Skispringen

Japaner Kasai fliegt in einer eigenen Welt

Am Sonntag springt der 43-jährige Kasai bei seinem 500. Weltcup. Doch dieses unglaubliche Jubiläum soll längst nicht sein letztes sein.

Noriaki Kasai gewann bei Olympia zweimal Silber und einmal Bronze

Noriaki Kasai gewann bei Olympia zweimal Silber und einmal Bronze

Foto: NTB SCANPIX / REUTERS

Titisee-Neustadt.  Als Noriaki Kasai am 17. Dezember 1988 sein Weltcupdebüt feierte, war Berlin noch durch die Mauer geteilt. 2016 ist der schier unverwüstliche Skisprung-Opa aus Japa immer noch dabei – und absolviert an diesem Wochenende in Titisee-Neustadt den 500. Weltcup seiner unglaublichen Karriere. „Für mich selber ist das eine Sensation und ich freue mich darüber. Es wird ein sehr emotionaler Moment für mich“, sagte der 43 Jahre alte Kasai vor dem Jubiläum an diesem Sonntag.

Bei seinem ersten Auftritt vor mehr als 27 Jahren daheim in Sapporo jubelte Dieter Thoma über Platz zwei hinter dem legendären Finnen Matti Nykänen. Nur zwei von vielen prominenten Namen aus einer anderen Skisprung-Epoche, gegen die Kasai noch gesprungen ist. Heute heißen Kasais Rivalen Peter Prevc oder Severin Freund.

„Ich denke zurück an wunderbare Momente die ich in den ganzen Jahren erlebt habe, und natürlich auch an bittere Niederlagen und Verletzungen. All das gehört wohl zu einer langen Karriere im Sport dazu. Aber es überwiegen natürlich die Gedanken und die Freude an das, was ich alles erreicht habe und was ich in meinem Sport erleben durfte“, erzählte Kasai in einem Interview für den Weltverband Fis.

Wie Björndalen setzt er Gesetze des Leistungssports außer Kraft

Sein erster Sieg gelang ihm am 22. März 1992 - in Harrachov wurde er Skiflug-Weltmeister. Bei Olympia gewann er zweimal Silber und einmal Bronze. Von Weltmeisterschaften kehrte er mit zwei Silber- und fünf Bronzemedaillen heim. Im Weltcup schaffte er 17 Siege und stand 52 Mal auf dem Podium.

Seine weltweite Popularität verdankt Kasai aber eher einem anderen Umstand. Ähnlich wie Norwegens Biathlon-Held Ole Einar Björndalen setzt er praktisch alle Gesetze des Hochleistungssports außer Kraft. Unzählige Technik- und Regeländerungen, an denen andere verzweifelt sind, hat Kasai scheinbar mühelos in sein Sprung-System aufgenommen. Hinzu kommt die nie nachlassende Lust am Fliegen.

„Es ist toll zu sehen, wie die Leute ihn honorieren. Er ist immer noch unglaublich fit für einen 43-Jährigen“, würdigte Bundestrainer Werner Schuster den zweimaligen Zweiten der Vierschanzentournee (1993, 1999). „Ich bin gespannt, wie lange er uns noch erhalten bleibt.“

An das Karriereende denkt der 43-Jährige noch lange nicht

Geht es nach Kasai, der 2015 geheiratet hat und vor wenigen Wochen erstmals Vater geworden ist, noch viele Jahre. „Als ich 40 geworden bin, habe ich mir fest vorgenommen, dass ich springe bis ich 50 Jahre alt bin. Das wären noch sieben Jahre. Momentan fühle ich mich fit genug, um diesen Plan auch umzusetzen“, sagte Kasai.

Bei ihm ist es wie beim Wein: Je älter, desto besser. Im vergangenen Jahr avancierte Kasai mit 42 zum ältesten Weltcupsieger der Geschichte, in diesem Winter stand er schon fünf Mal auf dem Podest. Und dann ist da noch ein ganz großes Ziel: „Die 500 ist eine schöne Zahl, aber meine Lieblingszahl ist die 6. Ich möchte gerne die 600 feiern.“