Motorsport

Die Formel 1 soll wieder lauter und spannender werden

Am Sonntag ist Saisonstart in Melbourne: Die Morgenpost erklärt die wichtigsten Neuerungen.

Nico Rosberg im Mercedes bei einer Testfahrt in Barcelona

Nico Rosberg im Mercedes bei einer Testfahrt in Barcelona

Foto: Laci Perenyi / picture alliance / Laci Perenyi

Melbourne. Schon bei der Anreise zum Saisonauftakt in Australien am Sonntag (6 Uhr MEZ, RTL und Sky) bekam Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton zu spüren, dass er der Gejagte ist. Beim Zwischenstopp in Neuseeland hatte der Brite eine Motorradfahrt auf einer Harley unternommen, wegen seiner (verbotenen) Handyaufnahmen davon nahm aber die Polizei danach Ermittlungen auf. Auch wenn sie aus Mangel an Beweisen alsbald eingestellt wurden, bekam Hamilton einen Vorgeschmack auf das Jagdfieber, das ihm in den kommenden Monaten auch auf der Rennstrecke begegnen wird.

Denn die ganze Motorsportwelt wünscht sich wieder mehr Spannung in der Königsklasse, die zweijährige Dominanz der Silberpfeile von Mercedes ließ die TV-Quoten arg sinken und die Vermarktung stocken. Die Hoffnungen auf die Rückkehr des Spektakels tragen die seit neun Jahren titellose Scuderia Ferrari mit Pilot Sebastian Vettel („Die Nummer 1 muss zurück aufs rote Auto“) ebenso wie die Veränderungen auf und neben der Strecke. Die Berliner Morgenpost stellt Ihnen die wichtigsten vor.

Mehr Rennen: Zwei neue Rennen sorgen für eine Rekordsaison mit insgesamt 21 Starts. Der Große Preis von Europa findet erstmals in Aserbaidschan (auf einem Stadtkurs in Baku) statt, das Rennen in Deutschland kehrt nach dem Ausfall 2015 zurück nach Hockenheim. „Das wird physisch und psychisch zum Stressfaktor für die Teams“, sagt Mercedes-Motorsportchef Christian Wolff. Sogar der reiche Branchenprimus denkt nach, ein „B-Team“ an bestimmte Strecken mitzunehmen, um die Belastungen für die Mechaniker zu mindern. Ferrari-Chef Sergio Marchionne fordert für den Mehraufwand auch mehr Geld von Vermarkter Bernie Ecclestone: „Um zu gewährleisten, dass alle Teams in der Lage sind, zu den vielen Rennen zu kommen.“

Neue Teams

In den USA ist die Formel 1 bislang ja unterrepräsentiert, daher bedeutet der Einstieg von Haas F1 dort mehr Aufmerksamkeit. Besitzer ist der in der Nascar-Serie erfolgreiche Gene Haas, der aus Meran stammende Techniker Günther Steiner (früher Red Bull) Teamchef. Aus Lotus wurde wieder das Werkteam Renault, das es zuletzt 2011 gab. Manor verwendet nun Mercedes- statt Ferrari-Triebwerke; der Antriebsstrang von Red Bull Racing kommt zwar weiter von Renault, firmiert aber unter dem Namen eines Uhrensponsors.

Neue Fahrer

Es gibt drei Debütanten: den Briten Jolyon Palmer (25) bei Renault, den Indonesier Rio Haryanto (23) bei Manor sowie Pascal Wehrlein (21). Der jüngste DTM-Champion aller Zeiten kam mit Mercedes-Hilfe bei Manor unter und soll bei den Hinterbänklern Erfahrungen sammeln für spätere Fahrten im Silberpfeil. „Ein fantastischer Fahrer mit einer fantastischen Zukunft“ sagt selbst Weltmeister Hamilton über Wehrlein. Der Youngster könnte zur Gefahr für Nico Rosberg werden, dessen Vertrag bei Mercedes 2017 ausläuft.

Neue Reifen

Hier gibt es die größten Veränderungen. 13 Sätze Trockenreifen pro Auto/Wochenende (drei von Ausrüster Pirelli vorgeschrieben, davon zwei fürs Rennen); die Reifenmischungen werden von den Teams vorab (14 Wochen vor Übersee-, acht vor Europa-Rennen) beim Weltverband Fia geheim bestellt. Im Rennen können alle drei Mischungen verwendet werden, zwei sind Pflicht. Wer in der Qualifikation die finale Phase erreicht, erhält einen zusätzlichen Satz der weichsten Mischung. Die neue Mischung ist violett („ultra soft“), sie soll pro Runde 0,7 Sekunden schneller sein als die „super soft“ – aber viel kürzer halten. Das gibt mehr taktischen Spielraum - und wohl noch mehr als die insgesamt 706 Boxenstopps im Vorjahr.

Neue Technik

Drei Auspuff-Endrohre (statt bisher einem) sollen wieder für mehr „Sound“ sorgen. Gestattet ist nun zudem die Weiterentwicklung des Motors über die gesamte Saison.

Neuer Qualifikationsmodus

Ab Sonnabend (7 Uhr MEZ) scheidet in allen drei Qualifikationsrunden nach einer bestimmten Zeit alle 90 Sekunden der jeweils Langsamste aus, wie beim Stuhltanz. Die Zuschauer sollen so sonnabends länger Autos auf der Strecke erleben. Doch die Piloten sind skeptisch. „Mit dem neuen Format wird nicht alles besser, im Gegenteil“, meint Vettel. „Wenn ich Opa Formel 1 im Fernsehen anmache, versteht er gar nichts mehr“, schimpft Carlos Sainz. Ex-Pilot Marc Surer prophezeit gar: „Damit ist vor allem im Q1 Chaos programmiert. Impeding (englisch für Behinderung, d.Red.) wird wohl zum Unwort des Formel-1-Jahres, weil sich alle gegenseitig behindern.“