Filmpremiere

Der schlechteste Skispringer aller Zeiten erobert die Kinos

Die wundersame Karriere von„Eddie the Eagle“ wurde verfilmt. Sonntag ist Premiere. Ein Hollywoodstar spielt seinen Trainer.

Die Haltung war schon damals gewöhnungsbedürftig: Michael "Eddy" Edwards 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary

Die Haltung war schon damals gewöhnungsbedürftig: Michael "Eddy" Edwards 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary

Foto: SVEN SIMON / picture-alliance / Sven Simon

Köln.  Die dicken Brillengläser, die hohe Stirn, der 80er-Jahre-Schnurrbart: Als Michael Edwards, besser bekannt als „Eddie the Eagle“, erstmals seiner Hollywood-Version begegnete, musste der schlechteste Skispringer der Geschichte laut lachen. „Der sieht ja aus wie ich“, sagte der schräge Brite (52) über den verunstalteten Schauspieler Taron Egerton. Als Kompliment war das eher nicht gemeint.

Am Sonntag feiert der Kinofilm „Eddie the Eagle - Alles ist möglich“ in München mit Egerton in der Hauptrolle Deutschland-Premiere (ab 31.März in den deutschen Kinos).

Die Story ist typisch Hollywood, nur eben wahr: Außenseiter Michael Edwards aus Stroud in Gloucestershire (Großbritannien) war keinesfalls ein guter Skispringer. Im Gegenteil, er geht in die Geschichte ein, als schlechtester Skispringer aller Zeiten.

Aber Michael Edwards hatte einen Traum: die Olympischen Spiele. Trotz seiner wohlgenährten Figur und seiner geringen Erfahrung qualifizierte sich der Brite für die Olympischen Spiele 1988 in Calgary, Kanada.

„Jeder Sprung hätte mein letzter sein können“

Nach lediglich fünf Monaten Training sprang Edwards in Oberstdorf von der Schanze und wurde abgeschlagen Letzter. Da die Weite von 73,5 Metern britischer Rekord war, konnte „Eddie the Eagle“ sich als erster und bislang einziger britischer Skispringer für Olympia qualifizieren.

Dass der damals 24-jährige keine Chance auf das Podest hatte, war jedem klar.Trotz alledem wuchs seine Fangemeinde mit jedem Sprung, bei dem Edwards selbst sagt „es hätte jeder Sprung mein letzter sein können.“

Deswegen grinste er vor jedem Sprung in die Kamera und grüßte seine Mutter. Das machte ihn für die Zuschauer sympathisch.Bei seinem ersten olympischen Sprung schaffte „Eddie the Eagle“ lediglich 71 Meter von der Schanze. Im Vergleich: Der Finne Matti Nykänen sprang fast 50 Meter weiter. Edwards war das egal, er wollte einfach die Spiele genießen.

Nach diesem sportlich desaströsen Auftritt änderte das Olympische Komitee die Zugangsregeln und führte die „Eddie-the-Eagle-Regel“ ein. Diese beinhaltet, dass Skispringer in internationalen Wettbewerben im vorderen Drittel platziert sein müssen, um sich für Olympia zu qualifizieren. Daraufhin schaffte er es weder 1992, 1994 noch 1998 noch einmal zu Olympia. Dann gab er auf.

Einen großen Traum hat „Eddie the Eagle“ noch

Nun also der Film. Edwards hält ihn für gelungen, auch wenn seiner Ansicht nach „nur fünf Prozent“ der Realität entsprechen. Aber so ist eben Hollywood. „Ich habe die Filmrechte an meinem Leben schon vor 18 Jahren verkauft. Aber ich hätte nie gedacht, dass mal jemand anruft“, sagt Eddie.

Vor einem Jahr klingelte doch das Telefon, und Hollywood begann mit den Dreharbeiten in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. Mit dabei: Stars wie Hugh Jackman, der den Trainer von Eddie darstellt, oder Iris Berben, die die Wirtin im „Olympiastübchen“ in Garmisch spielt.

Und vielleicht wird „Eddie the Eagle“ sogar noch einmal springen. Seinen Traum, bei der Vierschanzentournee als Vorspringer vom Bakken zu gehen, hat er noch immer nicht aufgegeben. Immerhin: Auf die daumendicken Brillengläser ist Edwards längst nicht mehr angewiesen. Vor wenigen Jahren hat er sich endlich einer Operation unterzogen.