Leichtathletik

Robert Harting: „Ich will, aber ich muss nicht mehr“

Der Diskus-Olympiasieger und Rio-Hoffnungsträger hat sich in der Verletzungspause verändert, doch seine Ziele bleiben die gleichen.

Foto: Jens Wolf / dpa

Berlin.  Robert Harting ist nicht nur äußerlich entspannt. In Jeans, einem Sport-Shirt und Turnschuhen steht der Diskus-Olympiasieger in 203 Meter Höhe auf der Bühne. Im Fernsehturm präsentiert der Berliner Leichtathletik-Verband einige Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele in Rio.

Dazu zählen auch Hartings Freundin Julia Fischer, WM-Fünfte mit dem Diskus, der 800-Meter-Läufer Dennis Krüger sowie Weitspringerin Melanie Bauschke. Der 31-Jährige hat dabei sichtbar Spaß.

Nicht, dass Harting vor seiner schweren Knieverletzung, die ihn zu eineinhalb Jahren Wettkampfpause gezwungen hatte, ein einziger Griesgram gewesen wäre. Aber der dreimalige Weltmeister hat an sich selbst die Veränderung festgestellt. Er ist lockerer.

Zum einen wirkt noch die Euphorie nach von seinem ersten Auftritt beim Hallen-Istaf, das er mit 64,81 Metern gewann. Im letzten Versuch, so wie es am meisten Spaß macht. Es gibt noch einige weitere Faktoren.

„Weniger Vitalität, mehr Erfahrung“

Zugleich war der Comeback-Sieg ein Signal, dass seine Entscheidung richtig war. „Die Entscheidung, mich ein zweites Mal für den Leistungssport zu entscheiden.“ Die musste er treffen – unter ganz neuen Bedingungen. Einfach weitermachen wie vor der Verletzung war nicht drin.

Sein Körper hatte abgebaut, das ist normal in seinem Alter unter derartigen Beanspruchungen. „Irgendwann“, sagt Harting, „antwortet der Körper eben kritisch.“ Er teilt die Zeit so auf: „Vorher war viel Vitalität, wenig Erfahrung. Jetzt ist weniger Vitalität, dafür mehr Erfahrung.“

Nun ist zwar sein Anspruch geblieben, ein gleichgutes Ergebnis zu bringen. Doch er kann im athletischen Bereich nicht mehr das Gleiche von sich erwarten, das ist unrealistisch. Und bringt natürlich viel Unsicherheit mit sich: „Ich bin wissbegierig auf Resultate.“ Neugierig, was noch in ihm drinsteckt.

„Ich will Konfliktsituationen“

Gerade ist er von einem zweiwöchigen Trainingslager aus der Türkei zurückgekehrt. Noch bis in den Mai hinein will er „Leistung in den Körper reinprogrammieren“, soll heißen, fit werden für die großen Herausforderungen des Sommers mit den Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli) und den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August).

Seine nächsten Wettkämpfe hat er noch nicht festgelegt, weiß aber, dass er „Konfliktsituationen will“. Um ermessen zu können, wie weit er in der Leistungs-Strategie ist, die er gemeinsam mit Trainer Torsten Schmidt entwickelt hat: sich in die Konkurrenz einordnen, sich ihr unterordnen, und am Ende, das hat sich nicht verändert: sich durchsetzen.

„Ich war verbissen“

„Natürlich“, sagt Robert Harting, will ich noch mal Olympiasieger werden. Aber ich muss es nicht mehr.“ Im Moment sei er noch beim Unterordnen.

Der Berliner gibt freimütig zu, was die gravierendste Veränderung ist: „Ich war verbissen.“ Dann noch einmal, etwas verwissenschaftlicht, wie er es mag: „Eingeschränkt im Handlungsspielraum, was mein soziales Umfeld betrifft. Sehr fixiert. Jetzt versuche ich, mehr nach links und rechts zu gucken.“

Sogar der schmählichen Olympia-Absage der Hamburger und der allgemein nachlassenden Sport-Begeisterung kann er Positives abgewinnen. „Das nimmt auch Druck raus für uns Sportler.“ Robert Harting macht ganz den Eindruck, als sei er mit sich im Reinen. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, was die Aussichten für seine zweite Karriere im Leistungssport angeht.