Biathlon

Die deutschen Männer holen in Oslo gefühltes Gold

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Marco Alles
Glücklich mit Silber: Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp (v.l.) bei der Siegerehrung in Oslo

Glücklich mit Silber: Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp (v.l.) bei der Siegerehrung in Oslo

Foto: Fredrik Varfjell / dpa

Mit Staffel-Silber gewinnen die Männer ihre erste WM-Medaille in Oslo. Dabei hatte der Tag mit einem frühen Schrecken begonnen.

Oslo. In der Nacht vor dem prestigeträchtigen Staffelrennen der Biathlon-WM weckte ein Feueralarm die deutschen Starter. Ein Hotelgast hatte sich kurz vor zwei Uhr eine Zigarre angesteckt und das schrillende Signal ausgelöst. Erik Lesser war schon auf dem Sprung nach draußen, als Entwarnung gegeben wurde. Es dauerte dennoch eine Weile, bis er und die anderen Sportler wieder eingeschlafen waren.

Benedikt Doll gab nach der gewonnenen Silbermedaille – es war für die deutschen Männer der erste Podestplatz der WM in Oslo – sogar zu, kaum ein Auge zugemacht zu haben. Allerdings vor lauter Aufregung. „Drei-, viermal bin ich das Rennen im Traum durchgegangen. Ich war unheimlich nervös vor dem Schießen.“

Doch dies merkte man dem Debütanten in der WM-Staffel kaum an. Mit nur zwei Nachladepatronen und einer starken Laufzeit rechtfertigte er das Vertrauen der Trainer. Die hatten sich auf der vakanten Position zwei für ihn und gegen Routinier Andreas Birnbacher entschieden.

Heim-Gold für 25.000 Zuschauern

Als Simon Schempp schließlich den letzten Schuss ins Ziel gebracht hatte, riss Mark Kirchner die geballten Fäuste nach oben und nickte kurz. Zu mehr Emotionen ließ sich der Bundestrainer nicht hinreißen.

Stoisch ruhig verfolgte er, wie sein Schlussläufer dem führenden Emil Hegle Svendsen hinterherstürmte. Getragen von den 25.000 Zuschauern, die das Stadion am Holmenkollen aus Begeisterung fast abrissen, ließ sich der Norweger das ersehnte WM-Gold in der Königsdisziplin jedoch nicht mehr nehmen.

„Ich glaube, es war ganz gut so, dass ich hinter Emil ins Ziel gelaufen bin“, sagte Schempp mit breitem Grinsen. „Ich will ja am Sonntag noch im Massenstart antreten – und zwar lebendig.“ Aber auch im Ernst schienen die Deutschen sehr zufrieden mit Silber, nachdem sie vor einem Jahr im finnischen Kontiolahti noch Weltmeister geworden waren.

20. WM-Titel für Ole Einar Björndalen

„Wir sind super happy, haben ein Super-Spektakel geboten“, sagte Lesser. Auch Bundestrainer Kirchner war glücklich: „Wir haben wieder unter Beweis gestellt, zu den Besten zu gehören“, sagte der Thüringer. „Ein starkes Ding, obwohl wir von Norwegen knapp geschlagen wurden.“ Dritter wurde sensationell Kanada.

Der Oberhofer Lesser, der das deutsche Team als Startläufer mit perfektem Schießen in Führung gebracht hatte, meinte nach dem Spektakel mit einem Augenzwinkern: „Das war ziemlich abgekartet von den Norwegern. Die haben sich gesagt: Rauch mal einer eine Zigarre, dann müssen die Deutschen aus dem Bett.“ Aber selbst ohne Ruhestörung wäre es schwer gewesen, die wie entfesselt rennenden Norweger in die Schranken zu weisen.

Einen Tag nach dem Triumph ihrer Frauen machten auch sie ihr Publikum glücklich und zogen anschließend die eigens hergestellten goldenen Jacken an. Damit ging es dann hinauf in die Loge von König Harald V. – eine Audienz, die vor allem für Ole Einar Björndalen bewegend gewesen sein dürfte. Für den 42-Jährigen war es der insgesamt 20. WM-Titel.