, weiß letztlich nur er selbst.

Allzu lange wird der zuletzt von Knöchelproblemen geplagte Bolt seine Privatbahn in Mona nicht mehr zur Wettkampfvorbereitung nutzen. Die Spiele in Rio, sagt er, „werden definitiv meine letzten sein. Für mich ist es schwierig, vier Jahre dranzuhängen und motiviert zu bleiben.“ Mal sehen, ob er bei seiner Meinung bleibt.