Handball

Deutschland verliert 24:26 gegen Katar

Es war das letzte Spiel von Trainer Sigurdsson - und gerade das verlor die deutsche Nationalmannschaft gegen Katar in Berlin.

 Deutschlands Uwe Gensheimer (l) stoppt Katars Kamalaldin Mallash bei einem Wurf und muss für zwei Minuten vom Platz.

Deutschlands Uwe Gensheimer (l) stoppt Katars Kamalaldin Mallash bei einem Wurf und muss für zwei Minuten vom Platz.

Foto: Annegret Hilse / dpa

Eine Gruppe von fünf Mädchen ließ sich nicht entmutigen, obwohl ihr ganz persönlicher Handball-Held schon auf dem Weg zum Duschen war. „Aaandreas Wooolff“, schrien die Teenager aus ihren zarten Kehlen und zeigten dabei Kämpfergeist und Ausdauer, um den Torhüter der deutschen Nationalmannschaft doch noch zu Gesicht zu bekommen. Ganz im Gegensatz zur deutschen Auswahl, die in den 60 Minuten zuvor alles andere als geglänzt hatte. „Wir waren mental nicht bereit für dieses Spiel“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson und war enttäuscht nach dem 24:26 (11:14) im Länderspiel gegen Katar vor 9000 Zuschauern in der Schmeling-Halle: „Wir haben zu viele Fehler gemacht. Das war eine schwache Leistung.“

Sechs Wochen nach dem furiosen EM-Triumph in Krakau (Polen) bekam die deutsche Auswahl einen Dämpfer – und der hatte es in sich. „Wenn man tausend Mal hört, was man für ein tolles Team ist und was man für tollen Handball spielt und da jetzt auch noch das Casting für Olympia dazu kommt, dann ist das in den Köpfen drin“, erklärte der Bundestrainer und schob nach: „Wir waren zu stark in uns selbst verliebt.“ Jetzt müsse er alles daran setzen, diese Selbstverliebtheit bei sich und den Spielern wieder aus den Köpfen zu bekommen.“ Sigurdssons Erkenntnis war diese: „Wenn wir nicht bereit sind, mit vollem Kampf in so ein Duell zu gehen, dann sind wir nicht gut genug.“

Dagur Sigurdsson von den Füchsen offiziell verabschiedet

Vor dem Anwurf hatte es einen kurzen, aber emotional intensiven Moment gegeben. Sechs Jahre hatte Sigurdsson bis zum Sommer 2015 die Füchse trainiert, sie zu einer europäischen Spitzenmannschaft geformt und zum Abschluss mit den Berlinern den EHF-Cup gewonnen. Die Partie gegen Katar stellte nun das offizielle Abschiedsspiel dar. Es war freilich eher ein symbolischer Akt, war der Isländer im Juni des vergangenen Jahres doch schon auf großer Bühne von der Berliner Mannschaft und den Fans verabschiedet worden. „Danke für das Kommen, jetzt lasst uns das Spiel gewinnen“, sagte Sigurdsson am Sonntag, nachdem Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning per Video („Dagur war ein überragender Trainer für die Füchse“), Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller und einige Spieler ihm für die erfolgreiche Zeit in Berlin dankten. Hanning weilt gerade bei der Schul-WM in Frankreich. Sigurdsson: „Es war sehr, sehr schön, hierher zurückzukommen.“

Nach einer stimmungsvollen Vorstellung der EM-Helden im Disco-Nebel, wobei der Name von Wetzlars Torhüter Andreas Wolff von den Zuschauern am lautesten intoniert wurde, legten die Gastgeber engagiert los. Galt es doch, der gelungenen Revanche am Freitag in Leipzig (32:17) für die Pleite aus dem WM-Viertelfinale 2015 (24:26) umgehend einen zweiten Sieg über den Vize-Weltmeister folgen zu lassen. Allerdings zeigten die Kataris unter ihrem spanischen Startrainer Valero Rivera (früher FC Barcelona und spanischer Nationalcoach) eine deutlich bessere Leistung als noch am Freitag und übernahmen in der Partie rasch die Führung. Die deutsche Auswahl agierte im Abschluss zu unkonzentriert, vergab klare Chancen. Zudem unterliefen ihr immer wieder technische Fehler. Diese Einladung nahm Katar gern an und ging mit einem Drei-Tore-Vorsprung in die Kabine.

Im Tor räumte EM-Held Wolff nun seinen Platz, für ihn kam der Gummersbacher Carsten Lichtlein. Füchse-Star Silvio Heinevetter, der für die EM aus Formschwäche ausgemustert worden war, jetzt aber wieder nominiert wurde und am Freitag ein Halbzeit lang in Leipzig eine gute Vorstellung gezeigt hatte, musste das Handball-Treiben von der Bank aus verfolgen. Einen Bonus vor heimischer Kulisse jedenfalls räumte ihm Sigurdsson nicht ein. Doch auch der reflexstarke Lichtlein konnte nicht verhindern, dass Katar nach 41 Minuten auf 20:14 davonzog. Sofort versuchte Sigurdsson in einer Auszeit, seine Mannen wieder auf Erfolgskurs bringen, denn es ist kein Geheimnis, dass der Isländer es hasst zu verlieren. Am Spielfeldrand stehend verfolgte er, wie sein Team noch einmal die Reserven mobilisierte und sich gegen die Niederlage zu stemmen versuchte – aber das funktionierte nicht.

Das Länderspiel am Sonntag bildete den Abschluss eines Lehrgangs in der Hauptstadt, der am Mittwoch mit dem Empfang der Europameister bei Kanzlerin Angela Merkel begonnen hatte. Die beiden Partien gegen den Asienmeister waren auch der Auftakt der Olympiavorbereitung. Um die 30 Spieler stehen derzeit im erweiterten Aufgebot von Sigurdsson, 14 Akteure darf der Isländer dann im August mit nach Rio de Janeiro nehmen. Der Konkurrenzkampf um die begehrten Tickets ist entbrannt. Angesichts der hohen Leistungsdichte sagte Sigurdsson, „dass ich froh bin, dass ich jetzt noch nicht den Kader bestimmen muss“. Um die 30 Partien stehen den Auswahlspielern in der Nationalmannschaft und den verschiedenen Vereinswettbewerben noch bis Olympia bevor. „Da muss ich erst einmal sehen, wer sich wie entwickelt. Am Ende schaue ich nur auf die Leistung“, sagte Sigurdsson und stellte fest: „Alle haben die gleiche Chance auf Olympia.