Skispringen

Wenn die Vierschanzentournee zum Türöffner wird

Die Skispringer beenden die Saison als Nummer zwei der Welt. Bundestrainer Schuster sieht Potenzial hinter Severin Freund.

Severin Freund gewann in dieser Saison das prestigeträchtige Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf und beendet den Weltcup auf Platz zwei des Gesamtklassements

Severin Freund gewann in dieser Saison das prestigeträchtige Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf und beendet den Weltcup auf Platz zwei des Gesamtklassements

Foto: NTB SCANPIX / REUTERS

Titisee-Neustadt.  – Zum Abschluss gab es gleich zwei enttäuschte Gesichter in Titisee-Neustadt. Weil das Skispringen am Sonntag wegen zu starker Winde abgesagt wurde, muss der 43 Jahre alte Japaner Noriaki Kasai seinen 500. Weltcupstart auf den Donnerstag verschieben, wenn in Planica beim Saisonfinale das ausgefallene Springen von Titisee nachgeholt wird.

Und Severin Freund war traurig, dass er beim Heim-Weltcup seinen fünften Platz vom Vortag, mit dem er nicht zufrieden gewesen war, nicht verbessern konnte. „Ich wäre gerne gesprungen, aber einen unfairen Wettbewerb brauchen wir natürlich nicht“, sagte der 27-Jährige.

Bundestrainer Werner Schuster war dagegen nicht unglücklich: „Severins Gesamtzustand ist nicht mehr der frischeste, sein Niveau reicht für Plätze zwischen drei und acht.“ Da passt es gut, dass Freund durch die Absage Kraft sparen kann. Die kann er von Donnerstag bis Sonntag auf der Flugschanze von Planica gut gebrauchen.

„Ich ziehe ein positives Fazit“

Aber auch schon vor dem Finale in Slowenien kann Schuster auf den Winter zurückblicken: „Was uns heuer fehlt, ist der ganz große Sieg. Das lag auch an Peter Prevc, der zu stark war.“ Der Slowene gewann mit der Vierschanzentournee, der Skiflug-Weltmeisterschaft und dem Gesamt-Weltcup nicht nur alle drei Großereignisse des Winters – sondern holte in den insgesamt 26 Wettbewerben gleich 13 Siege.

Neben so einem Überflieger sieht der Rest zwangsläufig schlecht aus. Trotzdem ist Schuster zufrieden. „Ich ziehe ein positives Fazit“, sagte er. Schließlich holte Deutschland Rang zwei im Nationencup hinter Norwegen. Und der Bundestrainer ergänzte: „Vor ein paar Jahren wären wir noch froh gewesen, wenn wir die zweitbeste Nation gewesen wären.“

Doch die Erwartungen sind gestiegen. Verantwortlich dafür ist vor allem Severin Freund. Der Gesamtweltcup-Sieger 2014/15 wird diese Saison auf Platz zwei beenden. Und das, obwohl er seit Jahresanfang nach einem Sturz beim Probesprung am Innsbrucker Bergisel Probleme mit seinem Rücken hatte und nur mit Einschränkungen trainieren konnte. „Er schleppt sich durch die Saison“, räumte Schuster ein.

„Wir haben die Big Points gut bewältigt“

Trotz Verletzung ist Freund auf die Vierschanzentournee nach wie vor stolz. Der Sieg beim Auftakt in Oberstdorf und Platz zwei in der Endabrechnung hätten ihm „die Tür aufgemacht für andere Sachen bei der Tournee in den kommenden Jahren“, sagte Freund. Und Schuster sagte, es habe sich eine riesige Wand vor der Tournee aufgebaut. „Dass wir diese Hürde, die mehr mentaler Natur war, übersprungen haben, wird sich künftig noch auszahlen.“

Sein Fazit: „Wir haben die Big Points gut bewältigt.“ Deswegen hat er die Vorbereitung geändert, damit die Form schon in der ersten Saisonhälfte mit dem Höhepunkt Vierschanzentournee vorhanden ist. Das ist vor allem Freund gelungen.

Nach seinen neun Siegen 2014/15 war Freund auch in dieser Saison mit drei Siegen und insgesamt elf Podiumsplätzen der Alleinunterhalter. Die Leistungen der Springer dahinter waren zu wechselhaft.

Hoffnungsträger Siegel

Lediglich Karl Geiger schaffte es mit Platz zwei auch einmal aufs Podest. Richard Freitag kam nie über die Rolle des talentierten Springers hinaus. „Für einen Springer seines Formats ist das zu wenig“, sagt Schuster. Jetzt soll aufgearbeitet werden, „wie wir ihm oder er sich selbst helfen kann, sein Potenzial noch öfter auszuschöpfen“. Auch Andreas Wellinger hatte schwache Phasen wie Rang 33 am Sonnabend in Titisee-Neustadt.

Zu Schusters positiver Bilanz tragen auch die Ergebnisse junger Athleten wie David Siegel bei. Der Athlet aus Baiersbronn machte zum ersten Mal beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen auf sich aufmerksam, als er Platz 16 erreichen konnte. Danach wurde er Doppel-Weltmeister bei den Junioren. „Man braucht so Leute, die auch mal vorne reinkrachen“, sagte Schuster. Und dann vielleicht mal genauso eine lange Karriere einschlagen wie der Japaner Kasai.